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Auf einer bayrischen Rautenflagge liegen verschiedenfarbige Kugelschreiber
© pa / dpa / Sascha Steinach

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Stephanie Stauss
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Auf einer bayrischen Rautenflagge liegen verschiedenfarbige Kugelschreiber

Was ist möglich im Freistaat? Ein schwarz-grünes Bündnis, eine Koalition von CSU und Freien Wählern oder eine Dreierkoalition aus CSU, Freien Wählern und FDP? Und was ist eigentlich mit Schwarz-Rot? Ein entscheidender Punkt auch: Wie steht die CSU nach der Wahl da? Kann sich CSU-Chef Horst Seehofer halten und wie viel Rückhalt hat Ministerpräsident Markus Söder?

In vier Wochen muss ein Regierungschef her

Eins allerdings steht fest - Endlosverhandlungen wird es in Bayern nicht geben. Das schreibt die Verfassung vor. Das Zeitkorsett ist eng geschnürt: Spätestens drei Wochen nach der Wahl muss der Landtag zusammentreten und dann innerhalb von vier Wochen der Ministerpräsident gewählt werden. Ist das nicht der Fall, stünden Neuwahlen an.

Freie Wähler bieten sich an

Auffällig häufig und auch auffällig laut äußerte sich besonders einer in den letzten Wochen zu einer möglichen Koalition mit der CSU: der Spitzenkandidat der Freien Wähler, Hubert Aiwanger. Bundespolitisch spielen die Freien Wähler keine Rolle. In Bayern sitzen sie seit zehn Jahren im Landtag. Die Partei kümmert sich vor allem um die Anliegen der Bürger im ländlichen Raum.

Inhaltlich hat sie einiges gemeinsam mit der CSU, dennoch gibt es Unterschiede. Die Bedingungen für eine eventuelle Koalition formulierte Aiwanger schon mal: Kitagebühren abschaffen, keine weiteren Schließungen von Krankenhäusern und "Nein" zur dritten Startbahn.

"Die Freien Wähler wären das geringste Übel für die CSU", sagt Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing. Es bestünde allerdings die Gefahr, dass die Freien Wähler nach einer Legislaturperiode nicht mehr zu identifizieren seien und von der CSU an den Rand gedrängt würden.

Auch die FDP steht in den Startlöchern

Sollte es rechnerisch nicht für eine Koalition mit den Freien Wählern reichen, stünde auch die FDP für Verhandlungen bereit - vorausgesetzt natürlich, sie schafft den Sprung in den Landtag. "Keine Koalition ohne Korrekturen", lautet jedoch der Standpunkt von Spitzenkandidat Martin Hagen.

Damit meint er in erster Linie das Polizeiaufgabengesetz. Hier seien Freiheit und Sicherheit aus der Balance geraten. Die FDP reichte eine Verfassungsbeschwerde gegen das sogenannte PAG beim Bundesverfassungsgericht ein.

Schwarz-Grün: ein gewagtes Experiment

Schwarz-Grün: Ja, auch dieses Bündnis wird in diesen Tagen viel diskutiert. Während CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer genau dieser Koalition schon eine Absage erteilte, wollen sie CSU-Chef Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder zumindest nicht ausschließen. Bei so gut wie jeder Wahlkampfveranstaltung allerdings betont Söder die inhaltlichen Unterschiede. Die Grünen stünden für Verbote und Bevormundung, lautet seine Kritik.

Beim Blick auf den Zehn-Punkte-Plan der Grünen wäre es tatsächlich schwierig, inhaltlich zusammenzufinden, sagt auch Politikexpertin Münch. Korrekturen beim Polizeiaufgabengesetz, der Integration und auch den Abstandsregeln von Windkrafträdern wären für die CSU nur schwer verdaulich, insbesondere für die Fraktion, die für diese Entscheidungen stets den Kopf hingehalten hat.

Der Spitzenkandidatin der Grünen, Katharina Schulze, ist ein starkes Europa besonders wichtig: "Über eine autoritäre und antieuropäische Politik kann man mit uns nicht verhandeln", sagt sie. So zeigen sich die Grünen zwar offen für eine Koalition, müssten aber jeden Kompromiss genau abwägen, denn ein Bündnis mit der CSU ist in der Grünen-Basis umstritten.

GroKo auf bayerisch?

Eine Koalition von CSU und SPD wäre ebenfalls eine Option. Und auch wenn die beiden Parteien im Landtag stets heftig streiten, so sieht Münch diese Kombination als bequeme Variante für die CSU.

Je nachdem, wie die SPD aus der Wahl hervorgeht, hätte sie mit einer schwarz-roten Koalition wenigstens die Chance, nicht als eine der kleineren Oppositionsparteien im Landtag da zu stehen. Spitzenkandidatin Natascha Kohnen antwortet nur ungern auf solche Fragen. Im Wahlkampf mache sie keine Farbenspielchen, betont sie und fügt hinzu: "Aber ich sage es mal so: Die SPD ist eine klare Alternative in diesem Land. Punkt."

Bunt wird es wohl nicht

Wie auch immer sich die Parteienlandschaft im Freistaat nach der Wahl sortieren wird - eine Koalition mit der AfD schloss die CSU aus. Auch ein Viererbündnis von Grünen, SPD, Freien Wählern und FDP erscheint höchst unwahrscheinlich. Eine bunte Koalition unter einem grünen Ministerpräsidenten wäre für manchen dann wohl doch zu gewagt. Freie-Wähler-Chef Aiwanger schloss diese Variante schon mal für sich aus.