BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Wer ist "Innovationsland Nr. 1" - Bayern oder NRW? | BR24

© pa/dpa/Sven Hoppe

Krün, 25.10.19: Bayerns Ministerpräsident Söder (l.) und sein nordrhein-westfälischer Amtskollege Laschet bei der Ministerpräsidenten-Konferenz.

31
Per Mail sharen

    Wer ist "Innovationsland Nr. 1" - Bayern oder NRW?

    "Innovationsland Nr. 1" - diesen Titel beanspruchen sowohl Bayerns Ministerpräsident Söder als auch sein nordrhein-westfälischer Amtskollege Laschet für ihr Bundesland. Deshalb der Versuch einer Auflösung: Wer von beiden hat Recht?

    31
    Per Mail sharen

    Viele Politiker schätzen Superlative - das gilt nicht zuletzt für Ministerpräsidenten, die ihr Bundesland in einem guten Licht dastehen lassen wollen. Und so verwundert es kaum, dass der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) unlängst bei der Vorstellung eines in 3D-Druck gefertigten Hauses über sein Bundesland twitterte: "Innovationsland Nr.1".

    Nur: Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beansprucht in puncto Innovationskraft gerne für den Freistaat, in diesem Bereich bundesweit ganz vorne zu sein: Kein Bundesland tue so viel für Wirtschaft und Innovationen wie Bayern - Sätze dieser Art gibt es von Söder zuhauf. Doch wer hat nun Recht, Laschet oder Söder?

    Experte: Bayern steht "deutlich besser" da

    Geht es nach Christian Rammer vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, ist die Sache recht eindeutig: "Bayern steht in Bezug auf die gesamten Innovationspotenziale deutlich besser da - insbesondere in der Wirtschaft, aber auch in der Wissenschaft", sagt er auf BR-Anfrage.

    Der Wirtschaftswissenschaftler hat gerade an einer Studie für die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen zur dortigen Innovationslage mitgewirkt, die auch einen Vergleich mit Bayern beinhaltete. Auch bei den Forschungsausgaben der Unternehmen liegt Bayern nach seinen Angaben "in absoluten Zahlen deutlich" vor Nordrhein-Westfalen.

    Angemeldete Patente: Bayern vor NRW

    Bei der Zahl der angemeldeten Patente ist die Situation ähnlich: Beim Deutschen Patentamt hat Bayern die Nase vorn. Im Regelfall melden Firmen aus dem Freistaat jährlich rund doppelt so viele Patente an wie Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen. Rund ein Drittel aller deutschen Patentanmeldungen kommen aus Bayern.

    Allerdings wurde der Freistaat im vergangenen Jahr erstmals seit 2011 beim Vergleich der Bundesländer überholt - und zwar von Baden-Württemberg. Beim Europäischen Patentamt (EPA) liegt Bayern ebenfalls vor Nordrhein-Westfalen - Baden-Württemberg kommt hier lediglich auf Platz drei.

    Start-ups: In NRW wird am meisten gegründet

    Die reine Zahl der gegründeten Start-ups hält Innovations-Experte Rammer derweil für keine gute Vergleichsgröße. "In den reichen Ländern ist die Gründungsquote bei Start-ups vergleichsweise gering, weil es dort viele gute Jobangebote in großen Unternehmen gibt", erklärt er: "Deshalb sind die Anreize, selbst zu gründen, auch eher gering."

    Gleichwohl liefert der "Deutsche Startup Monitor 2020" für den Vergleich zwischen Bayern und Nordrhein-Westfalen einige interessante Zahlen. 4.745 Gründerinnen und Gründer leiten demnach deutschlandweit 1.946 Start-ups. Sie beschäftigen insgesamt knapp 26.000 Mitarbeitende.

    Nordrhein-Westfalen liegt mit 19,1 Prozent der bundesweiten Start-ups klar auf Platz eins. Bayern landet mit 11,8 Prozent deutlich dahinter. Auch in der Rangfolge der deutschen Gründungs-Hotspots liegt München mit 6,5 Prozent aller deutschen Start-ups nur auf Rang drei - nach Berlin (17,7 Prozent) und der Region Rhein-Ruhr in Nordrhein-Westfalen (12,8 Prozent).

    Bei der Anzahl der durchschnittlichen Arbeitsplätze je Start-up zeigt sich dagegen ein anderes Bild: Während ein Start-up in der Region Rhein-Ruhr im Schnitt 11,1 Personen umfasst, sind es in München 34,1. Bayerische Start-ups beschäftigen also im Durchschnitt rund dreimal so viele Menschen wie NRW-Start-ups. Allerdings liegt auch hier Berlin mit 35,3 Personen im bundesweiten Vergleich knapp vorne.

    Die Hochschulen: München vorne - aber große Streuung

    Wichtig für einen erfolgreichen Innovationsstandort sind auch Hochschulen, die Unternehmensgründer hervorbringen. Die Start-up-Studie der Unternehmensberatung "pwc" hat im Zuge dessen die "Top10-Gründerhochschulen" ermittelt. Dabei hat München die Nase vorn: Fünf Prozent der deutschen Start-up-Gründer haben einen Abschluss der TU München oder der LMU München.

    Doch auch diese Zahl ist mit Vorsicht zu bewerten. Denn knapp 80 Prozent der Gründer - also die große Mehrheit - haben nicht an einer der zehn Top-Gründerhochschulen, sondern an einer anderen Uni studiert. Das belegt eher die in der Breite hohe Qualität der deutschen Hochschulausbildung. Entscheidender als der Name der Hochschule scheint daher das allgemeine "Ökosystem" einer Start-up-Region zu sein - also alle beteiligten Akteure und Einflüsse.

    Wer fördert innovative Firmen mehr?

    Wo die Förderung dieses "Ökosystems" für Start-ups durch Wissenschaftstransfers und Kapitalzugang alleine nicht die politisch angestrebten Ergebnisse liefert, bleibt noch der Weg über direkte staatliche Hilfen. Das können Zuschüsse aus dem Steuersäckel sein, Kredite von Staatsbanken oder sogar direkte staatliche Beteiligungen. Diese staatlichen Programme fördern nicht nur klassische Start-ups. Auch bestehende Unternehmen, die neue Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen entwickeln, können auf sie zugreifen.

    Auch hier rät Innovations-Experte Rammer beim Vergleich zweier Bundesländer aber zu Vorsicht. Finanzielle Förderungen durch die Bundesländer für innovationsfreudige Unternehmen spielen laut ihm eine untergeordnete Rolle. Deutlich höher seien die Fördergelder vom Bund und der EU. Zudem finde sich die Innovationsförderung in den Landeshaushalten oft unter verschiedenen Punkten oder es handle sich um eine Finanzierung aus EU-Töpfen.

    Bundesländer vor allem für Wissenschaft wichtig

    "Der wichtigste Beitrag auf Landesseite ist immer die Finanzierung der Wissenschaft als Innovationspartner der Unternehmen", sagt Rammer. In diesem Zusammenhang lobt er auch die jüngst ausgebaute "Hightech-Agenda" der bayerischen Staatsregierung, die hunderte neue Professuren, aber auch mehr Forschungsinitiativen vorsieht - etwa zum Wasserstoff. Auch in NRW gebe es aber entsprechende Initiativen, betont Rammer. Allerdings würden diese womöglich nicht ganz so gut vermarktet wie vonseiten der bayerischen Staatsregierung.

    Wer hat besseren Zugang zu Wagniskapital?

    Auch die Frage, wieviel Geld ein Start-up für seine mehr oder weniger riskanten Pläne erhält, liefert einen Hinweis darauf, für wie vielversprechend die Kapitalgeber die Innovationskraft einschätzen. Im Vergleich Bayern-NRW sind die Zahlen dazu eindeutig: 52,7 Prozent der Münchner Start-ups warben um Wagniskapital - 28,8 Prozent bekamen es, 23,9 Prozent bekamen es nicht. Anders in Rhein-Ruhr: 39,1 Prozent der Startups dort wollten Wagniskapital - nur 11,5 Prozent bekamen es, 27,6 Prozent mussten darauf verzichten.

    Eine weitere Kennzahl für den Erfolg von Start-ups ist der sogenannte "Exit", also der spätere Verkauf oder Börsengang des Unternehmens. Während in München rund drei Viertel der Gründerinnen und Gründer den Exit anstreben, planen an Rhein und Ruhr 40,2 Prozent keinen Exit. In München rechnen 12,6 Prozent der Gründer damit, dass ihr Unternehmen mehr als eine Milliarde Euro wert sein wird - in der Region Rhein-Ruhr tun das nur 3,2 Prozent.

    Auch bei der Gesamtbewertung der Situation für Gründer liegt Bayern vorne - jedenfalls in den Gründerzentren. Laut dem "Startup Monitor 2020" bewerteten zwei Drittel der Gründerinnen und Gründer in München das dortige "Ökosystem" als gut bis sehr gut. In der Metropolregion Rhein-Ruhr waren es 57,3 Prozent.

    Ganz vorne liegt aber Berlin: Hier bewerteten 81,1 Prozent der Gründer die Rahmenbedingungen zuletzt als gut bis sehr gut.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!