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Fridays for Future: Übernehmen sie jetzt die Politik? | BR24

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Fridays for Future - in die Politik?

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    Fridays for Future: Übernehmen sie jetzt die Politik?

    Die Jugend wird wieder politischer – aber wo sind sie in der Politik repräsentiert? Mitglieder von Fridays for Future in Kempten lassen sich als eine der ersten für die Kommunalwahl aufstellen, um die Politik von innen heraus zu verändern.

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    Manche nutzen die Chance, die sich am 15. März bei der Kommunalwahl bietet und sind fest entschlossen, den Altersdurchschnitt in der Politik zu senken. In Kempten beispielsweise haben sich junge Leute aus der Bewegung "Fridays for Future" (FFF) auf einer freien Liste "Future for Kempten" zusammengeschlossen – und sich nicht einer etablierten Partei angeschlossen.

    Damit sind sie eine der ersten FFF-Ortsgruppen in ganz Deutschland, die sich zur Wahl stellen. Denn: Sie wollen die Politiker nicht mehr nur durch Protest kritisieren, sondern selbst Veränderungen bewirken. Die Altersstruktur dieser Liste ist dementsprechend außergewöhnlich: Platz eins bis elf sind unter 21 Jahre alt. Aber werden sich die Jungen auch in der gängigen Altersstruktur der politischen Welt behaupten können?

    "Es ist erfreulich, dass sich die Jugend wieder ein bisschen mehr für Politik interessiert. Und wenn bei der Jugend das Interesse da ist - die Jugend hat ja auch Eltern und Verwandte - dass das Interesse allgemein wächst, dass die Wahlbeteiligung wächst." Erwin Hagenmeier, seit 1996 im Kemptener Stadtrat für die CSU

    Hohe Hürden zu nehmen

    In Kempten war schon die frühe Wahlkampfzeit spannend, denn die jungen Leute mussten es erst einmal schaffen, die nötigen Unterstützer-Unterschriften zusammen zu bekommen. Und das heißt für sie, Neuland zu betreten und Wahlkampf veranstalten. 340 Unterschriften mussten her. Am Ende kamen 399 zusammen. Das war gar nicht so leicht, denn die Unterstützer konnten nicht etwa an den Info-Ständen unterschreiben, sondern mussten dafür extra ins Wahlamt gehen.

    "Kommunale Mühlen laufen sehr langsam. Ich hoffe, dass sie nicht enttäuscht sind, weil das meiste sind eigentlich Bebauungspläne, Satzungen und sehr langweilige Sachen." Ingrid Vornberger, Stadträtin der SPD in Kempten

    Wählen ab 16?

    Dazu kommt, dass viele, die an der Wählergemeinschaft Interesse haben, noch nicht volljährig sind und deshalb nicht wählen dürfen. Das wirft die Frage auf: Sollte gerade bei der Kommunalwahl also das Wahlalter herabgesetzt werden?

    "Das Argument, dass die Leute unter 18 noch nicht wirklich Bescheid wissen, wofür die Parteien stehen, das kann man eigentlich auf alle, auf das komplette Spektrum ausweiten. Wenn man sich mit 16 damit beschäftigt, weiß man was passiert. Und wenn man 40 ist und überhaupt nicht politisch engagiert oder interessiert, dann weiß man auch mit 40 nicht, was welche Partei vertritt." Dominik, Future for Kempten

    Motivation durch die Älteren

    Aber auch die Kemptener Jugend hat einen Schubs von außen gebraucht, um sich an die politischen Gremien, in diesem Fall den Stadtrat Kempten, heranzuwagen. Motiviert hat sie Stefan Ott vom Verein Jurats: Er lernte die jungen Leute in einem Workshop kennen und inspirierte sie, politische Verantwortung zu übernehmen. Er meint: Die jungen Leute sollen die Energie ihrer Bewegung jetzt nutzen und in die Politik gehen, um ihre Zukunft selbst mitzugestalten.

    Und Kempten war nicht die einzige Kommune in seiner Mission "Nachwuchsförderung": Stefan Ott hat versucht, Ortsgruppen in ganz Deutschland davon zu überzeugen, ist dabei aber eher auf Ablehnung gestoßen. Ist es mit der politischen Motivation der Jugend also doch nicht so weit her – und mit den freitäglichen Demos bereits ausgereizt?

    "Die jungen Leute fühlen sich stark betroffen. Sie haben die Vorstellung, dass sie das ausbaden müssen, was wir an nachhaltiger Politik versäumt haben. Dadurch bringen die eine unheimliche Glaubwürdigkeit mit und können stark argumentieren und nachhaltige Politik durchsetzen. Aber es ist nicht selbstverständlich, dass man sich dort entscheidet, in die Politik zu gehen. […] Dabei stehen wir vor gewaltigen Umbrüchen." Stefan Ott, Verein Jurats

    Eine historische Chance

    Dabei ist eines klar: Die diesjährige Kommunalwahl bietet eine historische Chance, etwas am Altersdurchschnitt - zumindest auf kommunaler Ebene - zu ändern und die Jungen in die politische Verantwortung zu bringen. Denn in mindestens der Hälfte, vielleicht sogar in zwei Dritteln aller Städte und Gemeinden wird der Bürgermeisterposten neu besetzt, so eine Schätzung des bayerischen Gemeindetags.

    Die Macht ist ... mit den Alten

    Die Machtpositionen sind unter den Generationen klar verteilt - in Zahlen sieht das so aus: Während 18 Prozent der bayerischen Bevölkerung jünger als 30 sind, sind es gerade mal drei Prozent der Abgeordneten im bayerischen Landtag. Im Bundestag ist es noch schlimmer: Dort ist nicht mal ein Prozent der Abgeordneten jünger als 30. Und auch auf kommunaler Ebene sind nur drei Prozent der Bürgermeister in ganz Bayern unter 40 Jahre alt.

    Langer Atem gefragt

    Allerdings fordert Politik in Bayern auch einen langen Atem: Nach dem Eintritt in eine Partei dauert es im Freistaat im Durchschnitt ganze 8,4 Jahre, bis man in den Stadt- oder Gemeinderat kommt. Im Bundesdurchschnitt sogar 11,9 Jahre, so nachzulesen in "Das deutsche Gemeinderatsmitglied". Bedeutet das im Umkehrschluss, dass die "Fridays for Future"-Generation erst ab 2030 ihre Forderungen selbst aktiv umsetzen kann? Dass bis dahin viele frustriert abspringen, scheint vorprogrammiert.

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