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Wenn Wohnen zum Luxus wird | BR24

© picture alliance / Robert Schlesinger

Ob in München, Nürnberg oder Berlin: Wohnungen in großen Städten sind immer öfter Mangelware

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    Wenn Wohnen zum Luxus wird

    Wohnen ist ein Grundbedürfnis - doch vor allem in den großen bayerischen Städten wie München oder Regensburg ist es mittlerweile fast schon zum Luxus geworden. Wenn das Geld knapp ist, wird es immer schwieriger eine Wohnung zu finden.

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    Eine Studie der Bayerischen Landesbodenkreditanstalt besagt, dass derzeit 388.000 Wohnungen im Freistaat fehlen. Pro Jahr werden im Schnitt zudem 45.000 neue Wohnungen benötigt. In den Ballungsräumen ist es natürlich besonders eng. Vor allem Menschen, die über kein höheres Einkommen verfügen, haben es sehr schwer, eine Wohnung zu bekommen.

    So warten in München zum Beispiel 30.000 Menschen auf eine Sozialwohnung. Pro Jahr können allerdings nur 2.800 Wohnungen vergeben werden - eine riesige Kluft zwischen Angebot und Nachfrage. In Nürnberg konnten letztes Jahr über 8.000 Menschen keine sozial geförderte Wohnung bekommen, obwohl sie Anspruch darauf hätten.

    Neubau von Wohnungen dauert meist Jahre

    Bis neue Wohnungen entstehen, dauert es oft sehr lange. Ein Beispiel dafür ist der Domagkpark im Münchner Norden. 1992 begann die Stadt mit der ersten städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme. 2013 - also mehr als 20 Jahre später - entstand dann der erste Neubau.

    "Angesichts der Wohnungsnot ist das ein zu langer Zeitraum", sagt Maria Knorre. Sie ist im Vorstand des Domagkpark-Vereins. "Das ist ein Kritikpunkt hier in München, dass es wahnsinnig lange dauert. Bis man eine Fläche überplant kriegt und bis es gebaut ist und bis die Leute wirklich einziehen können, vergehen in München Jahre."

    Immerhin ist es aber gelungen, dass es im neuen Viertel neben den klassischen Eigentums- und Mietwohnungen zahlreiche sozial geförderte Wohnungen gibt. Die sind mit einem Quadratmeterpreis von unter sechs Euro richtig günstig. Der Durchschnittspreis liegt bei 20 Euro.

    Freistaat plant 500.000 Wohnungen bis 2025

    Auch die bayerische Staatsregierung hat das Problem erkannt: 2019 und 2020 will man 1,7 Milliarden Euro investieren. Bis 2025 sollen damit 500.000 Wohnungen gebaut werden. Und das bayerische Verkehrsministerium berichtet, dass 2018 Baugenehmigungen für mehr als 70.000 Wohnungen erteilt wurden.

    Ob allerdings tatsächlich gebaut wurde, das steht auf einem anderen Blatt. Laut Landesamt für Statistik wurden rund 10.000 der genehmigten Wohnungen nicht gebaut. Beim Verband der bayerischen Wohnungsunternehmen (VdW Bayern) sieht man darin das Hauptproblem.

    "Funktionierende Wohnungsmärkte werden wir nur hinbekommen, wenn wir ausreichend Neubauten schaffen. Die größten Hürden für den Neubau sind fehlendes preisgünstiges Bauland und die hohen Baupreise. Was wir brauchen, sind verlässliche Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau, insbesondere für den preisgünstigen Wohnungsbau. Wenn wir das nicht bekommen, werden wir das Problem noch lange vor uns hertragen." Hans Maier, Direktor des Verbandes der bayerischen Wohnungsunternehmen

    Wohnungsnot macht Bayern erfinderisch

    Deshalb wird an allen Ecken und Enden Bayerns nach individuellen Lösungen gesucht. Es gibt Projekte mit "Tiny Houses", also ganz kleinen Häuschen mit höchstens 30 Quadratmetern. Ein Trend geht außerdem in die Richtung, bestehende Häuser nach oben hin auszubauen: Die sogenannte Dachaufstockung könnte Experten zufolge in ganz Deutschland mehr als 1,5 Millionen Wohnungen schaffen, wenn die Bauten denn genehmigt werden und der Brandschutz gesichert ist.

    Außerdem gibt es erste Versuche, auf Stelzen zu bauen – in München wurden die Parkplätze des Dantebades mit 100 Wohnungen überbaut, um schnell günstigen Wohnraum zu schaffen. Der Vorteil ist klar: bereits versiegelte Flächen werden so doppelt genutzt.

    Musterfeststellungsklage: Klage des Mietervereins erfolgreich

    Auch Mieter, die bereits in der glücklichen Lage sind, eine Wohnung zu haben, sind oft nicht vor den Auswirkungen des angespannten Wohnungsmarkts gefeit: Die Bewohner einer Anlage im Münchner Stadtteil Schwabing sollten nach einer Modernisierung teilweise doppelt so viel zahlen wie vorher. Sie beschlossen, sich zu wehren – mit einer Musterfeststellungsklage.

    Es war deutschlandweit die erste Klage dieser Art im Mietrecht. Am 15. Oktober gab das Münchner Oberlandesgericht dem Münchner Mieterverein Recht, der stellvertretend für die rund 130 Bewohner des Gebäudekomplexes gegen die drastische Mieterhöhung geklagt hatte. Der Vermieter, ein Immobilien-Unternehmen, hatte diese mit einer Modernisierung begründet.