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Wenn die Tafel geschlossen bleibt | BR24

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Mit Beginn der Sommerferien bleiben auch viele der 169 bayerischen Tafeln für ein paar Wochen geschlossen. Der Vorsitzende der Tafeln in Bayern, Peter Zilles, bittet um Verständnis. Die Pause sei auch für Renovierungsarbeiten dringend notwendig.

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Wenn die Tafel geschlossen bleibt

Mit Beginn der Sommerferien bleiben auch viele der 169 bayerischen Tafeln für ein paar Wochen geschlossen. Der Vorsitzende der Tafeln in Bayern, Peter Zilles, bittet um Verständnis. Die Pause sei auch für Renovierungsarbeiten dringend notwendig.

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Viele Tafeln in Bayern machen in den Ferien ein paar Wochen zu. Diese Pause ist dringend notwendig, für Renovierungsarbeiten, aber auch für die ehrenamtlichen Mitarbeiter. Auch in Bayreuth hat die Tafel derzeit geschlossen - und dennoch herrscht dort reger Betrieb.

Renovierungsarbeiten während des Betriebes nicht möglich

Im Laden der Tafel Bayreuth senkt sich Staub auf die kahlen Böden. In einer Ecke des 100 Quadratmeter großen Raums haben Handwerker eine Mauer eingerissen, in einer anderen Ecke wird eine Mauer hochgezogen. Ein Warteraum im Trockenen entsteht.

Lebensmittel dürften hier derzeit aus hygienischen Gründen nicht ausgegeben werden. Die Kühlgeräte haben die ehrenamtlichen Helfer abgetaut. Ihre Wartung steht noch bevor. Die beiden Tafel-Fahrzeuge werden parallel dazu in einer Werkstatt überholt. Ladenleiter Stefan Kühnlein sagt achselzuckend: "Das alles können wir während des normalen Betriebs nicht machen."

Versorgung auch während der Tafel-Pause gewährleistet

Die Tafel Bayreuth unterstützt etwa 1.100 Menschen pro Woche mit Lebensmitteln, welche die Ehrenamtlichen zuvor an unterschiedlichen Stellen einsammeln. Die meisten wären sonst im Müll gelandet, obwohl sie qualitativ einwandfrei sind. Dass die Tafel-Kunden während der Schließungszeit von wenigen Wochen vor einem großen Versorgungsproblem stünden, weist Peter Zilles von sich.

"Die Tafeln sind nicht für die Versorgung der Menschen, die zu ihnen kommen, zuständig. Das können wir nicht leisten. Wir unterstützen die Menschen. Das, was sie bei uns sparen, haben sie für andere Dinge zur Verfügung." Peter Zilles, Landesvorsitzender der Tafeln in Bayern

Die sozialen Leistungen des Staates, die sogenannten Transferleistungen wie Hartz IV, seien so angelegt, dass sie die normalen Lebenshaltungskosten decken sollten. "Die Menschen verhungern nicht, wenn die Tafeln drei Wochen zu machen. Es ist unsäglich, so etwas zu behaupten", reagiert der Vorsitzende der Tafel Bayern eine entsprechende Äußerung in einem Presseartikel.

Die meisten Kunden haben Verständnis

In Bayreuth hat die 1. Vorsitzende der örtlichen Tafel, Ingrid Heinritzi-Martin, noch kein böses Wort über die alljährliche Sommerpause gehört: "Es ist Verständnis da. Die Menschen wünschen uns einen schönen Urlaub, obwohl wir ja gar keinen machen. Sie freuen sich auch, wenn wir wieder öffnen."

Mit der dreiwöchigen Ausgabepause im August deckt die Tafel Bayreuth gleich mehrere Notwendigkeiten ab: Umbau und Renovierungsarbeiten, die während des laufenden Betriebs unmöglich wären; Wartung der Autos und der Kühlgeräte sowie Urlaub für den einzigen festangestellten Mitarbeiter, das Putzteam und die etwa 140 ehrenamtlichen Helfer.

Dazu kommt, dass viele Ehrenamtliche Schüler oder Studenten sind und den August nicht in Bayreuth verbringen. Der Zeitpunkt ist also klug gewählt. Er werde den Kunden lange im Voraus angekündigt, versichert Ladenleiter Stefan Kühnlein: "Die Kunden wissen Wochen oder Monate vorher Bescheid. Da haben wir noch nie Schwierigkeiten gehabt." Kühnlein selbst nimmt in der Schließungszeit seinen Urlaub. Während des normalen Betriebs würde er an allen Ecken und Enden fehlen.

Auch Tafel-Mitarbeiter brauchen eine Pause

Jede der 169 Tafeln in Bayern entscheidet selbst darüber, ob, wann und wie lange sie schließt. Es gibt keine Vorschriften vom Dachverband. Wohl aber eine persönliche Empfehlung vom ersten Vorsitzenden. Peter Zilles bezeichnet sich als großen Freund einer Tafel-Pause. Nicht nur wegen der Renovierungs-, Reinigungs- und Wartungsarbeiten.

Zilles vertritt die Meinung, dass jeder Ehrenamtliche, egal ob er als Fahrer aktiv ist, Lebensmittel sortiert oder in der Ausgabe hilft, eine Phase braucht, in welcher er nicht bei der Tafel hilft. "Tafelarbeit ist sehr anstrengend", betont der Bayreuther. "Viele unserer Helfer sind etwas älter und sie geben sehr viel Kraft für die Tafel. Sie sollten einen Zeitraum haben, in dem sie weder mitarbeiten oder daran denken müssen, ob alles glatt läuft."

Tausende engagieren sich in Bayerns Tafeln

Etwa 7.000 Menschen engagieren sich in Bayern bei 169 Tafeln. Sie retten qualitativ einwandfreie Lebensmittel vor der Mülltonne und bereiten sie für die Kunden der Tafel auf. Dadurch schaffen sie, so lautet ein Grundsatz der Tafeln, einen Ausgleich zwischen Überfluss und Mangel. Bedürftige Menschen erhalten die Waren für einen kleinen Obolus.

In Bayreuth beträgt er pro Einkauf für einen Erwachsenen einen Euro. Wer für mehrere Personen in seinem Haushalt einkauft, zahlt maximal zwei Euro. Einmal pro Woche können die Kunden einen Einkaufswagen durch den Bayreuther Tafel-Laden schieben und erhalten von den Ehrenamtlichen ihren Anteil an den eingesammelten Lebensmitteln.

Bayreuther Tafel ab 4. September wieder offen

Der erste Ausgabetag im umgebauten und renovierten Bayreuther Tafel-Laden nach der Schließung ist der 4. September. Dann wird jeder sehen, dass die Tafel keinen Urlaub gemacht hat. "Statt sich über drei Wochen Schließung zu beschweren", meint Peter Zilles, "sollte sich jeder bewusstmachen, dass wir an 49 Wochen im Jahr alles für die Tafeln und ihre Kunden geben."