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Manche Gläubige bekommen mit dem Link zu ihrem Pfarrbrief auch Werbung für AfD-nahe Bücher und Videos.

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Wenn die AfD-Werbung mit dem Pfarrbrief kommt

Eine Firma aus dem Landkreis Regensburg bietet einen Mail-Service an, mit dem Pfarrbriefe abonniert werden können. Allerdings enthalten diese Mails auch Werbung für AfD-Politiker. Die Kirche wehrt sich jetzt dagegen.  

Für Pfarreien in ganz Deutschland kann man den Pfarrbriefservice über die Internetadresse "www.pfarrei-deutschland.de" kostenfrei beziehen. Die Betreiber-Firma aus dem Landkreis Regensburg schickt an ihre Abonnenten dann regelmäßig Mails mit Links zum aktuellen Pfarrbrief der ausgewählten Gemeinde. Doch außer dem kirchlichen Bezug enthalten die Mails auch Links zu politischen, vor allem AfD-nahen, Inhalten.  

Buch und Video-Tipps mit AfD-Bezug 

Dem BR liegen entsprechende Mails des Pfarrbriefservice vor. Diese enthalten neben einem Link zum Pfarrbrief auch Buch- und Videotipps. So wird etwa in einer Mail für Abonnenten des Pfarrbriefs der Gemeinde St. Margareta Mamming im Landkreis Dingolfing-Landau ein Buch beworben. Titel: "Mut zur Wahrheit: Warum die AfD für Christen mehr als eine Alternative ist".  

Als Videotipp enthält eine Mail für Interessenten des Pfarrbriefs der Pfarrei St. Jakobus Regenstauf im Landkreis Regensburg einen Link zu einem Video des Deutschland-Kurier. Das Video zeigt einen Kommentar des AfD-Europaabgeordneten Gunnar Beck mit dem Titel "Great Reset und das World Economic Forum". Zu Beginn des Videos sagt Beck: "Das Weltwirtschaftsforum plant eine Welt, in der wir alle, das heißt: Sie und ich und fast alle anderen - außer den Superreichen - nichts mehr besitzen werden, aber durch Gehirnwäsche glücklich sein werden." Angesichts der steigenden Fleischpreise würden Menschen bereits darauf vorbereitet, Würmer zu essen, so Beck in seinem Kommentar weiter. 

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Mit dem Mail-Service der pfarrei-deutschland kommen auch AfD-nahe Link-Tipps ins Postfach.

Bistum Regensburg distanziert sich 

Beide Pfarreien liegen im Bistum Regensburg. Dort distanziert man sich von den Zusatz-Inhalten des privaten Service. "Wir weisen darauf hin, dass die genannte Internetseite keine Internetpräsenz der katholischen Kirche in Deutschland ist und für ihre Angebote keine amtliche Beauftragung der Diözese Regensburg hat", teilt Sprecher Stefan Groß mit. Das Bistum empfehle allen Pfarreien, auf die bewährten Services der katholischen Kirche in Deutschland zurückzugreifen. Auch inhaltlich bezieht das Bistum Stellung: "Das Bistum Regensburg distanziert sich in aller Form von der AfD-nahen Werbung, die auf der Webseite 'pfarrei-deutschland' erscheint", sagt Groß. 

Fälle auch in anderen Diözesen

Doch nicht nur Pfarrbriefe des Bistums Regensburg sind betroffen. Eine Mail mit dem Pfarrbrief-Link für die Stadtkirche Mühldorf am Inn in der Erzdiözese München-Freising enthält neben dem bereits erwähnten Buchtipp auch einen Videotipp mit dem Titel: "Zur neuen Christenfeindlichkeit der deutschen Bundesregierung". Entsprechende politische Botschaften sind auch auf der Internetpräsenz des Service zu finden: In einem auf der Startseite von pfarrei-deutschland.de eingebetteten Video gratuliert ein AfD-Abgeordneter der neuen italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zum Wahlsieg. "Die Vereinigung von Familie, Gott und Nation ist ein wichtiges Kernelement jeglicher Gesellschaft!", heißt der Titel des Videos. Ein anderes eingebettetes Video eines AfD-Europaabgeordneten trägt den Titel "LGBT-Pläne! Das erwartet Kinder und Eltern!"  

Deutsche Bischofskonferenz wurde eingeschaltet 

Da Pfarrbriefe von Pfarreien bundesweit verwendet werden, hat das Bistum Regensburg die Deutsche Bischofskonferenz eingeschaltet, die derzeit rechtliche Schritte prüft, so Groß.  Matthias Kopp, Sprecher der Bischofskonferenz, teilt auf BR-Anfrage mit, dass man sich vom privatwirtschaftlichen Angebot der Seite distanziere. Das parallele Angebot fragwürdiger Lesetipps zum Beispiel im Zusammenhang mit der Verbreitung von Verschwörungsmythen oder politischen Auffassungen im Kontext eines Pfarrei-Angebots sei "nicht hinnehmbar", so Kopp.  

Experte: Bekanntes Vorgehen 

Dass versucht wird, rechte Inhalte in kirchlichen Kreisen zu streuen, sei nicht überraschend, sagt Martin Becher vom Bayerischen Bündnis für Toleranz, zu dessen Mitgliedern auch kirchliche Gruppen zählen. "Das ist eine bekannte klassische Mimikry-Politik, die die extreme Rechte schon seit Jahren fährt." Es werde versucht, in verschiedenste gesellschaftliche Bereiche vorzudringen und dort Themen aufzugreifen, die die Menschen umtreiben. Im kirchlichen Bereich können das Themen wie der Islam, Sexualität, bis hin zur Gendersprache sein, so Becher. Wie in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen gebe es auch bei Kirchen eine Minderheit, die das als Unterstützung wahrnehme. "Die nehmen das dankend als Schützenhilfe auf, weil sie darin ihre eigene Position gestärkt sehen", sagt der Geschäftsführer des Toleranz-Bündnisses. 

Betreiber antwortet nicht auf Anfrage

Wie viele Menschen den Service von "pfarrei-deutschland.de" derzeit abonnieren, ist unklar. Der Betreiber hat auf Fragen des BR zu seinem Angebot nicht geantwortet. Mittlerweile scheint der Druck der Kirche aber Wirkung zu zeigen. Auf seiner Seite und in den Mails wurde zuletzt auf AfD-nahe Werbung verzichtet.  

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