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Dienstwohnungen der Barmherzigen Schwestern in Unterhaching
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Autoren

Moritz Steinbacher
BR24 Redaktion
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Dienstwohnungen der Barmherzigen Schwestern in Unterhaching

Dienstwohnungen der Barmherzigen Schwestern in Unterhaching

Dienstwohnungen der Barmherzigen Schwestern in Unterhaching

Seit sieben Jahren arbeitet die Pflegehelferin Maria Magdalena Riedl im Pflegeheim St. Katharina Laboré in Unterhaching. Einer alleinstehenden Pflegehelferin wie ihr bleiben nach Abzug von Steuern im Durchschnitt rund 1.600 Euro. Die Barmherzigen Schwestern stellen Riedl deswegen eine günstige Wohnung in Unterhaching zur Verfügung. Im Schnitt verlangt der Orden neun Euro pro Quadratmeter. Üblich sind in München bis zu 18 Euro.

Finanzamt sieht geldwerten Vorteil

Doch für Münchner Verhältnisse ist die Wohnung zu billig, sagt das Finanzamt und sieht darin einen geldwerten Vorteil. Dieser orientiert sich immer an einem Vergleichswert, in diesem Fall ist das der Mietspiegel. Die Angestellten müssen den geldwerten Vorteil entweder versteuern, oder die Barmherzigen Schwestern müssen die Mieten auf das ortsübliche Niveau anheben. Ein Unding sei das, sagt Klaus Peter Scheucher. Er ist Finanzvorstand bei den Barmherzigen Schwestern.

"Das ist bitter, ausgesprochen bitter. Wir sind gottfroh, den Mitarbeitern Wohnraum geben zu können. Wir sind auch sehr stolz darauf, den zu einem vernünftigen Preis geben zu können, so dass eine Familie mit zwei Kindern auch in München leben kann, denn wir brauchen die Mitarbeiter, auch in München. Die müssen hier leben, damit sie hier in unseren Häusern arbeiten können."

Soll Mietspiegel anders berechnet werden?

Das Problem ist der hohe Mietspiegel in München. Der errechnet sich aus den Neuvermietungen der letzten vier Jahre. Ältere und damit niedrigere Bestandsmieten lässt die Berechnung hingegen aus. Doch Finanzvorstand Scheucher hat einen Vorschlag. Er will, dass der Mietspiegel aus den Mieten der letzten zehn oder 15 Jahre errechnet wird. Damit würde der Vergleichswert herunter gehen und käme nicht zu diesen ungewünschten Auswirkungen, so Scheucher.

Unionsfraktion skeptisch

Genau das fordert auch der Mieterbund. Und tatsächlich berät die Bundesregierung gerade über eine Neuberechnungen des Mietspiegels. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker sitzt im zuständigen Rechtsausschuss. Dem Vorschlag von Finanzvorstand Scheucher steht sie skeptisch gegenüber.

"Der Mietgipfel hat uns vorgeschlagen, den Betrachtungszeitraum auf sechs Jahre anzuheben. Wir haben jetzt vier Jahre. Auch die vier Jahre bewirken schon eine gewisse Dämpfung und Verzögerung dieser Marktentwicklung, aber das lässt sich eben nicht beliebig ausdehnen. Deshalb sind zehn oder zwölf Jahre mit uns sicherlich nicht zu machen." Elisabeth Winkelmeier-Becker, Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Recht und Verbraucherschutz

Allein in München fehlen laut Gewerkschaft Verdi schon jetzt rund 3.000 Pflegerinnen und Pfleger. Menschen wie Maria Magdalena Riedl halten trotz widriger Umstände die Stellung. Sie muss draufzahlen, obwohl ihr Arbeitgeber sie unterstützt.