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Wenn der Badesee kippt - zu viele Algen im Tinninger See | BR24

© BR/Feulner

Blaualgen in einem See.

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    Wenn der Badesee kippt - zu viele Algen im Tinninger See

    Über Jahrzehnte war der Tinninger See im Landkreis Rosenheim ein beliebter Badesee. Doch jetzt wachsen dort immer mehr Algen. Ein Problem für Fische und Badegäste. Jetzt wird diskutiert, wie der See gerettet werden kann.

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    Margot Eisner blickt auf die von grünen Algen dicht bewachsene Oberfläche des Tinninger Sees bei Riedering im Landkreis Rosenheim. Früher haben im dem kleinen Moorsee Seerosen geblüht - ein Kleinod mit vielen Fischen, ideal zum Baden. Jetzt ist der See voller Schlinggras und Algen, 2016 waren darunter sogar giftige Blaualgen. Das erinnert eher an eine dicke Schlammschicht und hält Einheimische wie Gäste vom Baden ab.

    Einsatz der Seekuh teuer und fragwürdig

    Es sind zu viele Nährstoffe im Tinninger See. Die Schlammschicht am Boden ist viel zu dick, dem Wasser fehlt der Sauerstoff – der See wehrt sich. Auch das Mähen mit einer sogenannten Seekuh hilft nur kurzfristig und ist laut Experten sogar kontraproduktiv. Durch das Abschneiden der Algen wird der See gedüngt und die Algen wachsen noch besser. Einen hohen fünfstelligen Betrag hat die Gemeinde Riedering im vergangenen Jahr laut Bürgermeister für die Einsätze der Seekuh ausgegeben.

    Woher kommen die Nährstoffe im See?

    Häufig hört man, die Landwirtschaft sei schuld. Zu viel Gülle, verdichtete Böden, das sei nicht gut für den relativ kleinen See, der noch dazu in einer Senke liegt. Doch Sebastian Furtner ärgert das. Der Bio-Landwirt fühlt sich zu Unrecht beschuldigt. Derzeit werde alles auf die Landwirte geschoben. Doch er verhalte sich rechtmäßig, gerade seine Wiesen direkt am Tinninger See könne er sowieso nur sehr selten düngen.

    Bürgermeister verteidigt Bauern

    Auch der Riederinger Bürgermeister bestätigt, dass den Landwirten zu Unrecht der Schwarze Peter zugeschoben werde. Mittlerweile gebe es rund um den See zu 80 Prozent Bio-Betriebe und "damit bei weitem nicht mehr diese Einträge, die wir früher hatten. Da möchte ich schon eine Lanze brechen für die Landwirtschaft.“ sagt Riederings Bürgermeister Christoph Vodermaier.

    Altlasten aus 100 Jahren

    Das Problem für den Tinninger See sind auch laut Wasserwirtschaftsamt die Altlasten. Also Nährstoffe, die sich über 50, 100 Jahre hier am Seeboden angesammelt haben. Nicht nur Margot Eisner macht sich Sorgen um den Tinninger See, viele der Badegäste beschäftigt sein schlechter Zustand sehr. Sie spüren das Seegras beim Schwimmen an den Beinen, bekommen deshalb Panik, möchten gar nicht mehr ins Wasser gehen.

    Dem See muss geholfen werden…

    ... da sind sich alle einig. Doch wie? Darüber scheiden sich die Geister. Vor allem auch im Riederinger Gemeinderat, der die Maßnahmen letztendlich genehmigen muss.

    Margot Eisner setzt sich für eine Methode ein, die an mehreren Gewässern in der Nähe, wie beispielsweise dem Reischenharter oder dem Thansauer See seit teils 25 Jahren funktioniert. Doch diese Methode ist umstritten, da sie laut Wasserwirtschaftsamt nicht wissenschaftlich belegbar ist.

    Quarzsand soll See reinigen

    Gerd Mappes von NaturSinn erklärt, wie das funktionieren soll: Es wird ein speziell aufbereiteter Quarzsand in das Gewässer eingebracht. Dadurch steigt der Sauerstoffgehalt; der chemische Prozess beginnt. Die Mikroorganismen fangen an zu arbeiten, so Mappes, "sie reduzieren die Nährstoffe und gehen auch an die Schlammschichten.“

    Hilfe zur Selbsthilfe für den See

    Dem See wird also geholfen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen und sich auf Dauer selbst zu heilen. Einige Mitglieder im Riederinger Gemeinderat zögern noch. Der Riederinger Bürgermeister scheint der Methode nicht abgeneigt. Er betont im Gespräch mit dem BR, dass sie im Gegensatz zum Einsatz der Seekuh nachhaltig ist, da sie an die Ursachen gehe und nicht nur die Symptome beseitige.

    Im September wird das Thema Tinninger See wohl wieder einmal auf der Tagesordnung des Riederinger Gemeinderats stehen. Doch bis mindestens dahin müssen sich die Badegäste noch mit Algen und Schlinggras abfinden.

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