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In Straubing werden kompostierbare Biosackerl aus Stärke getestet.

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Weniger Plastik: Der Praxistest für den Bio-Beutel beginnt

Viele Menschen wollen Plastik vermeiden, aber nicht immer kann man auf Tüten und Beutel verzichten. In Straubing werden deshalb kompostierbare Biosackerl aus Stärke getestet.

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Von
  • Birgit Fürst

In Straubing ersetzen ab sofort im Rahmen des Modellprojekts "Praxistest Bio-Beutel" in vier Supermärkten kompostierbare Bio-Beutel aus Stärke die herkömmlichen PE-Beutel an den Obst- und Gemüsetheken. Das Ziel: In ganz Bayern die PE-Beutel durch Biosackerl ersetzen. Aber: Das wird schwierig.

Wissenschaftliche Untersuchung des Biomülls

Dünne Folientüten aus Polyethylen landen nach dem Heimtragen von Feldsalat oder Tomaten immer wieder mal im Biomüll. Im Kompostierwerk bauen sich die erdölbasierten Tüten natürlich nicht ab, sondern werden zu kleinen Plastikschnipseln, die sich im Kompost und später in Gärten oder auf Feldern wiederfinden.

Die neuen Biosackerl, die es ab heute in vier Straubinger Supermärkten gibt, sind dagegen schnell biologisch abbaubar. Sie dürfen in die Biotonne. Im Rahmen des Modellprojekts wird deshalb untersucht, wie es sich auf die Qualität des Biomülls im Straubinger Kompostierwerk auswirkt, wenn Bio-Beutel die PE-Beutel im Supermarkt ersetzen. Bereits im Vorfeld haben deshalb Wissenschaftler vom Witzenhausen Institut für Abfall, Umwelt und Energie, den Straubinger Biomüll untersucht. Projektingenieur Hans-Jörg Siepenkothen vom Witzenhausen-Institut bescheinigte den Straubingern hohe Disziplin beim Inhalt ihrer Bio-Mülltonnen.

Verbraucherakzeptanz und Kaskadennutzung

Der zweite Forschungsschwerpunkt beschäftigt sich mit der Verbraucherakzeptanz. Getestet wird die Kaskadennutzung der Bio-Beutel, also die Mehrfach-Verwendung der Biosackerl als Verpackung beim Heimtragen von Obst und Gemüse, als Frischhaltebeutel im Kühlschrank und am Ende als Bio-Abfallbeutel. Die Biosackerl eignen sich nämlich gut für die Lagerung von Lebensmitteln, weil sie atmungsaktiv sind. Eine wissenschaftliche Studie mit Bio-Beuteln in Österreich hat nachgewiesen, dass die meisten Obst- und Gemüsesorten nach einer Lagerung in biobasierten kompostierbaren Beuteln eine deutlich geringere Verkeimung und einen besseren Geschmack besitzen als nach einer Lagerung in konventionellen Kunststoffbeuteln.

Biosackerl aus Italien bzw. Nordrhein-Westfalen

Die Biosackerl bestehen aus Stärke. Man könnte sie aus Zuckerrüben, Mais oder Kartoffeln gewinnen, die im Gäuboden rund um Straubing wachsen. Das wäre ein regionaler Kreislauf. Tatsächlich kommt das Stärke-Granulat für die Biosackerl aber aus Italien. Eine Firma in Nordrhein-Westfalen stellt sie daraus her.

Projektleiterin Dr.Bettina Fink vom Marketingnetzwerk C.A.R.M.E.N. in Straubing ist darüber nicht glücklich und erklärt, dass es keine heimischen Firmen gibt, die Beutel aus biobasierten Kunststoffen herstellen. Der Grund dafür sei, dass der Markt in Deutschland wegen der gesetzlichen Hürden uninteressant ist. In Italien dagegen sind PE-Beutel seit Jahren im Supermarkt verboten. Das hat dazu geführt, dass sich Unternehmen im Bereich Bio-Kunststoffe dort angesiedelt und die Produktion aufgebaut haben.

Produktion künftig auch in Bayern geplant

Das Ziel ist natürlich, dass Unternehmen bei uns bayerische Rohstoffe aus der heimischen Landwirtschaft in innovative Bio-Kunststoffe umsetzen. Dazu müssten nach der halbjährigen Projektphase die Biosackerl in allen bayerischen Supermärkten etabliert werden. Damit könnte ein Beitrag zur Umsetzung der Bayerischen Bioökonomiestrategie geleistet werden, mit der Bayern zu einem nachhaltigen, zukunftsfähigen Wirtschafts- und Landwirtschaftsstandort umgebaut werden soll. Das Modellprojekt wird explizit als Maßnahme 4 in der Bioökonomiestrategie Bayern genannt.

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