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Jedes Jahr zwischen Anfang April und Ende Juni ist Spargelsaison. Doch höchstens zwei Drittel der Ernte kommt auf den Teller. Mindestens ein Drittel landet als Ausschuss im Abfall. Das will eine junge Spargelunternehmerin aus Niederbayern ändern.

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Weniger Müll: Beerenschalen und Papier aus Spargelabfällen

Jedes Jahr zwischen Anfang April und Ende Juni ist Spargelsaison. Doch höchstens zwei Drittel der Ernte kommt auf den Teller. Mindestens ein Drittel landet als Ausschuss im Abfall. Das will eine junge Spargelunternehmerin aus Niederbayern ändern.

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Von
  • Susanne Pfaller
  • BR24 Redaktion

In der Sortierhalle ihres Spargelbetriebs in Geiselhöring im Kreis Straubing-Bogen beobachtet Annika Baumann Tag für Tag, wie Berge des frisch geernteten Spargels in die Abfall-Container wandern. Dazu zählt Spargel, der zu krumm gewachsen ist, Spargelschalen oder einfach ungezählte Spargel-Enden, die abgeschnitten werden müssen. Damit jede Stange der Norm entspricht, darf sie nicht länger als 22 Zentimeter sein.

Zu lang, zu krumm, zu fleckig - es gibt viele Gründe, warum Spargelstangen oder zumindest Teile von ihnen nicht vermarktet werden können oder dürfen. Im Schnitt ist es ein Drittel der Ernte.

Forschungsprojekt in Auftrag gegeben

Allein der Betrieb "Baumann Spargel und Beere" in Geiselhöring verarbeitet im Jahr rund 3.000 Tonnen Spargel. Davon sind rund 1.000 Tonnen Ausschuss. Bislang bringt Annika Baumann den Spargelabfall in eine regionale Biogasanlage. Doch die junge Unternehmerin will die faserreiche Menge hochwertiger und nachhaltiger verwerten.

Vor drei Jahren hat sie deshalb an die Hochschule München geschrieben. Die studierte Gartenbauingenieurin wusste, dass es dort eine Fakultät für Papier und Verpackung gibt. Ihre Mail geriet an die richtige Adresse. Helga Zollner-Croll, Professorin für biogene Faserstoffe, entwickelte ein Forschungsprojekt für alternative Einsatzmöglichkeiten von Spargelfasern, finanziert von Annika Baumann. Für einen Teil der Kosten gab es staatliche Fördergelder.

Durchbruch im Labor

Zwei Jahre hat ein wissenschaftliches Team nach neuen Möglichkeiten gesucht, Spargel als Rohstoff für die Karton- oder Papierherstellung zu verwenden. Jetzt ist der Durchbruch im Labor gelungen, freut sich Professorin Helga Zollner-Croll über die Projekt-Ergebnisse.

"Wir konnten aus dem Spargel Fasermaterial gewinnen. Mithilfe eines Laborfasergussverfahrens haben wir Beerenschalen hergestellt. Die raue Oberfläche eignet sich gut für Beerenverpackungen, beispielsweise für Erdbeeren", so Zollner-Croll. Möglicherweise könne man auf diese Weise sogar auf Vliese oder Saugeinlagen verzichten, sagt die Professorin.

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Professorin Helga Zollner-Croll im Labor.

Nachhaltige Verwendung von Spargelfasern

Die Projektgruppe untersuchte zunächst, inwiefern Spargel-Reststoffe überhaupt zur Faserherstellung für Verpackungsmaterial geeignet sind. Dazu zerfaserte das Team um Zollner-Croll Spargelschalen, Endstücke und ganze Stangen durch eine Zellstoff-Mühle. Konkret suchten die Forscher nach den für die Papierherstellung wichtigen Entwässerungseigenschaften und dem Wasserrückhaltevermögen.

Eine Analyse der Spargelfaser-Filtrate auf ihre Beschaffenheit und ihren Sauerstoffbedarf gab Aufschluss darüber, wie gut der Wasserkreislauf bei der Papierverarbeitung zu schließen ist.

Von Spargelfasern zu Spargelpapier

Das Ergebnis ist vielversprechend: die Spargelfasern eignen sich für die Herstellung von Papier, zumindest, wenn man sie mit klassischem Zellstoff aus Industrierestholz mischt. "Das ist ein guter Schritt in Richtung Nachhaltigkeit, denn durch Spargelfasern lässt sich der wertvolle Rohstoff Holz zum Teil ersetzen. Deshalb sollte man diesen Ansatz weiterverfolgen", analysiert Zollner-Croll das Projekt-Ergebnis.

Weiter Weg vom Spargelabfall zur Erdbeerschale

Noch gibt es die Beerenschalen aus Spargel nicht im Handel. Der Weg dorthin ist noch lang. Aktuell suchen die Hochschule München und Unternehmerin Annika Baumann nach einem Partner in der freien Wirtschaft, der die Verarbeitungsschritte aus dem Labor in die Praxis bringt, konkret nach einem Karton- und Papierhersteller.

Am besten wäre es, die Spargelfasern per Fasergussverfahren zu Schalen für Lebensmittel zu verarbeiten. Anders als Altpapier eignen sich Spargelfasern gut als Verpackungsmaterial für Lebensmittel. Spargelfasern sind nicht vorbehandelt und dürfen deshalb direkt mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Das ist ein großes Plus", lobt Zollner-Croll die Beschaffenheit der Spargelfasern.

Beerenschalen aus Spargel - für Unternehmerin Annika Baumann wäre das ideal, denn ihr Betrieb erntet und vermarktet neben Spargel eben auch Erdbeeren und Himbeeren. "Dann hätte sich der Forschungsauftrag gelohnt. Denn so würde sich der Kreis schließen."

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