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Weniger Kriminalität in Bayerns Städten | BR24

© BR/Fabian Stoffers

Mehr Präsenz der Polizei in den Innenstädten, wie hier am Marienplatz in München, das wünscht sich die Staatsregierung.

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Weniger Kriminalität in Bayerns Städten

Die bayerische Polizei soll in der Vorweihnachtszeit noch mehr Präsenz in den Innenstädten und auf Weihnachtsmärkten zeigen. Das ist der Wunsch der Staatsregierung. Doch tatsächlich ist die Kriminalität in bayerischen Städten sogar rückläufig.

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Statistiken, die ausschließlich die Delikte erfassen, die in den Innenstadtbereichen von Bayerns Städten begangen wurden, werden nicht geführt. Es wäre ein zu großer Aufwand, die Fälle einzeln nach Stadtteilen auszuwerten, sagt ein Sprecher des Münchener Polizeipräsidiums. Doch lassen sich Erkenntnisse aus den Zahlen für die Städte als Ganzes gewinnen. Und danach sind die Fälle in den meisten Städten zurückgegangen.

München steht besser da als Nürnberg und Augsburg

Im Bereich der Gewaltkriminalität sanken zwischen 2012 und 2018 die Häufigkeitszahlen – also die Fälle umgerechnet auf die Zahl der Einwohner – in München und Nürnberg um 16 Prozent, bzw. elf Prozent deutlich. Nur in Augsburg gab es eine leichte Zunahme.

Unter Gewaltkriminalität versteht man alle Straftaten, die mit einem gravierenden Angriff auf eine Person verbunden sind, beispielsweise Mord, Raub, Vergewaltigung oder gefährliche Körperverletzung. Lediglich München, Augsburg und Nürnberg wurden in der Statistik separat erfasst. Augsburg ist mit 900 Fällen etwas sicherer als Nürnberg (1.750 Fälle). München steht hier mit 3.630 Fällen sogar deutlich besser da als die beiden anderen Städte (umgerechnet auf je 100.000 Einwohner gab es 2018 in München 249 Fälle von Gewaltkriminalität, in Augsburg 307 und in Nürnberg 340

Jugendliche begehen viele Delikte

Bei der Straßenkriminalität, die unter anderem auch Diebstähle, Sachbeschädigungen oder Landfriedensbruch umfasst, ist die Tendenz klar: Insgesamt wurden zwar zuletzt bayernweit immer noch mehr als 100.000 Fälle jährlich von der Polizei aufgenommen, in den vergangenen fünf Jahren gingen die Zahlen aber zurück – um fast 9.000 pro Jahr. München sorgte allerdings 2018 mit einem Plus von 9,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr für einen Ausreißer nach oben . Jugendliche und Heranwachsende bis 21 Jahre waren in etwas mehr als einem Drittel der Fälle die Tatverdächtigen.

Verunsicherung trotzdem zu spüren

Die Zahlen sprechen also dafür, dass die Städte etwas sicherer geworden sind. Nach der tödlichen Attacke auf einen Mann am Freitag in der Augsburger Innenstadt und der Messerattacke auf einen Polizeibeamten am Montag in München sieht sich aber die Politik offenbar unter Druck. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann begründete die Kabinettsentscheidung, die Polizeipräsenz in den Städten zu erhöhen: Man reagiere damit auf die zunehmende Beunruhigung vieler Menschen.

Fakten und Gefühle widersprechen sich

Warum die positive Entwicklung in den Kriminalitätsstatistiken nicht entsprechend wahrgenommen wird, hat für den Kriminologen Prof. Martin Rettenberger zwei Gründe: Es werde zum einen generell mehr über Kriminalität gesprochen. Außerdem seien Informationen und Bilder einzelner Delikte heutzutage leichter verfügbar. Dadurch entsteht der Eindruck, dass in den Städten mehr Gewalt und Kriminalität herrschen, was aber objektiv gar nicht so ist. Das gilt übrigens auch für die Einschätzung, wer solche Delikte hauptsächlich begeht.

Der bayerische Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer wies darauf hin, dass die Fälle von straffälligen jungen Leuten im zweistelligen Prozentbereich zurückgegangen sind, während es bei den Erwachsenen einen deutlichen Anstieg gegeben hat.

Vorerst mehr Polizisten in Bayerns Innenstädten

Mehr Polizeipräsenz in Innenstädten und auf Weihnachtsmärkten - so will Innenminister Herrmann in den nächsten Wochen das Sicherheitsgefühl der Menschen stärken. Insgesamt sei die Sicherheitslage im Freistaat aber gut, trotz der jüngsten Gewalttaten.

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Die Polizei in Bayern reagiert auf die tödliche Schlägerei beim Augsburger Weihnachtsmarkt. Innenminister Herrmann sagte nach einer Kabinettssitzung in München, die Polizei werde in der Öffentlichkeit mehr Präsenz zeigen.