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Bildrechte: BR/Herbert Ebner

Bauern und Umweltschützer protestieren in Berlin gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Das Bündnis "Wir haben es satt" aus rund 60 Organisationen der Bereiche Landwirtschaft, Naturschutz und Gesellschaft hatte zur Demonstration aufgerufen.

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"Weniger ist mehr": Geht das in der Landwirtschaft?

Wie soll die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland aussehen? Darüber gehen die Ansichten stark auseinander. Gibt es einen Ausweg aus dem Zwang zu immer größeren und immer intensiver wirtschaftenden Betrieben?

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Von
  • Lorenz Storch

Im Januar vor einem Jahr haben noch mehrere Zehntausend Menschen in Berlin für eine andere Agrarpolitik demonstriert. Unter dem Slogan "Wir haben es satt" war das 2020 die größte politische Versammlung in der Hauptstadt. Heuer herrscht Corona – und es ist am 16. Februar nur eine Mini-Demonstration vor dem Kanzleramt erlaubt. Die Forderungen sind aber noch immer präsent – genauso wie der Unmut vieler Bauern. Die klagen über immer neue Auflagen und über Preise für Agrarprodukte, die mit den Kosten nicht Schritt halten.

Bündnis "Wir haben es satt" fordert andere Agrarpolitik

Das Bündnis "Wir haben es satt", zu dem unter anderem Umweltverbände, Biolandwirte und Verbraucherorganisationen gehören sieht die Ursachen dafür im System. Die Probleme der Landwirtschaft lägen darin begründet, dass die Landwirte immer mehr produzieren, und dabei neben Natur und Tierwohl nicht zuletzt die Preise für die eigenen Produkte ruinieren.

Josef Schmid von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft in Bayern (AbL) meint, die Landwirtschaftspolitik der vergangenen Jahrzehnte habe bewiesen, dass sich der Wachstumskurs mit immer mehr Intensivierung und immer mehr Export nicht positiv auf die Landwirte ausgewirkt habe: "Im Gegenteil. Wir haben Betriebe verloren. Die verbleibenden Betriebe sehen sehr wenig Perspektiven. Und was am wichtigsten ist: Wir verlieren dabei die Akzeptanz der Gesellschaft."

Weg von der industriellen Landwirtschaft

Die Botschaft der AbL und auch anderer Bündnispartner wie dem Bund Naturschutz und dem Landesbund für Vogelschutz lautet: weg von der industriellen Landwirtschaft. Das richtet sich auch gegen den Bauernverband, der mit seinem großen Einfluss die Landwirtschaftspolitik der vergangenen Jahrzehnte maßgeblich bestimmt hat.

Bauernverband hält nichts von "Weniger ist mehr"

Der Präsident des Bayerischen Bauernverbands, Walter Heidl, hält nichts von einer Philosophie des "Weniger ist Mehr": "Die Logik geht nicht auf. Der Landwirt ist natürlich darauf angewiesen, dass er seinen Betrieb so kostenorientiert führt, wie es notwendig ist. Wohlgemerkt unter Einhaltung aller Vorgaben, die ihm ja gemacht werden."

Das Ziel des Bauernverbands sind freilich möglichst wenig Vorgaben, die für die Landwirte zusätzliche Arbeit, zusätzliche Bürokratie oder Ertragsminderungen bedeuten.

Deutschland entscheidet, wie es EU-Umweltvorgaben auslegt

Wie naturnah die deutsche Landwirtschaft werden soll – dazu finden im Laufe dieses Jahres wichtige Verhandlungen statt. Beteiligt sind das Bundesumwelt- und das Bundeslandwirtschaftsministerium, und die Agrarminister der Bundesländer.

Denn die neue Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union muss in nationales Recht umgesetzt werden. Und die EU lässt den einzelnen Ländern viel Freiheit dabei, die Umweltvorgaben für Subventionen zu bestimmen. Das Ziel der Bundesregierung ist, die Verhandlungen darüber noch während ihrer Amtszeit, also bis zur Sommerpause, abzuschließen.

Was müssen die Bauern für ihre Subventionen tun?

Der Bauernverband möchte dabei möglichst wenig verbindliche Umweltvorgaben für die Subventionen an die Landwirte. Umweltverbände fordern dagegen möglichst viele Umweltleistungen der Landwirte als Gegenleistung für deren Einkommen aus Steuergeld.

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