BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Vögel beim Futterhäuschen zu beobachten, kann sehr interessant sein. Doch viele Menschen beklagen, es gebe weniger Wintervögel im Garten. Liegt das an zu vielen Katzen? Oder an öden Steingärten?

13
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Wenig Vögel in diesem Winter im Garten - woran liegt das?

Vögel beobachten macht glücklich, sagen Wissenschaftler. Doch viele Menschen beklagen, dass sich in ihren Gärten immer weniger Vögel aufhalten. Liegt das an zu vielen Katzen oder an öden Steingärten?

13
Per Mail sharen
Von
  • Doris Fenske

Auch in diesem Jahr hat die "Stunde der Wintervögel", ein Bürger-Forschungsprojekt, das seit 16 Jahren Daten zur Anzahl und Artenvielfalt in Gärten und Parks erhebt, den Eindruck vieler Menschen bestätigt: In den Gärten gibt es einen leicht rückläufigen Trend, was die Anzahl an Vögeln, aber auch die Artenvielfalt insgesamt betrifft.

"Der Haussperling ist zwar immer noch ein Allerweltsvogel und wird fast jedes Jahr am häufigsten gezählt, er kommt aber nur noch in jedem zweiten Garten vor" , so Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern. Der Grünfink sei zwar auch noch stets unter den Top Ten, gehe aber seit Jahren leicht, aber stetig zurück.

Bisher wurden schon über 920.000 Vögel und weit über 100 Arten in knapp 29.000 Gärten gezählt. Im Schnitt sind das aber eben nur 32 Vögel pro Garten, so wenige wie noch nie in der Geschichte der Mitmachaktion.

Sind Katzen am Rückgang der Vögel schuld?

Insbesondere im Netz wird heftig darüber diskutiert, ob Katzen für den Rückgang an Gartenvögeln verantwortlich seien. Wenn regelmäßig Katzen durch den Garten streifen, schreckt das Vögel ab, sagt Markus Erlwein vom LBV in Bayern e.V. Katzen jagen aber auch Vögel. Im menschlichen Siedlungsbereich seien Katzen durchaus ein ernstzunehmender Faktor, der partiell zu einem Rückgang von Vogelpopulationen führen kann. Katzen erbeuten allerdings nicht so viele Vögel, dass deren Bestand ernsthaft gefährdet sei, so Markus Erlwein.

Gartengestaltung: Was vielen Menschen gefällt ist für Vögel unwirtlich

Ganz entscheidend ist: Vögel nutzen Gärten als Lebensraum. Was viele Menschen schön finden, sehr aufgeräumte kurzgeschorene Gärten mit asiatischen Gehölzen oder Schottergärten ohne Bepflanzung, ist für Vögel völlig uninteressant. Auch wer Unkrautvernichtungsmittel verwendet, macht sich bei Vögeln nicht beliebt. Vögel brauchen Artenvielfalt und insbesondere heimische Sträucher, die ihnen schmackhafte Beeren liefern, aber auch als Sitzplätze und Rückzugsorte geeignet sind.

In Gärten spielen auch kleinräumig-punktuell wirkende Faktoren eine Rolle, sagt Markus Erlwein vom LBV. "Wird ein Baum gefällt, oder gibt es eine attraktive Futterstelle im Nachbargarten, dann kann das ausschlaggebend sein, ob ich viele oder wenige Vögel im Garten habe."

Klimawandel als Ursache

Auch der Klimawandel spielt eine Rolle. Sind die Winter mild, finden Vögel noch genug Nahrung in den Wäldern und suchen Gärten weniger häufig auf. Nach Bayern kommen aber auch Wintergäste aus Nord- und Osteuropa, zum Beispiel Kohlmeisen oder Erlenzeisige. Steigen die Temperaturen in den Herkunftsländern, machen sich die Vögel erst gar nicht auf den Weg.

Natürliche Bestandsschwankungen

Die Anzahl der Vögel schwankt natürlicherweise von Jahr zu Jahr.

Dafür sind auch Viren und andere Krankheitserreger verantwortlich. So sind Amselbestände in den vergangenen Jahren durch das Usutu-Virus eingebrochen. "Die Amsel stagniert derzeit und erholt sich nur langsam von den Rückgängen der letzten Jahre", sagt Markus Erlwein.

Das Bakterium Suttonella ornithocola hat im vergangenen Jahr für ein Blaumeisensterben gesorgt. Damit infizierte Blaumeisen sehen struppig aus und leiden an einer Art Lungenentzündung.

Einige der Vogelkrankheiten können sich auch an Futterstellen ausbreiten.

Grundsätzlich sollte deswegen einiges beachtet werden, wenn man Vögel im Garten füttert. Wichtig ist insbesondere, dass man statt traditioneller Futterhäuschen nur Futterspender, sogenannte Futtersilos verwendet. Dann können die Tiere nicht im Futter herumlaufen und es mit Kot verschmutzen. Beobachtet man kranke Vögel an der Futterstelle, sollte die Fütterung vorübergehend eingestellt werden, damit sich die Infektion nicht weiter ausbreiten kann.

München ist Bayerns vogelfeindlichste Großstadt

Dass es weniger Wintervögel in den Gärten gibt, ist besonders in Großstädten spürbar. Das hat mit der Flächenversiegelung zu tun und auch den hohen Immobilienpreisen. Neubauten verfügen über immer kleinere Gartenflächen. Dort wo es noch große Gärten und Freiflächen gibt, wird nachverdichtet und Natur zerstört.

"Bei unseren jährlichen Vogelzählungen im Januar und Mai ist München stets die vogelfeindlichste Großstadt Bayerns, teilweise sogar Deutschlands. Hier wurden dieses Mal ein Drittel weniger Vögel gezählt als im ohnehin schon niedrigen bayerischen Durchschnitt." Markus Erlwein, Landesbund für Vogelschutz

Noch dramatischer: Rückgang der Vögel in der Agrarlandschaft

Noch viel dramatischer ist der Rückgang der Vögel aber außerhalb von menschlichen Siedlungen. Vor allem in der Agrarlandschaft ist der Verlust von Arten, aber auch Individuen alarmierend hoch. Die Bestände von Rebhuhn, Feldlerche oder Kiebitz sind extrem stark eingebrochen. In vielen Gegenden sind die Arten bereits komplett verschwunden. Das liegt daran, dass sich dort sowohl das Nahrungsangebot als auch die Lebensräume für diese Vogelarten sehr stark verschlechtert haben.

Während lange Zeit die Landwirtschaft die Lebensräume der Vögel der Feldflur gepflegt und erhalten hat, sind die Ansprüche heute auseinandergedriftet. Durch den Einsatz von Insektengiften, aber auch durch immer perfektere, unkrautfreie Agrarlandschaften, in denen nur noch einige wenige Kulturen angebaut werden, sind Insekten – die Nahrungsgrundlage von Vögeln – stark zurückgegangen. Durch das Verschwinden von Hecken, wenig gedüngtem Grünland aber auch lichten Getreidebeständen, fehlt einstigen Allerweltsvögeln heute der Lebensraum in unserer Kulturlandschaft.

Um den Rückgang der Vögel im Siedlungsraum aufzuhalten, können Gartenbesitzer ihre Gärten naturnah gestalten und auf Pestizide verzichten. Um dem dramatischen Vogelschwund in der offenen Landschaft entgegenzuwirken, müsste sich die Agrarförderung ändern. Dann könnte sich eine auf Artenvielfalt hin ausgerichtete Wirtschaftsweise für Landwirte finanziell mehr lohnen.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!