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Wende im Mordfall "Mezgin": Überraschend neuer Zeuge aufgetaucht

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    Wende im Mordfall "Mezgin": Überraschend neuer Zeuge aufgetaucht

    Im Mordfall "Mezgin" gab es eine überraschende Entwicklung: Der Angeklagte soll einem neuen Zeugen gegenüber Angaben gemacht haben, die ihn selbst belasten. Laut Gericht verzögern sich die Plädoyers, die für den heutigen Prozesstag angekündigt waren.

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    Von
    • Barbara Ecke
    • Wolfram Hanke
    • BR24 Redaktion

    Im Prozess um den Mordfall "Mezgin" am Aschaffenburger Landgericht ist das Gericht noch einmal in die Beweisaufnahme eingetreten. Grund dafür ist ein weiterer Zeuge, der sich kurzfristig gemeldet hat – ein Häftling, mit dem sich der Angeklagte in der Untersuchungshaft unterhalten haben soll. Der 22-Jährige Zeuge belastet den 46-jährigen Mann aus Syrien schwer: Der Angeklagte soll ihm beim Kaffeetrinken gesagt haben, dass er seine Tochter Mezgin getötet habe. Der Zeuge hatte einer Richterin einen entsprechenden Brief zukommen lassen und eine Aussage bei der Polizei gemacht. Die Plädoyers sind auf den Nachmittag verschoben worden.

    Angeklagter soll dem Zeugen von dem Mord erzählt haben

    Der Zeuge hat heute vor Gericht ausgesagt, dass der Angeklagte häufiger in seine Zelle zum Kaffeetrinken gekommen sei. Mitte März habe er den 46-Jährigen gefragt, warum er im Gefängnis ist. Daraufhin habe ihm der Angeklagte erzählt, dass er seine Tochter getötet habe und später auch versucht habe, ihren damaligen Freund zu töten. Auf die Frage des Richters, warum der Zeuge die Information erst jetzt an das Gericht weitergebe, sagte der 22-Jährige, dass er Angst vor dem Angeklagten gehabt habe und davor, im Gefängnis als Verräter dazustehen. Er hoffe aber, dass seine Aussage helfen könne und er selbst eine geringere Haftstrafe bekomme.

    Verteidigung und Staatsanwaltschaft stehen Aussage skeptisch gegenüber

    Der Vorsitzende Richter Sebastian Geis stellte jedoch klar: "Für die Aussage gibt es keinen Tag Strafminderung." Das Gericht fragte mehrfach nach, ob der Zeuge über Medien oder andere Insassen von dem Gerichtsprozess gegen den 46-Jährigen Syrer wisse. Der Zeuge sagte aus, dass er nichts über den Fall gewusst habe, bis der Angeklagte ihm davon erzählt habe. Sowohl der Verteidiger des Angeklagten als auch die Staatsanwaltschaft zeigten sich skeptisch gegenüber der Aussage des Zeugen. Während der Aussage wirkte der Angeklagte unruhig und wippte durchgängig mit einem Fuß.

    Nach überraschender Aussage: Weiterer Häftling befragt

    Nach der überraschenden Aussage des 22-Jährigen ist ein weiterer Zeuge angehört worden. Er ist ebenfalls ein Häftling, der mehrere Monate mit dem 46-jährigen Angeklagten in einer Zelle war. Der 37-jährige Mann widersprach der Aussage des 22-jähigen Zeugen. Er sagte, dass im Gefängnis fast jeder wisse, warum der Syrer in Untersuchungshaft sitze. Der 22-jährige Häftling habe ihm außerdem erzählt, dass er bereits im Dezember einen Fernsehbericht über den Angeklagten und den Mordfall Mezgin gesehen habe. Außerdem berichtete der 37-jährige Mann davon, dass der Angeklagte mit ihm über eine Messerattacke auf einen "Sheko" gesprochen habe und, dass er ihn endgültig "kaputt" machen werde, wenn er wieder aus dem Gefängnis rauskomme. Der Zeuge wusste aber nach eigenen Angaben nicht, dass es sich bei Sheko um den damaligen Freund von Mezgin handelte. Mit den Aussagen der beiden Häftlinge ist die Beweisaufnahme abgeschlossen.

    46-Jähriger soll seine Tochter getötet haben

    Dem 46-jährigen Syrer wird vorgeworfen, seine Tochter Mezgin getötet zu haben. Laut Anklage soll der Mann das Mädchen am 4. Mai 2017 an deren Schule abgepasst haben. Mit im Auto habe der 13-Jährige Stiefbruder des Mädchens gesessen. Angekommen in einem Waldstück soll der Vater auf die Schülerin eingestochen und auch den strafunmündigen Sohn gezwungen haben, auf seine Stiefschwester einzustechen. Die Leiche Mezgins war im Dezember 2018 in einem Betonschacht in einem Wald entdeckt worden.

    Angeklagter soll versucht haben, Freund der Tochter zu töten

    Der Angeklagte muss sich im selben Verfahren auch für den versuchten Mord an dem damals 23-jährigen Freund seiner Tochter verantworten. Einen Monat nach dem Mord an Mezgin soll er am Aschaffenburger Floßhafen versucht haben, den jungen Mann mit einem Teppichmesser zu töten. Danach hatte sich der Mann aus Syrien in die Türkei abgesetzt. Nach der Flucht vergingen mehr als drei Jahre, bis er aus der Türkei nach Deutschland ausgeliefert wurde.

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