BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern
© Polizeipräsidium Schwaben Nord/ Tauscher
Bildrechte: Polizeipräsidium Schwaben Nord/ Tauscher

Verdacht auf Beihilfe im Wemdinger Impfskandal: Die Polizei hat am Donnerstag 100 Wohnungen durchsucht.

212
  • Artikel mit Video-Inhalten

Wemdinger Impfskandal: Handys und Impfausweise sichergestellt

Handys, Impfpässe, aber auch Marihuana und Kokain – die Polizei hat die ersten Ergebnisse der Razzia im Zuge des Wemdinger Impfskandals bekannt gegeben. Die Wohnungen von mehr als 100 Verdächtigen waren durchsucht worden.

Von
Anna KleinAnna KleinTobias HildebrandtTobias HildebrandtBeate MangoldBeate Mangold
212

Seit den frühen Morgenstunden hatten Polizeibeamte die Wohnungen von rund 100 Verdächtigen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen durchsucht. Sie alle stehen im Verdacht, mit gefälschten Impfzertifikaten eine Corona-Schutzimpfung vorgetäuscht zu haben. Ausgestellt haben soll die Zertifikate ein Hausarzt aus Wemding im Landkreis Donau-Ries.

Blut von 50 Beschuldigten wird auf Antikörper überprüft

Wie die Polizei nach der Aktion bekannt gab, haben die Beamten gut 70 Mobiltelefone sichergestellt, die nun nach tatrelevanten Inhalten ausgewertet werden. Die Polizei geht davon aus, dass sich auf den Handys widerrechtlich erlangte digitale Impfzertifikate befinden. Auch gut 80 Impfausweise wurden aus diesem Grund sichergestellt. Bei knapp 50 Beschuldigten nahm die Polizei außerdem Blut ab, um den Titer-Wert zu bestimmen, also festzustellen, ob die Personen Antikörper gegen das Coronavirus haben.

Beschuldigte verhielten sich kooperativ gegenüber der Polizei

Nahezu alle Personen verhielten sich laut der Pressemitteilung kooperativ. Die Polizei führt dies auch auf den Einsatz von Kommunikationsbeamten zurück. Der Schwerpunkt der Aktion sei darauf gelegt worden, den Beschuldigten die Maßnahmen und Hintergründe zu erläutern. Bei jedem Beschuldigten sei außerdem im Einzelfall geprüft worden, ob wirklich das Handy sichergestellt oder Blut abgenommen werden musste.

Zufallsfunde: Polizei fand auch Blanko-Impfausweise

Laut Polizei kam es bei den Durchsuchungen auch zu sogenannten Zufallsfunden. So stellten die Beamten rund 600 Gramm Marihuana, sowie geringe Mengen Amphetamin und Kokain sicher. Eine Schreckschusspistole und ein Springmesser wurden ebenfalls gefunden. Zudem entdeckten die Einsatzkräfte fünf Stempel von Arztpraxen und Impfzentren, mehrere Blanko-Impfausweise und Blanko-Genesenen-Zertifikate. Auch wegen der Delikte, die im Zusammenhang mit diesen Funden stehen könnten, wird nun gegen die Verdächtigen ermittelt.

Ermittlungen wegen Verwendung unrichtiger Gesundheitszeugnisse

Gegen alle Beschuldigten wird wegen Beihilfe oder Anstiftung zum Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse und deren Verwendung ermittelt. Auch Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz stehen im Raum. Die Durchsuchungen waren von der Staatsanwaltschaft Augsburg beantragt worden, das Amtsgericht Augsburg hatte die Blutentnahme beschlossen.

Autos aus ganz Süddeutschland parkten vor Praxis

Das Benutzen eines gefälschten Impfpasses ist Urkundenfälschung und damit eine Straftat. Laut Strafgesetzbuch gibt es für Urkundenfälschung eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Gefängnis. Zeugen war laut Polizei aufgefallen, dass vor der Wemdinger Arztpraxis immer wieder Autos mit Kennzeichen aus dem gesamten süddeutschen Raum geparkt haben, die sich mutmaßlich eine falsche Impfbescheinigung besorgen wollten.

Der Hausarzt aus Wemding darf zurzeit nicht als Arzt arbeiten. Er steht außerdem im Verdacht, Menschen, die sich impfen lassen wollten, eine wirkungslose Substanz gespritzt zu haben. Es geht um insgesamt mehrere hundert Fälle, diese waren aber nicht von den Durchsuchungen betroffen. Die Auswertung und Untersuchung der sichergestellten Gegenstände wird laut Polizei mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

© BR
Bildrechte: BR

In ganz Süddeutschland durchsuchte die Polizei am Donnerstagmorgen Wohnungen. 100 Personen stehen im Verdacht der Beihilfe zur Fälschung von Impfpässen. Ausgestellt haben soll die ein Arzt aus Wemding im Landkreis Donau-Ries.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

Schlagwörter