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Wem gehört der Wald: Konflikt zwischen Freizeit und Waldarbeit | BR24

© BR/Renate Roßberger

In den Wäldern sind immer mehr Wanderer, Jogger, Mountain- und E-Biker unterwegs. Das ist schon seit Jahren ein Trend. Heuer im Corona-Sommer nimmt dieser Trend noch zu.

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Wem gehört der Wald: Konflikt zwischen Freizeit und Waldarbeit

In den Wäldern sind immer mehr Wanderer, Jogger oder Mountainbiker unterwegs. Im Corona-Sommer, wo viele daheim Urlaub machen, nimmt dieser Trend noch zu. Dabei kommt es immer öfter zu Konflikten bei der Waldarbeit, zum Beispiel bei Holzfällarbeiten.

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Die Schilder sind eigentlich kaum zu übersehen: Viele Forstbetriebe greifen inzwischen zu großen Bannern, um Freizeitsportler vor Waldarbeiten zu warnen. Trotzdem werden solche Sperren immer häufiger ignoriert. Radler tragen ihre Räder oft sogar über große gefällte Bäume, die quer über dem Weg liegen, erzählen Betroffene.

Stoppuhr läuft oft mit

Unterschätzen sie die Gefahr? Ja, meint Forstwirtschaftsmeister Paul Hilgart vom Forstbetrieb Bodenmais im Kreis Regen: "Jüngere Mountainbiker sind oft mit Kopfhörern unterwegs, die eigentlich vom ganzen Umfeld draußen gar nichts mitkriegen. Die sportlichen Radfahrer, da läuft die Stoppuhr mit und sie wollen unbedingt die Strecke möglichst schnell fahren. Die ärgern sich, wenn sie aufgehalten werden oder Umwege fahren sollen."

Haftung übernimmt jeder selbst

Viele Forstbetriebe stellen inzwischen sogar Streckenposten auf, die nochmal persönlich auf die Sperre hinweisen. Diese Posten müssen aber Uneinsichtige nicht "mit Gewalt" aufhalten, wenn sie trotzdem durch gesperrte Bereiche laufen wollen. Solche Wanderer und Radler übernehmen aber dann selbst für sich die Haftung. Ein umfallender Baum, auch wenn er gar nicht groß ist, kann einen Menschen töten.

Paul Hilgart vom Forstbetrieb Bodenmais sagt, dass die Holzfälltrupps oft gezwungen sind, die Arbeit zu unterbrechen, bis der Wanderer beziehungsweise Radler durch ist. Die Arbeiten werden dann natürlich aufgehalten. Besonders gefährliche Arbeiten würden oft in die ganz frühen Morgenstunden verlegt, in denen noch wenige Menschen im Wald unterwegs sind.

Der Wald gehört allen

Wanderer, Jogger, Radler und zum Beispiel auch Schwammerlsucher dürfen sich in Bayern frei im Wald bewegen, nicht nur in den Staatswäldern, sondern auch im Privatwald, das besagt das Bayerische Naturschutzgesetz:

"(1) Alle Teile der freien Natur, insbesondere Wald, Bergweide, Fels, Ödungen, Brachflächen, Auen, Uferstreifen und landwirtschaftlich genutzte Flächen, können von jedermann unentgeltlich betreten werden." (Bayerisches Naturschutzgesetz)

Gefahren gibt es viele

Das freie Betretungsrecht besage aber auch, betont der Leiter des 17.000 Hektar großen Forstbetriebs Bodenmais, Jürgen Völkl, dass im Wald mit sogenannten "waldtypischen Gefahren" gerechnet werden muss - wie etwa der Waldarbeit. Dazu gebe es bereits entsprechende Gerichtsurteile. Der Eigentümer oder der Beauftragte dürfe für den Fall der Arbeit kurzfristig einen Wanderweg sperren und zwar aus Sicherheitsgründen. Völkl vermutet, dass viele Freizeitsportler die Gefahr durch Waldarbeit aber unterschätzen, die jüngere Generation vielleicht durch Videospiele: "Die Mandl dort, die stehen ja hinterher immer wieder auf." Draußen im Wald könne aber sogar schon ein herabfallender Ast jemanden schwer verletzen. Und auf Wegen, die durch Zweige und Äste verunreinigt sind, können Radler und Fußgänger leicht stürzen.

Borkenkäfer sorgt für mehr Arbeit

Das Forststraßennetz darf von Radlern und Wanderern frei genutzt werden. Aber sein Hauptzweck sei der einer Arbeitsstraße für Holzarbeiten, betont Völkl. Gerade in Borkenkäferzeiten wie derzeit müssten viele Forststraßen öfter mit groben Steinen nachgeschottert werden, um die schweren Holzbearbeitungsmaschinen auszuhalten. Das sei unvermeidlich, auch wenn Radfahrer sich dann über den Schotter beschweren.

Freizeitsportler mit geteilter Meinung

Bei Umfragen des Bayerischen Rundfunks sagen die meisten, dass sie sich selbstverständlich an Sperrschilder halten. Andere erzählen ganz offen, dass sie sich über die Schilder ärgern und sie teils ignorieren. Eine junge Radlerin beschwert sich zum Beispiel, dass solche Schilder oft sehr unvermittelt plötzlich auf den Wegen stehen. Wenn so ein Schild gleich am Anfang einer Strecke stehe, dann suche sie sich einen anderen Weg, aber meist werde zu spät ausgeschildert: "Wenn ich den Weg schon fahre und komme mitten im Gelände an das Schild, hier geht es nicht weiter, dann ist das schwierig, weil dann müsste ich querfeldein ausweichen, was ich auch nicht will, weil es ja geschützte Bereiche sind. Oder wenn die Alternative ist, dass ich 300 Höhenmeter zurückschieben muss, dann tut es mir leid, dann geht es nicht anders".

Sperren auch über das Wochenende

Außerdem ärgert sie sich, wenn solche Sperren das ganze Wochenende stehen bleiben, aber schon längst keiner mehr dort arbeitet. Tatsächlich müssen solche Schilder nach den Arbeiten abgebaut werden. Forstwirtschaftsmeister Paul Hilgart warnt davor, dass in Borkenkäferzeiten private Lohnunternehmer mit Holztransportern oft auch samstags im Wald unterwegs sind. Sonst schaffen sie die Arbeit nicht mehr. Ein Holztransporter sei aber gerade für Radler, die auf schmalen Wegen bergab rasen, lebensgefährlich, wenn sie gegen die schweren Maschinen prallen.

Hinweise so früh wie möglich

Zur Kritik, die Schilder schon am Anfang eines Wanderwegs aufzustellen, heißt es vom Forstbetrieb Bodenmais, das sei nicht umsetzbar, weil das Wegenetz im Wald nicht linear verläuft. Man veröffentliche aber Hinweise auf größere Wegesperren durch Holzfällarbeiten über die Internetseiten der regionalen Tourist-Infos.

Der Forstbetrieb Bodenmais ist für rund 17.000 Hektar Staatswälder zwischen Arbergebiet und Donauauen zuständig.

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