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Wem gehört das Wasser? Altmühlfranken bangt um Versorgung | BR24

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Ein Mineralwasser-Unternehmen aus Treuchtlingen plant, seine Produktion zu vergrößern und will dafür mehr Grundwasser fördern. Die Menschen in Weißenburg bangen nun um ihr Trinkwasser, das aus der gleichen Quelle kommt.

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Wem gehört das Wasser? Altmühlfranken bangt um Versorgung

Ein Mineralwasser-Unternehmen aus Treuchtlingen plant, seine Produktion zu vergrößern und will dafür mehr Grundwasser fördern. Die Menschen in Weißenburg bangen nun um ihr Trinkwasser, das aus der gleichen Quelle kommt.

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Der Zugang zu sauberem und frischem Trinkwasser ist anerkanntes Menschenrecht. Doch wem gehört eigentlich das Wasser, das verborgen in Schichten tief im Boden fließt? Genau diese Frage beschäftigt derzeit die Menschen in Altmühlfranken.

Mineralwasser – mitten aus der Stadt

Mitten in Treuchtlingen, zwischen Rathaus und Senefelder-Schule, liegt die Altmühltaler Mineralbrunnen GmbH. Das Unternehmen zählt zu den wichtigsten Arbeitgebern in der Stadt. Doch die Lage der Firma im Zentrum ist Bürgermeister Werner Baum (SPD) schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Weit mehr als 100 Laster rollen täglich durch den Stadtkern, um Mineralwasser und Erfrischungsgetränke zu laden und an Discounter zu verteilen. Lärm, Abgase und verstopfte Straßen – eine unerträgliche Situation.

Getränkehersteller plant Investitionen

Nun plant das Unternehmen, die Produktion an den Stadtrand zu verlagern. Dort hat Altmühltaler vor Kurzem ein Logistikzentrum gebaut und will jetzt weiter investieren. Neue Abfüllanlagen sollen entstehen und dann auch gleich die Produktion vergrößert werden. Damit die Investitionen sich lohnen, will das Unternehmen mehr verkaufen – für den Treuchtlinger Bürgermeister Werner Baum (SPD) ein logischer Schritt. Er unterstützt die Pläne des Getränkeherstellers, denn die Vorteile der Verlagerung liegen für ihn auf der Hand.

"Wir haben hier 200 Arbeitsplätze, die gesichert oder sogar ausgebaut werden. Und zudem werden wir dann eine Verkehrsentlastung in der Innenstadt erleben und können die frei werdenden Flächen städtebaulich entwickeln." Werner Baum (SPD), Bürgermeister von Treuchtlingen

Einkaufsmöglichkeiten und Gebäude für seniorengerechtes Wohnen sollen das Zentrum attraktiver machen.

Erweiterungspläne schüren Ängste

Doch die geplante Steigerung der Produktion schürt Ängste. Bislang entnimmt Altmühltaler rund 250.000 Kubikmeter Wasser jährlich aus einem firmeneigenen Brunnen, der sich aus tiefliegenden Grundwasserschichten speist. Künftig will das Unternehmen mehr als doppelt so viel Wasser aus diesem Reservoir entnehmen.

Jürgen Schröppel (SPD), Oberbürgermeister der Nachbarstadt Weißenburg, ist von den Erweiterungsplänen der Mineralwasserfirma alles andere als begeistert. Er hat Angst, dass die zusätzliche Entnahme seiner Stadt buchstäblich das Wasser abgräbt. Denn die Weißenburger schöpfen ihr Trinkwasser aus den gleichen Grundwasserschichten wie die Treuchtlinger Firma. Ende der 1990er-Jahre hat Weißenburg viel Geld in den Bau stadteigener Brunnen investiert, um das qualitativ hochwertige Wasser für die öffentliche Versorgung zu fördern.

"Es handelt sich um über 10.000 Jahre altes fossiles Tiefengrundwasser, das sich in einer Tiefe von 280 Metern befindet, das Mineralwasserqualität hat und von daher natürlich eine sehr hochwertige Trinkwasserversorgung für Weißenburg darstellt." Jürgen Schröppel (SPD), Oberbürgermeister von Weißenburg

Doch die öffentliche Wasserversorgung könnte in Gefahr sein, wenn immer mehr Wasser für gewerbliche Zwecke entnommen wird, befürchtet Schröppel.

Wasserwirtschaftsamt erstellt Gutachten

Dass das wertvolle Grundwasserdepot buchstäblich bald "leer getrunken" sein könnte, diese Ängste teilt Thomas Keller vom Wasserwirtschaftsamt Ansbach nicht unmittelbar. Denn das Reservoir ist riesig: Es erstreckt sich vom Brombachsee bis Pfaffenhofen im Süden und Regensburg im Osten. Rund 250 Meter tief unter der Erde, im Sandsteinkeuper lagern 25 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser.

"Eine unvorstellbare Wassermenge, die es gilt, sauber und nachhaltig auch für die nachfolgenden Generationen zu erhalten und zwar so nachhaltig, dass wir keine negativen absinkenden Grundwasserstände haben." Thomas Keller, Wasserwirtschaftsamt Ansbach

Für Keller hat eine nachhaltige Nutzung und der Schutz des Grundwassers oberste Priorität.

"Sandsteinkeupergrundwassermodell"

Doch Weißenburg und Treuchtlingen bedienen sich nicht alleine an den Wasservorräten. Insgesamt zapfen 35 Kommunen, Zweckverbände und auch das Trinkwassergewerbe von dieser "Quelle" und entnehmen ihr mehr als acht Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr. Die Sorge um den Vorrat ist also durchaus begründet. Doch Keller beruhigt, denn der Freistaat kontrolliert bereits, ob sich der Grundwasserpegel durch diese Entnahmen verändert.

"Der Freistaat Bayern hat vor längerer Zeit ein Sandsteinkeupergrundwassermodell – so heißt das etwas sperrig – in Auftrag gegeben, und da sind die ganzen Grundwasserströme, die Entnahmen modelltechnisch abgebildet, auch verifiziert mit gemessenen Wasserständen, jedoch noch nicht die zusätzlichen 300.000 Kubik und das gilt es jetzt noch zu verifizieren", sagt Thomas Keller.

Der Chef des Ansbacher Wasserwirtschaftsamts hat für das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen ein wasserrechtliches Gutachten erstellt und darin die Risiken bewertet, die eine höhere Entnahme durch das Mineralwasserunternehmen birgt. Doch die beruhen auf Berechnungen und Modellen und müssen in der Realität erst überprüft werden.

"Wir haben dem Landratsamt empfohlen, nicht die Entnahme wie normal üblich, 20 Jahre zu befristen, sondern in einen Probebetrieb zu gehen, fünf bis sechs Jahre, zeitlich eng umgrenzt, und in dieser Zeit über verschiedenste Messstellen die Modellansätze, die quasi im Rechner gemacht werden, zu überprüfen, ob das Modell auch stimmt. Und am Ende steht die Entscheidung: Geht die Entnahme, geht sie nicht oder geht sie modifiziert." Thomas Keller, Wasserwirtschaftsamt Ansbach

Monitoring in Probephase geplant

Nur stufenweise soll das Unternehmen in der Probephase mehr Wasser entnehmen können: Die Menge wird langsam gesteigert – von 100.000 Kubikmetern im ersten Jahr auf die gewünschten 300.000 im Jahr 2026 – unter strenger Beobachtung des Grundwasserpegels. Das Wasserwirtschaftsamt will dafür an verschiedensten Punkten Messstellen einrichten – auf Kosten von Altmühltaler Mineralbrunnen. Sollten die Messergebnisse Anlass zur Sorge geben, würde die Entnahme sofort gestoppt, sagt Keller, und das sei auch dem Unternehmen bekannt.

Altmühltaler wartet Genehmigungsverfahren ab

Altmühltaler schweigt bislang zu den Plänen und will Nachfragen erst beantworten, wenn das Genehmigungsverfahren abgeschlossen ist – in einer gemeinsamen Presseerklärung mit der Stadt Treuchtlingen. Denn das zusätzliche Wasser soll aus einem bislang ungenutzten Brunnen entnommen werden, den die Stadt Treuchtlingen an die Firma verpachtet. Deshalb hat nicht die Firma die höhere Wasserentnahme beim Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen beantragt, sondern die Treuchtlinger Stadtwerke.

Das Landratsamt wird in Kürze den beteiligten Kommunen und Wasserversorgern das Gutachten vorlegen. Ihnen bleiben dann vier Wochen Zeit, um Stellungnahmen abzugeben. Die Einwände werden angehört, erst danach entscheidet Landrat Gerhard Wägemann (CSU) über den Probebetrieb. Im Grunde ist das nur noch eine Formsache.

"Das Trinkwasser ist ein sehr sensibles Gut. Insofern sollte man damit auch sehr, sehr sorgsam umgehen. Ich bin selbst Weißenburger und weiß, dass es ein schwieriges Thema ist. Gleichwohl müssen wir uns auf einen amtlichen Sachverständigen wie das Wasserwirtschaftsamt verlassen können. Und so wie es aussieht, hat das Wasserwirtschaftsamt keine Einwendungen dagegen. Dann werden wir uns als die staatliche Kreisverwaltungsbehörde da auch nicht drüber hinwegsetzen können, es sei denn, einer der Betroffenen würde wirklich stichhaltige Argumente dagegen anführen. Ansonsten wird dann diese beschränkte Erlaubnis, das heißt, es ist ein stets widerrufbarer Probebetrieb, bis 2026 auch stattgegeben." Gerhard Wägemann (CSU), Landrat Weißenburg-Gunzenhausen

Weißenburger Bürgermeister kampfbereit

Das Weißenburger Stadtoberhaupt Jürgen Schröppel erwartet den wasserrechtlichen Bescheid voller Ungeduld. Sollten ihn die Argumente des Wasserwirtschaftsamts nicht überzeugen, ist er kampfbereit.

"Wasser ist für mich ein Gemeingut. Und damit ist ganz klar, dass eine öffentliche Wasserversorgung immer Vorrang haben muss vor gewerblicher Nutzung und Gewinninteressen. Ich hab auf meiner Facebook-Seite gepostet, dass ich alles – und ich betone – alles, dafür tun werde, eine Gefahr für unsere Trinkwasserversorgung auszuschließen, und alles bedeutet, dass dann notfalls auch der Rechtsweg beschritten werden muss." Jürgen Schröppel (SPD), Oberbürgermeister von Weißenburg

Der Treuchtlinger Bürgermeister Werner Baum sieht die Auseinandersetzung weitaus gelassener. Seine Stadt ist ans Fernwassernetz angeschlossen und im Falle eines Falles nicht unmittelbar betroffen. Dennoch ist auch ihm an einer nachhaltigen Wassernutzung gelegen. Bei alarmierenden Messergebnissen würde auch er einen Entnahmestopp befürworten.

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Ein Mineralwasser-Unternehmen aus Treuchtlingen (Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen) plant, seine Produktion zu vergrößern und will dafür mehr Grundwasser fördern. Die Menschen in Weißenburg (Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen) bangen nun um ihr Trinkwasser.