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Weltwassertag: Sind Bayerns Grundwasservorräte sicher? | BR24

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Frank Rumpenhorst

Mit Dürreperioden und Starkregen zeigt sich der Klimawandel mittlerweile überall in Bayern. Der Grundwasserstand ist vielerorts zu niedrig. Wie können wir damit umgehen?

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Weltwassertag: Sind Bayerns Grundwasservorräte sicher?

Mit Dürreperioden und Starkregen zeigt sich der Klimawandel mittlerweile überall in Bayern. Der Grundwasserstand ist vielerorts zu niedrig. Wie können wir damit umgehen?

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Von
  • Rebecca Reinhard

Seit Neuestem sieht es in einem Kiefernwäldchen bei Landsberg am Lech anders aus. Wo früher Waldboden war, liegt nun frischer Kies. Darauf Gully-ähnliche Betonklötze. Es sind Probebohrungen für einen neuen Trinkwasserbrunnen, der hier bald entstehen soll.

70 Liter pro Sekunde frisches Grundwasser können hier ab nächstem Jahr aus 30 Metern Tiefe gepumpt werden. Für die Stadtwerke ist es ein Rettungsanker vor der Katastrophe, die 2018 schon nahe schien: dass der Stadt am Lech das Trinkwasser ausgehen könnte.

2018 ein "Horrorjahr"

Für Martin Michl, zuständig für die Wasserversorgung bei den Stadtwerken, war es ein Horrorjahr, viel zu trocken. Die Grundwasserpegel waren in jenem Sommer so niedrig wie nie zuvor. "Ich konnte nur sagen, was machen wir jetzt?" Man könne Entnahmemengen nicht endlos nach oben steigern. Dabei waren Szenarien wie dieses im Landsberger Raum bis dato "gar nicht vorhanden", so Michl. Wasser war praktisch immer vorhanden - durch die Lage am Lech und die Nähe der Alpen.

Klimareport: Die meisten Grundwasserpegel in Bayern sind zu niedrig

An diesem Tag misst Wassermeister Rainer Förstl den Grundwasserstand an den Probebohrungen. Gut 25 Meter, das sei ordentlich. Dennoch: Der Pegel liegt noch heute einen halben Meter unter dem Normalwert.

Damit reiht sich Landsberg ein in einen größeren Trend: 75 Prozent der tieferen Grundwasserpegel in Bayern sind zu niedrig. Das ist eines der Ergebnisse des neuen, bayerischen Klimareports. Der zeigt auch: Im letzten Jahr waren elf von zwölf Monate zu trocken. Den historischen Tiefstand des Grundwassers von 2018 wieder auszugleichen, ist damit unmöglich.

Zwar sei die Landsberger Trinkwasserversorgung mit dem neuen Brunnen für rund 50 Jahre gesichert, so Martin Michl. Doch "der Temperaturanstieg, der Klimawandel ist da.“ Das belegt auch der Klimareport. Hier geht man von bis zu 30 Prozent weniger Grundwasserneubildung bis 2050 aus. Schuld seien nicht nur Niederschlag, sondern auch die hohen Temperaturen. Die letzten Jahre waren die heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Erderwärmung trägt Mitschuld am Niedrigwasser in Bayern

Die Prognose bis 2100: ein Temperaturanstieg von bis zu 4,8 Grad Celsius. Und mit hohen Temperaturen steigt die Verdunstung. Die Folge: Weniger Wasser erreicht die Grundwasserreservoirs im Boden.

Gleichzeitig aber verbrauchen die Bayern im Jahr beinahe 900 Millionen Kubikmeter Wasser. Das ist in etwa das Fassungsvermögen des Tegernsees – mal drei.

Ein fataler Widerspruch, meint die Nutzwasserforscherin Daphne Keilmann-Gondhalekar. An der TU München forscht sie am Lehrstuhl Siedlungswasserwirtschaft und sagt: "Wir müssen wissen, dass der Klimawandel zum Teil dadurch getrieben wird, dass wir immer mehr Wasser und Energie verbrauchen, als der Planet eigentlich leisten kann.“

Weltweiter Überkonsum an Wasser und Energie fördert Klimawandel

Denn die Ressourcen sind endlich – und die steigende Weltbevölkerung belaste den Planeten immer mehr, vor allem in Städten. Um für den Klimawandel gewappnet zu sein, müssten sich Städte bis 2030 anpassen und nachhaltiger werden, so Keilmann-Gondhalekar.

Beispiel Toilettenspülung: 35 von 130 Litern des täglichen Wasserverbrauchs nutzen wir allein dafür. Dass dafür Wasser in Trinkwasserqualität verwendet werde, sei unnötig, meint die Forscherin: "Wir könnten Regenwasser verwenden, um Toiletten zu spülen. Das wäre eine Ressource, die einfach auf München drauf fällt und die nicht genutzt wird.“ Ein Viertel des Frischwasserbedarfes könne so eingespart werden.

Hat jedes Stadtviertel bald eine eigene Kläranlage?

Wie etwa Regen- oder Abwasser im großen Stil nutzbar gemacht werden könnte, das will sie im Forschungsprojekt "Nexus City“ zeigen. Ein noch theoretisches Modell, das unter anderem am Beispiel dem Münchner Stadtviertel Maxvorstadt zeigen soll, wie Städte in Zukunft aussehen könnten.

Statt etwa die zentrale Münchner Kanalisation weiter zu nutzen, die aufgrund ihrer Länge von 2.000 Kilometern auf große Wassermassen angewiesen ist, um es überhaupt zum Klärwerk zu spülen, könnte man in der Nachbarschaft dezentrale Kläranlagen zur Wasserwiederverwendung einsetzen. Das spare Wasser und Energie dank kurzer Wege. Dieses Wasser sodann könnte zum Toilettenspülen oder zur Bewässerung genutzt werden. Mehr noch: mit den im Abwasser enthaltenen Bakterien könne sogar Energie in Form von Biogas erzeugt werden. Möglichkeiten gebe es viele, doch es hapert an der Umsetzung.

Zwar stehen am Forschungsstandort in Garching schon Versuchsanlagen, die etwa Rückstände von Medikamenten aus dem Isarwasser ziehen können.

Doch letztlich brauche es ein radikales Umdenken in Politik und Gesellschaft. Und zwar schnell, meint Daphne Keilmann-Gondhalekar: Denn der Klimawandel wartet nicht.

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