Am 30. Juli ist Weltpostkartentag – pünktlich zum bayerischen Ferienstart. Aber wer schreibt denn überhaupt noch aus dem Urlaub?

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Weltpostkartentag: Wer schreibt heute überhaupt noch?

Weltpostkartentag: Wer schreibt heute überhaupt noch?

Am 30. Juli ist Weltpostkartentag – pünktlich zum bayerischen Ferienstart. Aber wer schreibt überhaupt noch aus dem Urlaub? Immer mehr Menschen greifen auf Messenger-Kanäle zurück. Zugleich entwickeln sich aber auch neue Formate.

Schnell ein Foto in die Familiengruppe gestellt oder einfach einen Videoanruf getätigt – schon sind Freunde und Bekannte zuhause wieder auf dem neuesten Stand. Per Messenger oder Social Media ist es einfach, auch über große Distanzen in Kontakt zu bleiben und Grüße auszutauschen. Was dabei zunehmend in den Hintergrund rückt, ist die handgeschriebene Postkarte.

Weniger Postkarten durch Digitalisierung

Im Briefzentrum der Deutschen Post in Würzburg werden rund 40.000 Sendungen pro Stunde sortiert. Postkarten machten dabei laut Robert Baunach, Abteilungsleiter Stationäre Bearbeitung Brief, einen Anteil von zwei Prozent aus. Sowohl Postkarten als auch Briefsendungen seien leicht rückläufig. Den Grund sieht Baunach in der Digitalisierung.

Tatsächlich gab es den größten Einbruch bei Postsendungen bereits um die Jahrtausendwende. Laut dem Museum für Kommunikation in Berlin wurden im Jahr 1982 noch 877 Millionen Postkarten durch die Deutsche Bundespost befördert – im Jahr 2009 waren es nur mehr rund 178 Millionen Karten durch die Deutsche Post.

100 Postkarten auf einmal

Der Weltpostkartentag wurde 2012 in Deutschland ins Leben gerufen, mit dem Zweck eben dieser Entwicklung entgegenzuwirken. "Postkarten haben noch immer ihre Berechtigung", betont Daniela Heesen, Verkäuferin der Kunsthandlung Volk in Würzburg. Eine bunte Karte sei einfach individueller und vor allem greifbarer als eine digitale Nachricht – auch nach Jahren könne sie wieder in die Hände fallen.

Postkarten sind seit 150 Jahren das Hauptgeschäft der Kunsthandlung – und das lohne sich tatsächlich noch immer, so Heesen. Denn auch wenn viele Menschen keine Postkarten mehr verschickten, so werden sie dennoch gekauft. Der Umsatz mit Karten sei in etwa gleichbleibend, berichtet die Verkäuferin – und er lohne sich. Teilweise gebe es Kunden, die beispielsweise an Weihnachten 100 Karten auf einmal kauften – um die Grüße dann Stück für Stück zu versenden.

Auch Postkarten fallen unter das Postgeheimnis

Obgleich der Inhalt von Postkarten für jedermann sichtbar ist, ist es Zustellern übrigens dennoch nicht erlaubt, Informationen aus dem Text weiterzugeben, denn: Auch Postkarten fallen unter das Postgeheimnis, erklärt Post-Abteilungsleiter Baunach. Zudem hätten Zusteller ohnehin keine Zeit sich den Inhalt von Postkarten durchzulesen: "Das Lesen von Postkarten werden sie eher auf die Anschrift beschränken." Trotzdem springe aber Urlaubsfreude über, hält man eine der bunten Karten erstmal mal in der Hand.

Kreativen Postkarten führen zu Problemen in Verteilzentrum

Runde Postkarten oder Karten in spezieller Form, wie es sie zum Beispiel als Tannenbaum oder Muschel gibt, könnten nicht maschinell, sondern nur per Hand sortiert werden. "Standardformat verwenden, dann sind wir glücklich", schmunzelt Baunach.

Kompromiss: Digital versandte Postkarten

Für alle schreibfaulen Urlauber oder Menschen, die Freunden und Bekannten lieber individuelle Fotos zukommen lassen, gibt es mittlerweile übrigens auch Kompromissformate. So ist es möglich, digital eine Postkarte mit einem eigenen Urlaubsfoto zu erstellen. Diese wird dann erst von der Deutschen Post gedruckt – und landet im klassisch analogen Format im Briefkasten des Empfängers. Es gebe also durchaus auch in Zeiten der Digitalisierung einen Platz für die Postkarte, sagt Baunach. Und Freunde und Bekannte hätten dann trotzdem eine greifbare Erinnerung.

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