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Weltblutspendetag: Kritik an Richtlinie für Blutspender | BR24

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In Bayern werden täglich etwa 2.000 Blutkonserven gebraucht. FDP und Grüne kritisieren die geltende Regelung, wonach nicht jeder als Spender infrage kommt.

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Weltblutspendetag: Kritik an Richtlinie für Blutspender

Jeden Tag werden in Bayern etwa 2.000 Blutspenden benötigt. Blut, das gerade in der Urlaubszeit rar ist. Viele Spenderliegen bleiben leer, teilt das Bayerische Rote Kreuz mit. Trotzdem sind bestimmte potentielle Spender immer noch ausgeschlossen.

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Anlässlich des heutigen Weltblutspendetags erinnert der Rother FDP-Ortsvorsitzende Daniel Zimmermann an die Ungleichbehandlung, wenn es um das Spenden von Blut geht. Laut der sogenannten Hämotherapie-Richtlinie dürfen Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex haben, erst nach zwölf Monaten der Enthaltsamkeit Blut spenden.

Kritik an geltender Richtlinie für Blutspender

Das empfindet der 37-Jährige, der selbst homosexuell ist und in einer festen Beziehung lebt, als diskriminierend:

"Wir werden grundsätzlich unter einen Generalverdacht gestellt, dass homosexuelle, bi- und transsexuelle Männer HIV und Hepatitis über Bluttransfusionen verbreiten würden." Daniel Zimmermann, FDP-Ortsvorsitzender Roth

Dass homosexuelle Paare ein Jahr lang ohne Geschlechtsverkehr miteinander leben, nur um Blut spenden zu können, sei völlig an der Realität vorbei, so Daniel Zimmermann. Er fordert mittels einer Online-Petition eine Änderung der Richtlinie.

Gleiche Regeln für alle

Auch die Grünen kritisieren die geltende Regelung. Nachdem ein Antrag auf Änderung der Richtlinie im bayerischen Landtag 2017 gescheitert war, hoffen sie nun auf ein Umdenken. "Zum einen wird hier – nach wie vor – eine ganze Gruppe von Menschen pauschal diskriminiert und ausgeschlossen. Nicht zum Blutspenden zugelassen werden, nur, weil man sich zu Männern statt Frauen hingezogen fühlt oder im falschen Körper geboren wurde und als Trans-Mensch sein Äußeres entsprechend anpasst, ist unglaublich verletzend," kritisiert Kerstin Celina, sozialpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen.

"Zum anderen wird damit pauschal auf das Blut einer ganzen Gruppe von gesunden jungen Männern verzichtet, die, wenn sie monogam leben oder nicht mehr Sexualkontakte als heterosexuelle Menschen haben, auch kein höheres individuelles Risiko haben." Celina fordert individuelle Screenings, um die Übertragung von Infektionen auszuschließen:

"Damit beenden wir die Stigmatisierung und haben eine weitere Gruppe von Menschen zum Blutspenden zur Verfügung. Die Technik dafür ist da." Kerstin Celina, sozialpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen

Ärztekammer verteidigt umstrittene Hämotherapie-Richtlinie

Bei der Bayerischen Landesärztekammer stößt diese Haltung auf Unverständnis. Bei einer Bluttransfusion ginge es in erster Linie um die Sicherheit des Empfängers, so deren Präsident Dr. Gerald Quitterer: "Man kann durch Blutuntersuchungen und Laboruntersuchungen eine frische Infektion nur in einem bestimmten zeitlichen Fenster erkennen. Das heißt: Man kann nur sicher sein, für denjenigen, der eine Bluttransfusion erhält – wenn der Zeitkorridor auch so lang ist – dass man keine Infektion übersieht. Und nach dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse ist das eben bei so schweren Infektionskrankheiten zwölf Monate.“

Laut der Bundesärztekammer hat die Richtlinie Hämotherapie zum Ziel, das Ansteckungs- und Erkrankungsrisiko für die Empfänger einer Blutspende möglichst auf null zu reduzieren. Die Richtlinie schließt deshalb bestimmte Personengruppen ganz oder zeitweise vom Blutspenden aus.

💡 Karl Landsteiner: Der Entdecker der Blutgruppen

Der Weltblutspendetag wird seit 2004 begangen und soll auf die Wichtigkeit von Blutspenden hinweisen. Er fällt auf den Geburtstag des österreichischen Mediziners Karl Landsteiner. Der Wiener Serologe entdeckte die Blutgruppen und revolutionierte dadurch die Medizin. Seine Forschung machte erstmals sichere Bluttransfusionen möglich.

© Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes / Guido Rehme

Mann bei einer Blutspende