BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© pa/dpa/Hauke-Christian Dittrich
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Hauke-Christian Dittrich

Weltblutspendetag: In zehn Minuten zwei Menschenleben retten

6
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Weltblutspendetag: In zehn Minuten Menschenleben retten

Blutkonserven sind nicht nur lebenswichtig, sie sind auch nur begrenzt haltbar. Darauf weist der Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes zum heutigen Weltblutspendertag eindringlich hin. Denn die Spendebereitschaft lässt derzeit wieder nach.

6
Per Mail sharen
Von
  • Frank Breitenstein

Die Zeit der Pandemie sei im vergangenen Jahr für den Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) eine regelrechte Achterbahnfahrt gewesen, sagt Pressereferent Patric Nohe. Der Lockdown habe Spenderinnen und Spender anfangs verunsichert. Die Kontaktbeschränkungen brachten zunächst einen regelrechten Einbruch. Ausnahmeregelungen und wachsende Routine hätten das zum Glück schnell wieder ausgeglichen, so der BRK-Sprecher.

Lockerungen und Urlaubszeit machen Blutspendedienst Sorgen

Aktuell schaut der Blutspendedienst eher mit Sorge auf die zunehmenden Lockerungen. Die hätten bereits im Vorjahr dazu geführt, dass das Blutspenden auf der Prioritätenliste der Menschen weiter nach unten gerutscht sei. Zusammen mit der bevorstehenden Urlaubszeit könne das zu erheblichen Nachschubproblemen führen. Natürlich gönne man allen die wiedergewonnenen Freiheiten von Herzen. Gleichwohl dürfe der Blutnachschub nicht abreißen, erinnert Patric Nohe.

Das BRK sorgt rund um die Uhr für frische Blutkonserven

In der sogenannten Blutbank im unterfränkischen Wiesentheid, die offiziell Produktions- und Logistikzentrum heißt, stehen Menschen in weißen Kitteln an Hightechapparaten. Kunststoffbeutel voller Blut durchlaufen per Karussell oder Seilbahn verschiedene Stationen. 60 medizinische Fachangestellte bereiteten in Wiesentheid täglich ab 4.00 Uhr früh diesen besonderen Lebenssaft auf, der am Tag zuvor im Freistaat gespendet wurde, erklärt Sebastian Fechner, stellvertretender Herstellungsleiter des Zentrums.

Fast alles, was reinkommt, geht am nächsten Tag wieder raus

Momentan kommen jede Nacht zwischen 1.400 und 2.000 Blutabnahmen aus ganz Bayern in die Blutbank. Die gleiche Anzahl an Konserven verlässt - nach eingehender Untersuchung und Aufbereitung - tags drauf wieder das Haus in Richtung bayerische Kliniken. Weniger sollte es auf keinen Fall werden, sagt Fechner. Zwar könne der bayerische Tagesbedarf damit gerade noch gedeckt werden. Allerdings würden nun an den Kliniken viele Operationen nachgeholt, die zuvor mit Rücksicht auf die Belegung der Intensivbetten verschoben worden waren. Dazu seien Blutvorräte unabdingbar.

Der Kühlraum ist momentan so gut wie leer

Reserven gibt es derzeit praktisch nicht in Wiesentheid. Gerade mal 150 Blutkonserven verlieren sich aktuell im Kühlraum. Normalerweise lagern hier vier- bis fünftausend Beutel, sagt der Mann von der Blutbank. Die Versorgungssicherheit bleibt also spannend!

An den Leuten, die an diesem Tag zum Blutspenden nach Salz im Landkreis Rhön-Grabfeld gekommen sind, liegt es jedenfalls nicht. Es ist der einzige Termin heute in Unterfranken und einer von insgesamt rund 5.500 pro Jahr im gesamten Freistaat. 670 Hauptamtliche vom BRK organisieren das alles. Dabei unterstützen sie rund 12.500 ehrenamtliche BRKler sowie 240 freiberufliche Untersuchungsärzte. Ein ziemlich hoher Aufwand, der aber unabdingbar ist, um an das edle Lebenselixier zu gelangen, das so dringend gebraucht wird.

Allein im Gemeindezentrum von Salz sind gut zwei Dutzend Menschen angerückt. Im Viertelstundentakt kommen die Spenderinnen und Spender und machen es sich auf einer der 12 Liegen bequem. Zur Zeit natürlich mit Maske und Mindestabstand zum Nachbarplatz. Viele von Ihnen sind Stammspender. So auch Roland Burger. Er hat mit 18 angefangen. Schon über 180 Mal hat er den Arm hingehalten, auch während der Pandemie. Für ihn ist das selbstverständlich, sagt er. Schließlich tue man ja was für die Allgemeinheit. Und für ihn selbst sei es jedes Mal ein kleiner Gesundheitscheck.

Das Coronavirus spielt für Blutspendende keine Rolle

Bedenken, dass sich die Pandemie durch Blutspenden weiterverbreitet, hat in Salz übrigens niemand. Das sei auch völlig unbegründet, erklärt Untersuchungsarzt Dr. Roland Aulbach. Das Virus übertrage sich nicht mit dem Blut. Wie nach jeder Infektionskrankheit, gelte aber auch für Menschen, die Corona positiv getestet wurden, eine Carenzzeit von 4 Wochen nach der Erkrankung.

Die Impfung gegen das Virus habe überhaupt keinen Einfluss auf das Blutspenden. Es handele sich ja in allen Fällen um sogenannte Totimpfstoffe. Eine Vermehrung des Erregers im Blut sei damit ausgeschlossen. Schon am Tag nach der Impfung dürfe man bedenkenlos Blut spenden, sagt der Arzt.

Die nächste Spendenflaute steht vor der Tür

Und doch blieb die Pandemie für die Blutversorgung nicht ohne Folgen. Es mag seltsam klingen: Doch die Spendebereitschaft war während des Lockdowns höher als jetzt, bringt Andrea Ebert, Gebietsreferentin vom Blutspendedienst des BRK in Unterfranken, es auf den Punkt.

Besonders besorgt schaut sie deshalb auf die bevorstehende Urlaubszeit. Da gehe dann die momentane Spendenflaute in die nächste über. Gerade im Sommer habe man ja regelmäßig zu kämpfen.

Spenden mit Termin hat sich bewährt

Als gutes Instrument, um rechtzeitig zu reagieren zu können und notfalls Alarm zu schlagen, habe sich die Online-Terminvergabe erwiesen. Das mache das Blutspendeaufkommen berechenbarer, sagt Andrea Ebert. Und weil das bei der "Kundschaft" so gut ankommt, wird der Blutspendedienst diesen Service auch nach der Pandemie unbedingt beibehalten.

Für Spenderinnen und Spender wird der Aderlass damit nochmal bequemer: keine langen Wartezeiten für das gute Werk. Hat man den bürokratischen Teil erledigt und der Untersuchungsarzt äußert keine Bedenken, liegt man ruckzuck an der Nadel. Meist dauert es dann nur zehn Minuten, bis die obligatorischen 500 Milliliter in den Kunststoffbeutel gelangt sind. Die werden noch in derselben Nacht in Wiesentheid aufbereitet und helfen theoretisch schon am nächsten Tag dabei, bis zu zwei Menschenleben zu retten!

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!