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Am Weltbienentag der Vereinten Nationen weist der Imkerbund darauf hin, dass wegen Klimawandel, Flächenversiegelung und Pestiziden in der Landwirtschaft 300 Wildbienenarten als gefährdet gelten. Aktuell sind viele Bienenstöcke in Bayern noch leer.

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Weltbienentag: Ein schlechter Frühling für die Bienen in Bayern

Viele Bienen haben es dieses Jahr nicht über den langen Winter geschafft. Das trifft insbesondere die Wildbienen in einer schlechten Zeit, denn Nahrungsmangel und Pestizide bedrohen die Bienen schon lange. Doch es gibt auch einen Lichtblick.

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Von
  • Joanna Thurow

Die Imkerin Angela Sollinger steht in ihrem kleinen Bienenhaus in Kirchsteig bei Großkarolinenfeld, in dem mehrere Bienenvölker nebeneinander wohnen. Sie öffnet einen der Bienenkästen und zieht daraus eine Wabe. Einige Bienen tummeln sich darauf, doch besonders viele sind es nicht. Angela Sollinger ist besorgt: "Normalerweise sind die ganzen Waben voller Honig, aber sehen Sie … alles leer. Das Wetter macht uns heuer richtig Schwierigkeiten."

Honigbienen verlassen ihren Stock nur bei mehr als zehn Grad – stark regnen darf es auch nicht. Da es in den letzten Wochen kalt war und oft geregnet hat, konnten die Bienen selten auf Nahrungssuche gehen.

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Die Waben sind dieses Jahr viel leichter als sonst.

Waben sind viel leichter als sonst

Das spürt die Imkerin. Normalerweise wiegt eine Wabe im Mai 2,5 Kilogramm. Dieses Jahr sind es gerade einmal 500 Gramm. Angela Sollingers Bienen sind nicht die Einzigen, die so wenig Nahrung sammeln konnten. Die Grafik zeigt deutlich, wie leicht die Bienenstöcke im Vergleich zu den Vorjahren sind:

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Die Grafik zeigt, wie leicht die Bienenstöcke im Vergleich zu den Vorjahren sind.

Sieben Bienenvölker hat Angela Sollinger dieses Jahr verloren. Dass es einige Bienenvölker nicht über den Winter schaffen, ist ganz normal. Doch so extrem wie dieses Jahr sei es sonst nicht. 20 Prozent der Bienenvölker sind Angela Sollinger dieses Jahr eingegangen, in den Vorjahren waren es etwa zehn Prozent.

Wildbienen sind dem Wetter noch mehr ausgesetzt

Den Honigbienen geht es im Vergleich zu den Wildbienen aber noch recht gut. Über 550 Wildbienenarten gibt es in Deutschland, mehr als die Hälfte von ihnen ist gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Sie trifft dieser kalte Frühling besonders hart, denn sie sind in der freien Wildbahn auf sich gestellt. Der Biologe Dr. Stefan Schmidt beobachtet einen starken Rückgang der Wildbienen in diesem Frühling. Er arbeitet an der Zoologischen Staatssammlung München und ist auf Hautflügler, also unter anderem Wildbienen, spezialisiert.

Mithilfe einer Insektenfalle kann er die Population von Insekten, also auch Wildbienen, mit den Vorjahren vergleichen: "Daran können wir gerade in diesem Jahr sehen, dass wir bisher nur etwa ein Drittel von dem gefangen haben, was wir im letzten Jahr gefangen haben. Insgesamt ist es durch das kalte Frühjahr, durch die langen Kälteperioden, zu einer Verzögerung gekommen. Das trifft die Wildbienen und alle anderen Insekten."

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Dr. Stefan Schmidt gibt Entwarnung - das Wetter schadet den Bienen nicht langfristig.

Wetterschwankungen nicht das eigentliche Problem

Dr. Stefan Schmidt gibt aber, zumindest was das Wetter betrifft, Entwarnung. Denn sobald es wärmer wird, können sich die Bienen schnell wieder erholen. Solche Wetterschwankungen sind die Bienen gewohnt, sie haben sich im Laufe der Evolution angepasst.

An andere Entwicklungen können sich die Wildbienen hingegen nicht anpassen. "Andere Faktoren, die über längere Zeit einwirken, wie zum Beispiel Pestizidbelastung oder der Rückgang natürlicher Biotope, sind auf die Schnelle nicht reversibel. Das führt längerfristig zu stärkeren Einbußen als einzelne Jahre, die klimatisch von der Norm abweichen" erklärt Dr. Stefan Schmidt.

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Bei Familie Sollinger darf das Gras auch mal etwas länger wachsen.

Wildbienen mit Insektenhotels unterstützen

Angela Sollinger weiß, dass es nicht nur ihren Honigbienen dieses Jahr schlecht geht. In ihrem Garten versucht sie deswegen, ein gutes Biotop für alle Insekten zu schaffen. Das heißt: Bei ihr darf das Gras auch mal etwas länger wachsen und "Unkraut" bleibt stehen.

Auch ein Insektenhotel für Wildbienen und andere Insekten hat sie in ihrem Garten aufgestellt. Sie hofft, dass es bald wieder wärmer wird. Dann ist ihr Insektenhotel wieder gut besucht und ihre Bienen trauen sich wieder aus ihrem Bienenstock.

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Der Sommer will dieses Jahr nicht so richtig kommen – der April war schon sehr kalt und auch der Mai ist eher kühl und ungemütlich. Für Imkerinnen und Imker und ihre Bienen aber, ist es ein echtes Problem.

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