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Welt-Frühgeborenen-Tag: Besonderer Start ins Leben | BR24

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Frühchen wird auf der Station behandelt

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    Welt-Frühgeborenen-Tag: Besonderer Start ins Leben

    Nur etwa vier Prozent der Babies erblicken das Licht der Welt zum errechneten Geburtstermin zum Ende der 40. Schwangerschaftswoche. Frühgeborene brauchen dabei besondere Betreuung: Am Klinikum Fürth werden jedes Jahr rund 200 Frühchen aufgepeppelt.

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    Von
    • Marc Neupert

    Nur etwa vier Prozent der Kinder erblicken das Licht der Welt zum errechneten Geburtstermin zum Ende der 40. Schwangerschaftswoche, die meisten Babys werden innerhalb eines Zeitraums von drei Wochen davor bis zwei Wochen danach geboren.

    Wird ein Kind vor der Schwangerschaftswoche 37 entbunden, spricht man von einem Frühgeborenen. Zum "Weltfrühgeborenentag" am 17. November sind Familien auf der ganzen Welt in Gedanken, in Aktionen und mit Veranstaltungen miteinander verbunden. Normalerweise gibt es auch in Franken große Veranstaltungen an diesem Tag, corona-bedingt ist das diesmal nicht möglich. In Kinderkliniken wie der am Klinikum in Fürth kämpfen die Ärzte trotzdem jeden Tag darum, zu früh zur Welt gekommene Babys zu retten und ihnen einen möglichst guten Start ins Leben zu ermöglichen. Das Team peppelt Jahr für Jahr rund 200 Frühchen auf.

    Zwei Frühchen: Mia und Amelie

    Essenszeit auf der Frühchenstation im Klinikum Fürth. Für Mia und ihre Zwillingsschwester Amelie gibt’s Muttermilch über eine Magensonde. Per Spritze wird den Babys die Milch vorsichtig in den Schlauch geflößt, der bis in ihren Magen reicht, eng aneinander gekuschelt liegen die beiden Schwestern in einem Brutkasten. Um sie herum jede Menge Kabel und Schläuche. Selber trinken und gar gestillt werden können die beiden Mädchen, die elf Wochen zu früh zur Welt kamen, noch nicht. Zwei Wochen sind sie nun alt. Mia und Amelie mussten Anfang November per Notkaiserschnitt geholt werden. Die Ärzte hatten festgestellt, dass die Herztöne der Mädchen plötzlich immer schwächer wurden. Für die 30-jährige Tanja, die Mutter der Zwillinge, waren das schwere Stunden.

    "Als es dann an dem Donnerstag früh hieß, bei der einen Kleinen stimmt etwas nicht, wir müssen sie holen, das war Angst und ein Gefühlschaos pur. Ich war froh, dass mein Mann mit dabei war, dass ich nicht alleine war und Gottseidank waren wir hier und es hat alles gut geklappt und das Team hat Gottseidank sehr, sehr schnell reagiert." Tanja K. Mutter von Amelie und Mia

    Überlebenschancen für Frühchen sind sehr gut

    Nach ihrer frühen Geburt wiegen die beiden Mädchen nur etwas mehr als ein Kilogramm. Sie müssen sofort in den Inkubator: Ihre Lungen sind zwar schon gut entwickelt, trotzdem brauchen die Frühchen Unterstützung beim Atmen - bis heute. Jens Klinge ist der Chefarzt der Kinderklinik in Fürth. Er untersucht die Zwillingsschwestern regelmäßig, hört bei der Visite vorsichtig mit dem Stethoskop Herz und Lunge der Mädchen ab. Der Mediziner freut sich, dass seine beiden kleinen Patientinnen jeden Tag kräftiger werden. Noch in den 1980er Jahren hätten solche Frühchen eine sehr geringe Überlebenschance gehabt, sagt Chefarzt Jens Klinge.

    "Das Entscheidende eigentlich bei den Frühgeborenen oder bei der Unterstützung der Frühgeborenen ist die Lunge ganz am Anfang. Weil, in dem Alter oder noch früher, da hat man vor 25 Jahren ungefähr den so genannten 'Surfactant' entdeckt oder eingeführt. Das ist ein Lungenstoff, der praktisch die Lungenreifung unterstützt und damit die Beatmung erleichtert. Und seitdem haben die Frühgeborenen eine deutlich höhere Überlebenschance." Prof. Jens Klinge, Chefarzt Kinderklinik, Klinikum Fürth

    Mittlerweile ist die Medizin im Bereich der Frühchen-Versorgung so weit fortgeschritten, dass auch Babys eine reelle Überlebenschance haben, die schon in der 23. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen. Auch wenn Mia und Amelie sich nach Ansicht der Ärzte prächtig entwickeln, durchlebt ihre Mutter Tanja immer wieder ein Wechselbad der Gefühle

    "Es ist tatsächlich tagesabhängig. Dazwischen ist es trotzdem mal so, dass sie schwächere Phasen haben, dass sie schwächere Tage haben. Wo man sich einfach wahnsinnige Sorgen macht, ob sie es schaffen und wie es weitergeht. Das sind natürlich schon immer Ängste, die einen begleiten, auch wenn man sie dann hier zurücklassen muss. Das ist natürlich schon schwer." Tanja K, Mutter von Amelie und Mia

    Vielleicht wird es ein gemeinsames Weihnachtsfest

    Wenn sie ihre Temperatur selbst halten können und stark genug sind, um selbstständig zu trinken, dürfen Amelie und Mia den Inkubator verlassen und in ein Wärmebettchen auf der Frühchenstation der Kinderklinik umziehen. In wenigen Wochen könnten sie soweit sein. Ihre Mutter Tanja hofft, dass ihre Mädels sogar noch in diesem Jahr nach Hause dürfen.

    "Ja, wir hoffen, dass wir sie Weihnachten zuhause haben. Das wäre der größte Wunsch. Wenn sie so weitermachen und gut zunehmen, könnten wir es schaffen, dass wir sie vielleicht ein paar Tage vor Weihnachten mit nach Hause nehmen dürfen." Tanja K, Mutter von Amelie und Mia

    Ärzte und Pflegerinnen sind zuversichtlich, dass Amelie und Mia dieses Ziel erreichen.

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