Mit Bewegung gegen Alzheimer

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Welt-Alzheimertag: Mit Bewegung gegen den Gedächtnisverlust

Welt-Alzheimertag: Mit Bewegung gegen den Gedächtnisverlust

Die Anzahl der Menschen mit Demenz nimmt zu. In Bayern gibt es etwa 240.000 Betroffene. Der Würzburger Seniorenhilfe-Verein Halma möchte der Krankheit mit Bewegung vorbeugen – denn davon profitiert nicht nur das Gedächtnis.

"Ganz weit die Arme strecken, die Birnen hängen weit oben am Baum", sagt die Übungsleiterin des Sportkurses am Würzburger Heuchelhof. Dies ist kein gewöhnlicher Sportkurs, er richtet sich speziell an über 60-Jährige, um sie wieder zu mehr Bewegung zu motivieren. An dem Tag steht alles unter dem Motto Herbst. Die 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stehen im Kreis und strecken die Arme in die Luft, um Obst von imaginären Bäumen zu pflücken. Die Bewegungen sollen spielerisch sein.

Neue Erfahrungen durch den Kurs

Eine der Teilnehmerinnen ist die pensionierte Bibliothekarin Mika Palm. Die 83-Jährige hatte in der Zeitung von dem Kurs gelesen und war sofort motiviert, weil sie neugierig ist und gerne neue Erfahrungen macht, wie sie sagt: "Im Alter wird ja die Sichtweise immer ein bisschen eingeengter. Und wenn man das selber spürt, das macht etwas mit einem und man wehrt sich ein bisschen." Der Kurs bringe ihr neue Inspiration.

Bewegungskonzept für mehr soziale Kontakte

GESTALT heißt das Bewegungskonzept des Kurses, es ist von der Universität Erlangen entwickelt worden. Seit zehn Jahren ist es im Einsatz. Das Akronym "GESTALT" steht für "GEhen, Spielen, Tanzen – Als Lebenslange Tätigkeiten". Das Konzept richtet sich an über 60 Jahre alte Menschen, die wenig aktiv sind und wenig soziale Kontakte haben. Es beinhaltet tänzerische und spielerische Übungen, die den ganzen Körper ansprechen und für Alltagssituationen fit halten sollen. In Exkursionen sollen die Teilnehmenden ihre neu gewonnene Bewegungsfreiheit fortführen.

Immer mehr Menschen mit Demenz

Demenz bezeichnet die Symptomatik, dass sich geistige Fähigkeiten verschlechtern, beginnend mit dem Kurzzeitgedächtnis. Schwankende Stimmungslagen können hinzukommen, jede Krankheitsform verläuft aber individuell. Laut dem Landesverband Bayern der Deutschen Alzheimer Gesellschaft sind knapp 240.000 Menschen in Bayern von Demenz betroffen, etwa 70 Prozent von ihnen sind Frauen. Bis 2030 wird ein Anstieg auf 300.000 Erkrankte erwartet. Studien zeigen: noch immer leben mehr als die Hälfte der von Demenz Betroffenen ohne gesicherte Diagnose.

Bewegung hilft gegen Demenz

Etwa zwei Drittel aller von Demenz-Betroffenen sind an Alzheimer erkrankt. Das Absterben von Nervenzellen führt hier zu Gedächtnisstörungen, zu Beeinträchtigung der Sprache und Orientierung. Dies kann aber durch Bewegung verhindert oder verzögert werden, sagt Dr. Michael Schwab, Chefarzt des Geriatriezentrums am Würzburger Bürgerspital: "Bewegung verändert das Gehirn, denn das Hirn wächst durch Bewegung. Bei bestimmten Bewegungen ist es auch so, dass die Hirnfunktionen sehr gut unterstützt werden und das ist Voraussetzung für ein gesundes Gehirn." Außerdem sei dies Voraussetzung für die Vermeidung von Demenz.

Dr. Michael Schwab vom Geriatriezentrum am Würzburger Bürgerspital

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Neuer Kurs ab Oktober

Insgesamt führe mehr und regelmäßige Bewegung wieder zu mehr Lebensfreude. Schwab sagt: "Insgesamt ist für das Gehirn alles gut, was ihm Freude macht und es fordert." Das bestätigt auch Palm: "Die Bewegung tut gut, lockert und macht mir Freude." Für Bewegung ist es laut Michael Schwab nie zu spät – auch nach Ausbruch einer Alzheimererkrankung könne sie diese verlangsamen. Der nächste GESTALT-Kurs beginnt am sechsten Oktober im Bürgerspital, Interessierte können sich beim Verein Halma anmelden.

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