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Welt-Aids-Tag: 35 Jahre Münchner Aids-Hilfe | BR24

© BR/Tobias Brunner

Mit dem heutigen Welt-Aids-Tag geht die HIV-Testwoche zu Ende. Wer an dem Virus erkrankt, kann auf gute medizinische Versorgung bauen und auf die Aids-Hilfe. Der erste Verein wurde vor 35 Jahren in München gegründet – und hatte einen schweren Stand.

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Welt-Aids-Tag: 35 Jahre Münchner Aids-Hilfe

Mit dem heutigen Welt-Aids-Tag geht die HIV-Testwoche zu Ende. Wer an dem Virus erkrankt, kann auf gute medizinische Versorgung bauen und auf die Aids-Hilfe. Der erste Verein wurde vor 35 Jahren in München gegründet – und hatte einen schweren Stand.

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Einer der Gründer der Münchner Aids-Hilfe ist Eberhard Friedemann. 1984 beschloss er mit sechs anderen Männern, sich für HIV-Positive einzusetzen.

"Wir haben gesagt, wir müssen selbst etwas tun, bevor der Staat etwas mit uns macht." Eberhard Friedemann, Mitgründer der Münchner Aids-Hilfe

Denn die Unsicherheit in Politik und Gesellschaft war groß, als auch in Bayern die ersten Menschen an Aids erkrankten. Und die bayerische Staatsregierung griff hart durch, vor allem Homosexuelle wie Friedemann traf es. Besonders ein Name fällt immer wieder, wenn es um diese Zeit geht: Peter Gauweiler.

Bayerischer Maßnahmenkatalog gegen Aids

Gauweiler war zunächst Leiter des Münchner Kreisverwaltungsreferats, später Staatssekretär im Bayerischen Innenministerium. Und er war eine treibende Kraft in der Staatsregierung hinter dem bayerischen Maßnahmenkatalog gegen Aids im Jahr 1987: Menschen konnten damit zu HIV-Tests gezwungen werden, als "Ansteckungsverdächtige" wurden sie bezeichnet. Für die Politik waren das beispielsweise Junkies, Prostituierte – und Schwule. Gauweiler wurde spöttisch bekannt als "Hoher Kommissar für Hygiene und Hysterie".

Für die Schwulenszene und die Aids-Helfer war es eine schwierige Zeit: Von Infektionsschutz und Internierungen war damals die Rede.

"Viele Leute aus der Szene gingen weg aus München. Sie sagten sich: Hier können wir nicht bleiben, das wird viel zu hart." Eberhard Friedemann

Unterstützung für Aids-Hilfe durch Bundespolitik

Zugleich fanden die Helfer aber auch Unterstützer, auf Bundesebene etwa Gesundheitsministerin Rita Süssmuth. Auch in München gab es immer wieder einzelne Fürsprecher.

Eberhard Friedemann versucht, im Rückblick selbst den vielen Schikanen etwas Positives abzugewinnen: "Die ganze Szene ist dadurch sehr selbstbewusst geworden und hat sich zu dem entwickelt, was sie heute ist."

Diskriminierung auch heute noch ein Problem

Auch wenn Maßnahmen wie Zwangstests 2001 abgeschafft wurden, sind Diskriminierung und Stigmatisierung teilweise bis heute geblieben. Nico Erhardt von der Aids-Hilfe kennt viele Berichte: "Wer sich auf der Arbeit outet, muss immer noch damit rechnen, von Kollegen gemobbt zu werden."

Genau dagegen kämpft er gemeinsam mit seinen Kollegen seit Jahren. Inzwischen setzen sich rund 60 Hauptamtliche und mehr als 150 Ehrenamtliche für HIV-Positive ein. Eberhard Friedemann hat sich inzwischen zurückgezogen – und das mit gutem Gewissen. Denn die Erfolge seines Vereins seien heute größer denn je.

© BR.de

Anfang der 80er Jahre wurde AIDS bekannt. Politik und Gesellschaft waren ratlos, wie sie mit der Krankheit umgehen sollten. Damals gründete eine Gruppe von Männern in München die erste Aids-Hilfe Deutschlands.