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Welpen-Boom in der Pandemie: Tierschützer schlagen Alarm | BR24

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Bildrechte: BR/ Tom Pösl

Die Corona-Krise hat einen besonderen Nebeneffekt: Viele Menschen legen sich einen Hund oder Welpen zu. Doch Tierschützer schlagen deswegen Alarm: Denn die große Nachfrage fördere den illegalen Welpenhandel - und damit Inzucht und viele Krankheiten.

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Welpen-Boom in der Pandemie: Tierschützer schlagen Alarm

Die Corona-Krise hat einen besonderen Nebeneffekt: Viele Menschen legen sich einen Hund zu. Doch Tierschützer schlagen deswegen Alarm: Denn die große Nachfrage fördere den illegalen Welpenhandel - und damit Inzucht und viele Krankheiten.

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Von
  • Thomas Pösl
  • Veronika Scheidl

Kulleraugen, knuffige Gesichter, tapsige Pfoten: Hundewelpen erobern schnell das Herz der Menschen - und in der Corona-Pandemie offenbar noch schneller: Denn die Nachfrage nach Hunden ist deutlich gestiegen, viele Menschen haben sich einen Vierbeiner zugelegt.

Beispiel Augsburg: In der Stadt sind aktuell 9.723 Hunde gemeldet. Die Zahl stieg seit Jahresbeginn um 500, erklärt eine Sprecherin, im Vorjahr habe das Plus 319 Hunde betragen.

Nachfrage befeuert illegalen Welpenhandel

Diese Entwicklung missfällt der Kemptener Tierärztin Daniela Heldt, denn wegen der erhöhten Nachfrage nach Hunden floriere gerade der illegale Handel mit Welpen. Und der bringe oft Krankheiten mit sich, zum Beispiel durch Inzucht und Unkenntnis der Züchter. Gelenkfehlstellungen und Fehlernährung seien nicht selten, sagt Heldt.

Viele Tiere mit Krankheiten und Fehlstellungen

Zuletzt hatte die Tierärztin eine Französische Bulldogge in Behandlung. "Dieser Hund hatte eine schwere Hüftgelenksdysplasie, das bedeutet, dass der Oberschenkelkopf nicht in die Hüftpfanne passt. Und dieser Hund konnte nicht laufen", sagt Heldt. Er sei immer umgefallen, habe sich die Hüfte bei jedem Schritt ausgekugelt. Auch mit der Atmung habe er Probleme gehabt, da das Gaumensegel zu lang war.

Tierheim Augsburg befürchtet das Schlimmste

Und auch der Tierschutzverein Augsburg blickt mit Sorge auf den Welpen-Boom. Leiterin Sabina Gaßner studiert misstrauisch die Hunde-Annoncen im Internet - mit nur ein paar Klicks können Käufer dort Welpen erwerben. Von teilweise dubiosen Züchtern, sagt die Tierheimleiterin.

Unerfahrene Käufer seien mit den Tieren oft überfordert. Sie befürchtet Schlimmstes: "Mir tun die Tiere leid. Die zahlen den höchsten Preis und irgendwann kommen die ins Tierheim." Das werde ungefähr noch ein halbes Jahr oder etwas länger dauern - aber dann "rechnen wir mit einem größeren Return", also einem Rücklauf an Tieren.

Naivität beim Hundekauf

Die Kemptener Tierärztin Daniela Heldt beklagt, dass man den dubiosen Züchtern oft nicht auf die Schliche komme und dass Käufer oft naiv seien beim Hundekauf. "Das ist ein Riesenmarkt und die nutzen die ganze Gutgläubigkeit der Leute aus, die sich natürlich sofort in einen Welpen verlieben." Man dürfe nicht so naiv sein zu glauben, dass ein Rassehund auf der Straße zu finden ist. "Das gibt es nicht. Da sollte man einfach misstrauischer und kritischer sein", sagt Heldt.

Tierschützer: Hunde nicht auf Ebay kaufen

Daniela Heldt und das Augsburger Tierheim haben einen Tipp an alle, die einen Hund wollen: besser nicht auf Online-Plattformen wie Ebay kaufen, sondern sich Rat holen im Tierheim oder bei Tierärzten, die professionelle Züchter empfehlen können.

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