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Welche Pläne Bayern mit der Blockchain-Technologie hat | BR24

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Bayern will eine eigene Blockchain-Strategie auf den Weg bringen, so steht es im Koalitionsvertrag. Auch Verwaltung und Schulen sollen davon profitieren. Große Worte und große Hoffnungen in die Technologie - was ist dran?

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Welche Pläne Bayern mit der Blockchain-Technologie hat

Bayern will eine eigene Blockchain-Strategie auf den Weg bringen, so steht es im Koalitionsvertrag. Auch Verwaltung und Schulen sollen davon profitieren. Große Worte und große Hoffnungen in die Technologie – was ist dran?

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Es sind anstrengende Tage für Judith Gerlach: Die neue bayerische Digitalministerin muss momentan oft erzählen, wie es sein konnte, dass ein 20-jähriger Hacker die Daten hunderter Politiker einsehen und veröffentlichen konnte.

Dabei würde sich die Digitalministerin gerne um langfristige Visionen kümmern. Zum Beispiel beim Thema Blockchain. Judith Gerlach ist überzeugt von der Technologie.

"Blockchain ist ja viel mehr als die digitale Währung Bitcoin, die jeder kennt. Das ist in vielen Bereichen etablierbar. Bayern möchte als starker Industriestandort die Chancen dieser Technik ergreifen und den Digitalstandort damit ausbauen." Digitalministerin Judith Gerlach

Blockchain ist die Technologie hinter Bitcoin. Die Blockchain ist nichts anderes als eine dezentrale Datenbank. Geht eine Information von A nach B, wird das nicht mehr nur an einer einzigen Stelle festgehalten, sondern tausendfach.

Stromabrechnung für E-Autos via Blockchain

Nach Berlin habe München die meisten Blockchain-Start-Ups, sagt die Digitalministerin. Und sie kennt praktische Beispiele, wie eine Blockchain schon heute genutzt wird. Etwa bei der dezentralen Stromgewinnung, wenn private Solarstromanbieter untereinander handeln, ohne dass es über einen großen Anbieter läuft.

"Oder diese smarten Adapter für E-Autos. Da wird in einer Blockchain vermerkt, wo wie viel Strom abgezapft wurde und das wird dann dem E-Auto-Besitzer in Rechnung gestellt." Digitalministerin Judith Gerlach

Potenziale, die Gerlach in Bayern weiter fördern will. Mit wie viel Geld, bleibt zunächst unklar. Das könne sie erst verlässlich nach den Haushaltsverhandlungen sagen, also vermutlich nicht vor März.

Bayern will Verwaltung Blockchain-basiert umbauen

Erste Gespräche mit den Kollegen aus dem Wirtschafts- oder Wissenschaftsministerium möchte Gerlach noch im ersten Quartal des Jahres führen – eine Art Blockchain-Kommission unter dem Vorsitz von Judith Gerlach, der jüngsten bayerischen Ministerin.

Nicht nur für bayerische Unternehmen, sondern auch für die bayerische Verwaltung sieht Gerlach große Chancen. Archive könnten irgendwann Blockchain-basiert funktionieren, aber nicht nur das. Die Digitalministerin will etwa "auch zwischen Behörden den Austausch ermöglichen, der vorher so nicht da war. Auch den Zugriff von Bürgern vereinfachen, was heute nur brieflich möglich ist". Und das alles bei hoher Datensicherheit, einer der Vorteile der Blockchain-Technologie.

In anderen Staaten gibt es das schon. In Estland werden Verwaltungsprozesse beispielsweise Blockchain-basiert abgewickelt.

Zukunftstechnologie oder "stinknormale" Datenbank und Stromfresser?

Viele finden Gerlachs Pläne mutig, innovativ. Doch nicht alle halten die Blockchain-Technologie für so fortschrittlich. Michael Seemann ist Blogger und Digitalexperte. Er glaubt, die Potenziale würden überschätzt, denn im Grunde sei Blockchain nichts anderes als eine "stinknormale Datenbank“.

"Es ist eigentlich eine Datenbank, aus der man nichts löschen kann." Michael Seemann, Blogger

Der einzige Vorteil einer Blockchain-Technik liegt für Seemann in der Dezentralisierung.

Es könnten auch Jobs verloren gehen

Die Nachteile, beispielsweise der enorme Stromverbrauch, überwiegen für ihn jedoch. Zum geplanten Blockchain-basierten Umbau der bayerischen Verwaltung sagt er: "Wenn man sich fragt, warum das alles noch nicht mit der Datenbank gemacht wurde, sind das alles oft keine technischen Probleme, sondern soziale Probleme."

Sprich: Wenn die bayerische Verwaltung digitalisiert werden soll und Prozesse Blockchain-basiert funktionieren sollen, fallen dadurch oft auch Jobs weg. Beispielsweise ein Archiv, das vorher von Menschen sortiert wurde. Auch darum müsste sich Digitalministerin Judith Gerlach also noch kümmern – irgendwann, wenn sie wieder Zeit für Visionen hat.