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Weitere Guchtachter-Aussage zu eingestürzter Schraudenbachbrücke | BR24

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Wer trägt Schuld am Brückenbau-Unglück? Der Prozess um die eingestürzte Talbrücke bei Schraudenbach geht in eine neue Runde. Beim letzten Gerichtstag hat ein Gutachter die Ausführung des Traggerüstes stark bemängelt.

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Weitere Guchtachter-Aussage zu eingestürzter Schraudenbachbrücke

Wer trägt die Schuld am Brückenbau-Unglück? Der Prozess um die eingestürzte Talbrücke bei Schraudenbach im Landkreis Schweinfurt geht in eine neue Runde. Beim letzten Gerichtstag hat ein Gutachter die Ausführung des Traggerüstes stark bemängelt.

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Über drei Jahre liegt das Unglück an der A7-Talbrücke bei Schraudenbach zurück. 13 Bauarbeiter stürzten in die Tiefe, ein 38 Jahre alter, kroatischer Arbeiter starb. Im November 2019 hat der Prozess begonnen. Drei Angeklagte müssen sich verantworten. Jetzt will das Landgericht Schweinfurt ein weiteres Mal die Gutachter befragen. Zuletzt hat einer der beiden Gutachter die Prüfingenieure durch seine Aussagen belastet.

Gutachter bemängelt Ausführung des Traggerüstes

Bei dem Gutachter handelt es sich um einen Professor für Bauingenieurwesen aus Kassel. Er erklärte, dass es "riesige Unterschiede" zwischen der Planung und der Ausführung des Traggerüstes gegeben habe. So hätten bei dem Traggerüst an einer wichtigen Stelle innere diagonale Streben gefehlt. Weiterhin sei das Traggerüst oben nicht entsprechend befestigt gewesen. "Bei korrekter Ausführung gemäß Planung hätte sich der Unfall nicht ereignet", sagte der Gutachter. Ohne es wörtlich formuliert zu haben, entlastet er damit den angeklagten Statiker und belastet die angeklagten Prüfingenieure. Sie hätten vor Baubeginn das aufgebaute Traggerüst mit der Ausführungszeichnung vergleichen müssen.

Erste Befragung brachte kaum Ergebnisse

Wörtlich heißt es in dem ausgeführten Gutachten: "Das Traggerüst versagte infolge nicht wirksamer Halterungen, bei fehlerfreien Ausführungen des Traggerüsts wäre kein Versagen zu erwarten gewesen." Am vorletzten Prozesstag hatte bereits eine andere Gutachterin ausgesaugt. Die Anhörung dauerte sieben Stunden, ging jedoch ohne greifbare Ergebnisse zu Ende. Die Gutachterin, eine emeritierte Professorin für Bauingenieurwesen aus Weimar, erklärte sehr ausführlich, welche Kräfte wo wie gewirkt haben könnten. Es blieb offen, ob die angeklagten Ingenieure Fehler bei der Statik oder bei der Einhaltung von technischen Normen gemacht haben.

Brückenbau-Unglück ereignete sich im Juni 2016

Zu dem schweren Unglück kam es im Juni 2016 bei Betonierungsarbeiten für eine neue Brücke. Das Traggerüst stürzte ein. Laut der Gutachterin hatte eine Gerüststütze versagt, die für die sogenannte Horizontalsteifigkeit nicht ausreichend stark ausgelegt war. Das Traggerüst brach zusammen, nachdem Arbeiter 1.500 Tonnen Beton auf einem Bauabschnitt eingefüllt, verteilt, verdichtet und geglättet hatten.

Statik der Brücke falsch berechnet

Die Bauarbeiter wurden 22 Meter in die Tiefe gerissen. Ein Arbeiter starb, drei Bauarbeiter wurden lebensgefährlich, sechs schwer und drei leicht verletzt. Zwei weitere Arbeiter, die sich am Boden befanden, wurden leicht verletzt. Die drei Angeklagten sind 45, 47 und 56 Jahre alt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, die Statik nicht mit der erforderlichen und zumutbaren Sorgfalt berechnet zu haben. Zu dem Prozess mit insgesamt zwölf Verhandlungstagen sind 18 Zeugen und zwei Gutachter geladen. Weiterhin gibt es vier Nebenklagen. Die drei Angeklagten haben bislang jede Verantwortung für das Unglück zurückgewiesen.