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Der hohe Inzidenzwert im Landkreis Regen macht sich immer deutlicher in den Krankenhäusern bemerkbar. Ab morgen werden die Schulen schließen. Warum ist der Landkreis so stark betroffen? Die Landrätin sucht nach Antworten.

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Corona-Hotspot Regen: Kliniken am Limit - Personal infiziert

Im deutschlandweiten Corona-Hotspot Kreis Regen kommen die ansässigen Arberlandkliniken an ihre Grenzen. Unter anderem wird auch das Personal knapp: Mittlerweile haben sich 77 Mitarbeitende entweder infiziert oder einen Quarantänebescheid bekommen.

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Von
  • Renate Roßberger
  • Marcel Kehrer
  • BR24 Redaktion

Der hohe Inzidenzwert im Landkreis Regen macht sich immer deutlicher in den Krankenhäusern bemerkbar. Mittlerweile fehlt es an Personal, denn 77 Mitarbeitende der Arberlandkliniken sind entweder infiziert oder aus Quarantänegründen zu Hause. Ab Mittwoch werden die Corona-Maßnahmen im Landkreis Regen nochmal verschärft: Die Schulen schließen. Der Landkreis hat weiterhin den höchsten Corona-Inzidenzwert in Deutschland. Derzeit beträgt er laut Robert Koch-Institut 579.

Aufnahmestopp für Patienten in Zwiesel

Das Personal der Arberlandkliniken wird immer weniger: 67 Mitarbeitende fehlen in Zwiesel, zehn in Viechtach. Wegen des Engpasses besteht in der Arberlandklinik Zwiesel seit Sonntag faktisch derzeit ein Aufnahmestopp für neue Patienten und ein generelles Besuchsverbot. Nur die Geburtshilfe, die es im Landkreis auch nur in Zwiesel gibt, bleibt weiterhin geöffnet. Dort gibt es keine Fälle, so die Krankenhausleitung.

Die Arberlandklinik Viechtach nimmt weiterhin "normale" Patienten und Notfälle auf.

Geplante Operationen bereits abgesagt

Beide Kliniken haben geplante Operationen, zum Beispiel Knie-OPs, bis auf weiteres abgesagt und verschoben. Damit wird Personal frei für die Betreuung von Covid-19-Patienten. Diese werden in beiden Kliniken behandelt. Gestern waren es in Zwiesel 37, in Viechtach 30. Neun davon liegen in Intensivbetten.

Für die Intensivpatienten haben die Kliniken sogenannte Tandems zusammengestellt, das bedeutet ein Team aus erfahrenen Intensiv-Pflegekräften und Personal aus dem OP-und Anästhesiebereich, das durch die Absage planbarer OPs frei geworden ist. Um weiterhin auch Notfälle versorgen zu können, wurde in beiden Kliniken eine separate Intensivstation geschaffen, die strikt von der Station für Covid 19 getrennt ist.

Kliniken rechnen weiter mit schwieriger Lage

In den beiden Kliniken wird das Personal seit letzter Woche zweimal wöchentlich auf das Virus getestet. Dadurch werden positive Fälle sehr schnell erkannt. Auch Patienten, die neu aufgenommen werden, erhalten zuerst einen Test, auch wenn sie mit einer anderen Erkrankung als Covid-19 eingeliefert werden.

Die Arberlandkliniken rechnen damit, dass die schwierige Lage noch weiter anhält, weil der Landkreis Regen Hot-Spot-Region ist - mit weiterhin der höchsten 7-Tage-Inzidenz in ganz Deutschland.

Distanzunterricht ab Mittwoch

Ab Mittwoch gibt es im Kreis Regen eine zusätzliche, einschneidende Maßnahmen, um der Pandemie Herr zu werden: Die Schulen werden geschlossen. Für alle Schülerinnen und Schüler gilt dann Distanzunterricht. Wie aus der Allgemeinverfügung hervor geht, wird eine Notbetreuung seitens der Schulen eingerichtet. Der Anspruch auf Notbetreuung bestehe ausschließlich für Kinder bis zur Vollendung des 13. Lebensjahres, sofern die Betreuung durch die Erziehungsberechtigten selbst nicht sichergestellt werden könne.

Zunächst sollen diese Regeln bis 15. Dezember gelten. "Die Maßnahmen werden fortlaufend hinsichtlich ihrer Verhältnismäßigkeit überprüft", so die Behörde.

Woher kommen die hohen Zahlen?

Warum ist ausgerechnet der Bayerwald-Landkreis so stark von Corona betroffen? Landrätin Rita Röhrl (SPD) stellte dazu fest, dass der grenznahe Altlandkreis Regen stärker betroffen sei als der Altlandkreis Viechtach. Möglicherweise seien hier Infektionen hereingetragen worden, durch Menschen, die aus Tschechien zum Einkaufen kamen. Ein Infektions-Schwerpunkt seien zudem Seniorenheime. Die Maßnahmen dort wurden bereits verschärft.

Bei rund 40 Prozent aller Corona-Fälle im Landkreis Regen lässt sich der Infektionsweg allerdings laut Landratsamt überhaupt nicht nachvollziehen - die Behörde spricht von einem diffusen Geschehen. Die Lage sei womöglich auch deshalb "so aus dem Ruder gelaufen", weil Betroffene ihre Kontaktpersonen nicht vollständig angegeben hätten, um diesen eine Quarantäne zu ersparen, vermutet die Landrätin. Röhrl appelliert deshalb an die Landkreisbürger, die Vorgaben einzuhalten und bei der Angabe von Kontaktpersonen ehrlich zu sein.

Kritik vom CSU-Kreisvorsitzenden

Das geht dem CSU-Kreisvorsitzenden Stefan Ebner nicht weit genug. Er fordert eine bessere Informationspolitik. In einem offenen Brief wirft er der Regener Landrätin Rita Röhrl (SPD) und dem Landratsamt Regen "eine Mauer des Schweigens" vor, die auch durch die letzte Pressekonferenz am Sonntag "nicht substantiell durchbrochen" wurde. Der CSU-Politiker will durch das Landratsamt Regen eine Reihe von kritischen Fragen geklärt haben. Unter anderem, wie es überhaupt zu den hohen Fallzahlen im Landkreis Regen kommen konnte und wo die Infektionsschwerpunkte genau liegen.

Der CSU-Politiker stellt außerdem die beschlossenen Maßnahmen in Frage, um die Infektionszahlen im Landkreis Regen "signifikant zu drücken". Ihn sorgen die Gesundheit der Menschen und der wirtschaftliche Schaden: "Dass unser Tourismus-Landkreis aktuell Seuchen-Landkreis Nummer Eins in Deutschland ist, " so Ebner, "belastet unser Image als Urlaubsregion nachhaltig."

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Die Infektionszahlen sinken nicht, die Intensivbetten werden knapper und das Klinikpersonal kommt an Belastungsgrenzen. Da macht sich eine Krankenschwester per Facebook Luft. Christian Riedl live aus Zwiesel zur Krankenhaussituation.

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