Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Weitere brisante Details im Eichstätter Finanzskandal | BR24

© BR/Mölkner-Kappl

Das Ordinariat des Bistums Eichstätt spiegelt sich in einem vergitterten Fenster.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Weitere brisante Details im Eichstätter Finanzskandal

Gestern wurde der unabhängige Prüfbericht zum Finanzskandal im Bistum Eichstätt vorgestellt. Mit der Veröffentlichung des vollständigen Textes werden brisante Details bekannt. Der ehemalige Bischof Mixa kommt dabei nicht gut weg.

Per Mail sharen

Im Eichstätter Finanzskandal tun sich weitere Abgründe auf: Wie die vom Bistum eingeschalteten Münchener Anwälte in ihrem seit Dienstagmittag vollständig auf der Website des Bistums veröffentlichten Prüfbericht festhalten, sind aus der ungewöhnlich langen bischofslosen Zeit vor der Weihe des heutigen Bischofs Gregor Maria Hanke keinerlei Akten mehr vorhanden.

Akten seien "bei einem Umzug verloren gegangen"

Als Hanke darin habe Einsicht nehmen wollen, sei sein Wunsch von der obersten Bistumsverwaltung, dem Ordinariat, "erst zurückhaltend bearbeitet" worden, heißt es in dem Bericht. Dann habe man ihm geantwortet, das sei nicht mehr möglich, da die Akten "bei einem Umzug verloren gegangen seien".

Generell bescheinigen die Anwälte der Bistumsverwaltung ein höchst mangelhaftes Dokumentenmanagement. Deren Handeln lasse sich anhand der Unterlagen nur noch schwer oder gar nicht mehr nachvollziehen. Bischof Hanke wurde am 3. Dezember 2006 in Eichstätt zum Nachfolger von Bischof Walter Mixa geweiht, den Papst Benedikt XVI. am 16. Juli 2005 nach Augsburg befördert hatte. Der Eichstätter Bischofsstuhl war also mehr als 16 Monate verwaist.

Eine Ursache des Skandals: die Führungsschwäche von Bischof Mixa

Für diese Zeit der sogenannten Sedisvakanz existieren strenge Vorschriften. So dürfen von der kommissarischen Leitung keine Entscheidungen gefällt werden, die den neuen Bischof in irgendeiner Form binden.

Mixa kommt im Bericht der Anwälte nicht gut weg. Er trage seinen Anteil daran, dass in Eichstätt einige wenige hochrangige Geistliche die faktische Macht an sich gerissen und damit die Leitung durch den Bischof unterlaufen oder sogar pervertiert hätten. Eine Ursache für diese Fehlentwicklung sei Mixas Führungsschwäche und Desinteresse an Verwaltungsabläufen.

Prüfbericht spricht von "System Eichstätt"

Der gestern veröffentlichte Prüfbericht spricht von einem "System Eichstätt": In dem Papier ist die Rede von einem "engen Zirkel hochrangiger Kleriker", die in Finanzfragen fachlich inkompetent seien, sämtliche Macht- und Schaltstellen besetzt hielten und sich zugleich selbst kontrollierten. Sie hätten ihre Leitungsmacht "ohne Wenn und Aber" verteidigt.

Als "gesichertes Ermittlungsergebnis" hält der Bericht fest, dass der frühere stellvertretende Finanzdirektor im Zuge der von ihm eingefädelten US-Immobiliendarlehen über insgesamt 60 Millionen Dollar heimliche Provisionszahlungen in Höhe von einer Million Dollar erhalten hat. Zugleich war er an einigen der Firmen, an die die Kredite ausgezahlt wurden, mittelbar und verdeckt beteiligt - mit der Aussicht auf weitere Gewinnchancen. Das bedeutet, er hat sich die Kredite praktisch selbst zugeschanzt.

Sein US-Geschäftspartner, der bisher zweite Hauptbeschuldigte, finanzierte mit einem der Eichstätter Darlehen erst einmal die Errichtung seines Privathauses. Von alldem bekamen die eigentlich zur Kontrolle der Vermögensverwaltung eingesetzten Gremien nichts mit, weil dort diese Darlehen niemals ausführlicher thematisiert wurden, und auch niemand Fragen stellte.

54 Millionen US-Dollar bisher nicht zurückgezahlt

Von den 60 Millionen US-Dollar aus dem Kirchenvermögen sind bislang nur etwa sechs Millionen US-Dollar zurückgezahlt worden. 44 Millionen US-Dollar der noch ausstehenden 54 Millionen Dollar sind schon länger fällig, wurden aber nicht zurückgezahlt.

Als aber Bischof Hanke nach seinem Amtsantritt damit begann Fragen zu stellen, gab es große Anstrengungen, ihn davon abzuhalten, an die erforderlichen Kenntnisse zu gelangen.