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Archivbild: Corona-Teststation an der A93

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Weiter massive Verzögerungen bei Corona-Tests in Bayern

Die Corona-Test-Panne an bayerischen Flughäfen ist laut Gesundheitsministerium behoben. Doch auch von anderen Teststationen berichten Getestete von einer langen Wartezeit auf die Ergebnisse: bis zu sieben Tage. Die Behörden geben sich bedeckt.

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Von
  • Petr Jerabek

Das Urteil fällt vernichtend aus. "Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich mich nicht testen lassen", schildert eine Frau dem BR ihre Erfahrungen mit einem freiwilligen Corona-Test an der Inntalautobahn. Die 38-Jährige ließ am Sonntagabend nach einem Italienurlaub sicherheitshalber einen Abstrich machen. "Da ich kurz vor der Rückreise erkrankte, wollte ich für mein Umfeld daheim auf Nummer sicher gehen", sagt die Mutter dreier Kinder.

Innerhalb 48 Stunden sollte das Ergebnis da sein - am Samstagmorgen wartete die Frau noch immer, trotz mehrfacher Anrufe beim Teststation-Betreiber Eurofins. "Schon bei der ersten Nachfrage am Dienstag wurde mir empfohlen, doch bei meinem Hausarzt einen weiteren Test machen zu lassen. Das würde schneller gehen", erzählt die 38-Jährige. "Am Donnerstag wurde mir dann mitgeteilt, dass die Tests zur Zeit sieben Tage dauern würden." Am Freitagabend teilte Eurofins ihr per Mail mit, dass es derzeit "Verzögerungen wegen des starken Bedarfs an Testungen" gebe. Es ist ein Fall von vielen: Die Schilderung deckt sich mit zahlreichen Erfahrungsberichten weiterer Betroffener, die dem BR vorliegen.

Teststation-Betreiber äußert sich nicht

Eurofins wollte sich zu diesen Berichten auf Anfrage bisher nicht äußern. Ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums sagte dem BR am Freitagmittag lediglich, laut Eurofins gebe es keine Probleme. Der dpa versicherte ein Ministeriumssprecher, das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) habe die Daten der Teststationen an Autobahnen und Bahnhöfen abgefragt - bis auf wenige Ausnahmen habe es dort keine größeren Verzögerungen bei der Übermittlung von Testergebnissen gegeben. Ein Betroffener aus Franken schüttelt über die Darstellung, es handle sich um Einzelfälle, nur den Kopf: "In unserem Fall wären es gleich sechs Einzelfälle."

Den Angaben des Ministeriums, dass es bei den Laborkapazitäten bisher keine Engpässe gebe, widersprach kürzlich wiederum der Verband der akkreditierten medizinischen Labore in Deutschland (ALM). "Auch in Bayern melden uns Labore, dass sie aufgrund des hohen Volumens Tests aktuell nicht am selben Tag abarbeiten können und sich daher Testergebnisse auch länger als 48 Stunden hinziehen können", teilte der ALM dem BR mit. Bayern ist das einzige Bundesland, in dem sich jeder auch ohne Symptome kostenlos auf Corona testen lassen kann.

Mehrmalige weitere BR-Nachfragen beim Ministerium mit Verweis auf die zahlreichen Getesteten, die über Verzögerungen klagen, blieben bisher unbeantwortet. Die dreifache Mutter macht das wütend: "Was mich am meisten aufregt, ist die Darstellung unserer Politiker, dass alles super läuft. Hier wünsche ich mir mehr Ehrlichkeit." Sie hat aus Verärgerung über das lange Warten sogar direkt an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) geschrieben.

Tausende Betroffene bei Test-Panne

Eingeräumt hatten die bayerischen Behörden am Donnerstagabend lediglich, dass die Resultate der Tests an bayerischen Flughäfen vorübergehend nur mit Verzögerung zugestellt wurden - wegen einer EDV-Panne beim Dienstleister Ecolog. Am Freitag verkündete das Gesundheitsministerium, die technischen Probleme bei Ecolog seien behoben und alle ausstehenden Befunde übermittelt worden. Demnach bekamen rund 10.000 Getestete ihre Ergebnisse später als nach den angestrebten 48 Stunden.

Im "Rundschau Magazin" des BR Fernsehens sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Freitagabend: Das Problem sei "beim Controlling aufgefallen, und wir haben dann schnellstmöglich Druck gemacht, dass das Problem abgestellt wurde". Inwieweit die Behörden auch Druck auf den anderen Dienstleister Eurofins machen, ist bisher unklar. BR24 hatte schon am Donnerstagnachmittag über die lange Wartezeit auf Test-Ergebnisse berichtet - noch bevor die Panne an den Flughäfen bekannt wurde. Seither melden sich beim BR immer mehr Getestete, die von Verzögerungen bei Eurofins erzählen. "Es ist schön zu erfahren, dass nicht nur wir betroffen sind", heißt es in einer der zahlreichen E-Mails.

Zweifel an der Sinnhaftigkeit

Viele Betroffene fragen sich, was ein Corona-Test soll, auf dessen Ergebnis man fünf oder sechs Tage warten muss. "Wenn das Ergebnis nicht zeitnah kommt, ist der Test sinnlos", sagt ein 40-Jähriger, der sich wegen Erkältungssymptomen an der Autobahn hatte testen lassen und erst nach fast sechs Tagen Corona-Entwarnung bekam.

"Unsere Erfahrungen lassen an der Sinnhaftigkeit des Ganzen zweifeln", meint auch ein Mann aus dem Raum München, der mit seiner Familie fast die ganze Woche in Quarantäne ausharrte, weil das Ergebnis des Tests von der Autobahnraststätte Hochfelln noch ausstand. Seine Töchter mussten Termine beim Arzt und Physiotherapeuten absagen. "Am störendsten war das stetig wachsende Gefühl der Machtlosigkeit", erzählt er. "Wir mussten ja auf die E-Mail warten, konnten nirgendwo einen Stand der Bearbeitung abfragen."

Auch er bekam bei der Hotline die Auskunft, dass es aktuell sieben Tage dauern könne. Nach mehreren Anrufen kamen dann in der Nacht zum Samstag endlich die negativen Ergebnisse. Der Mann findet die bayerische Testoffensive zwar im Prinzip gut, der Freistaat könne aber offenbar die Infrastruktur dafür nicht sicherstellen, kritisiert er. "Es fühlt sich an, als wenn die Staatsregierung verkünden würde, am Montag fahren alle mit der Bahn in die Arbeit, um dann festzustellen, dass sie kaum Züge hat."

Eine Familie aus Hessen war das bange Warten auf das Resultat ihres Tests an der A3 bei Passau nach mehreren Tagen leid. Sie ließ sich am Frankfurter Flughafen daraufhin auf eigene Kosten erneut testen. Das Ergebnis hatte die Familie dann nach wenigen Stunden.

Langes Warten auch nach Test am Bahnhof

Auch von Menschen, die am Münchner oder Nürnberger Hauptbahnhof einen Abstrich machen ließen, kommen Klagen über lange Wartezeiten. Ein BR-Mitarbeiter, der aus Frankreich zurückkehrte, musste sechs Tage auf die erlösende E-Mail mit dem negativen Befund warten. Ein anderer BR-Mitarbeiter musste nach einem Test am Münchner Hauptbahnhof länger als vier Tage auf ein Ergebnis warten.

Wegen der Einladung zu einer bevorstehenden Hochzeit ließen sich am Sonntag ein Mann und seine Reisebegleiter am Nürnberger Hauptbahnhof sicherheitshalber testen. Das Ergebnis bekam er erst am Donnerstag. "Hier ist der Sinn der Tests komplett verfehlt, wenn man vier Tage auf ein Ergebnis wartet", schreibt er. "Hier wäre eine Nachverfolgung fast schon nicht mehr möglich gewesen."

Es gibt aber auch Menschen, die von positiven Erfahrungen berichten: "Wir hatten die Testergebnisse nach 2,5 Tagen", schreibt ein BR24-Leser, der mit dem Nachtzug am Münchner Hauptbahnhof angekommen war. "Alles perfekt."

Test-Fiasko im August

Schon in der Vergangenheit hatte es Verzögerungen an mehreren Teststellen in Bayern gegeben. Mitte August war bekannt geworden, dass Zehntausende Menschen tagelang auf das Ergebnis ihrer Corona-Tests gewartet hatten, die sie zum Beispiel an den Teststationen an Autobahnen gemacht hatten. Mehr als tausend Infizierte wurden deutlich verspätet informiert, einige konnten überhaupt nicht mehr nachermittelt werden.

Auch jetzt noch erreichen den BR Zuschriften von Menschen, die berichten, dass sie nie ein Ergebnis erhalten haben: "In unserem Fall ist es so, dass die Tests unserer kompletten Familie (4 Personen) gar nicht auffindbar sind", schrieb am Samstag eine Familie, die sich am 7. August hatte testen lassen. "Das bedeutet, es kann uns keiner sagen, ob unser Test überhaupt auch im Testlabor untersucht wurde." Am 12. August ließ sich ein Ehepaar auf dem Rückweg aus Kroatien testen: "Meine Frau bekam ihr (glücklicherweise negatives) Ergebnis einen Tag später, auf meinen Befund warte ich bis heute", beklagt der Ehemann.

Für die 38-jährige Mutter hat das Warten nach fünfeinhalb Tagen mittlerweile ein Ende. "Soeben ist mein Ergebnis übermittelt worden", schrieb sie dem BR am Samstagvormittag. "Gott sei Dank negativ."

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Eines der Themen in der Rundschau Nacht: Die neue Panne bei der Datenübermittlung.

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