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Weihnachtszeit und Corona: So stärken wir die Gemeinschaft | BR24

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Gäste: Martin Hagen, Fraktionschef der FDP im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, Staatssekretär für Gesundheit und Pflege (CSU), Margot Käßmann, Theologin und frühere EKD-Ratsvorsitzende, Martin Stürmer, Virologe

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Weihnachtszeit und Corona: So stärken wir die Gemeinschaft

Die Nerven liegen oft blank: Viele Menschen empfinden die Corona-Maßnahmen als ungerecht. Die Münchner Runde diskutiert, wie unsere Gesellschaft trotz Corona-Stress und diversen Meinungen zusammenhalten kann.

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Die stade Zeit kommt immer näher, doch der Teil-Lockdown dauert an. Die große Mehrheit der Bevölkerung in Bayern scheint hinter den Corona-Maßnahmen zu stehen, doch der Unmut über die fehlende Verhältnismäßigkeit wird immer größer, so der Fraktionschef der FDP im bayerischen Landtag, Martin Hagen, in der Sendung Münchner Runde im BR Fernsehen. Die wichtigsten Ressourcen in der Krise seien die Umsicht und das Verständnis der Menschen für die Corona-Politik. Denn nur dann würde sich auch die Gemeinschaft zusammen an Maßnahmen halten. Deshalb hat er für die kommenden Wochen und Monate eine klare Forderung.

Mehr evidenzbasierte Corona-Maßnahmen für mehr Einsicht

Um den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht zu gefährden, wünscht sich Martin Hagen von der FDP mehr faktenbasiertes Handeln von der bayerischen Staatsregierung. "Was wir bemängeln ist, dass die Corona-Maßnahmen nicht evidenzbasiert passieren, sondern nach einem Bauchgefühl und einer gewissen politischen Willkür."

Unterstützung bekommt Martin Hagen vom bayerischen FDP-Landesvorsitzenden und Bundestagsmitglied Daniel Föst. Im Vorfeld der Sendung kritisierte er im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk die Maßnahmen der Regierung scharf: "Wir brauchen ein neues Abwägen zwischen Schutz, Freiheit und Spätfolgen. Wir hecheln von Maßnahme zu Maßnahme. Wir können nicht ständig das Land lahmlegen." Er ist dafür, alternative Strategien in Betracht zu ziehen. Bevor man ganze Regionen "dicht macht", sollte man zum Beispiel gezielt PCR-Tests für einzelne Landkreise anbieten.

Der Staatssekretär für Gesundheit und Pflege, Klaus Holetschek (CSU), hält dagegen: Der Begriff Willkür sei in diesem Zusammenhang falsch und "ein Armutszeugnis für die FDP". Die bayerischen Gesundheitsämter seien am Limit, da sei die Forderung der Opposition nach Evidenzen und Statistiken unangebracht. Es gelte in erster Linie, die Infektionszahlen so gering wie möglich zu halten. Er habe Verständnis dafür, dass viele Menschen Maßnahmen wie die Schließung von Gaststätten für ungerecht halten, doch jetzt gehe es darum, trotzdem das Gemeinschaftsgefühl zu wahren und die Maßnahmen gemeinsam durchzustehen.

Der Virologe Martin Stürmer muss in diesem Zusammenhang einräumen: Die Wissenschaft hätte keine gute Evidenz, um wirklich faktenbasiert zu belegen, dass diese oder jene Maßnahme funktioniere. Klar sei nur: Wir müssen die Infektionszahlen senken. Denn man habe den Höhepunkt der Infektionszahlen noch nicht erreicht. Laut Stürmer müssen "wir als Gesellschaft so schnell wie möglich handeln, auch wenn manche Maßnahmen nicht sofort logisch erscheinen".

Trotz Corona-Krise die Zuversicht behalten

CSU-Politiker Holetschek gibt Hagen (FDP) recht, dass die Politik begründen müsse. Das würde auch in Zukunft regelmäßig geschehen. Ihm fehle aber eine gemeinsame Haltung der Gesellschaft und er beklagt "das Jammern". "Ich weiß, dass jeder für sich Probleme hat. Jeder möchte, dass dies wieder geöffnet wird, dass jenes wieder funktioniert. Aber das wird nicht die Botschaft sein. Wir werden nur mit einem gemeinschaftlichen Konsens durch die Krise gehen."

Ungerechte Entscheidungen nur zeitlich begrenzt

Die Theologin und ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann teilt das Empfinden vieler Menschen, manche Maßnahmen seien ungerecht. So hätten sich viele Kulturbetriebe große Mühe gegeben, die Maßnahmen einzuhalten und würden nun trotzdem mit Schließungen abgestraft. In diesem Zusammenhang betont sie, wie wichtig Zeitperspektiven für den Zusammenhalt in der Gesellschaft seien.

Wir sollten als Gemeinschaft den November abwarten und dann noch einmal evaluieren: Was gilt für Dezember? Bis dahin müssten wir uns alle damit abfinden, dass auch unfaire Corona-Maßnahmen eingehalten werden müssen. "Das sind schwierige Entscheidungen und sie sind zum Teil ungerecht. Da muss die Politik immer wieder nachjustieren. Die Maßnahmen müssen transparent und nachvollziehbar sein", so Käßmann.

Hoffnung als Weihnachtsbotschaft

Gerade in der Corona-Krise sei eine zuversichtliche Botschaft wichtig. So erinnert die Theologin Käßmann an die Weihnachtsgeschichte aus dem Evangelium nach Lukas. "Die große Botschaft der Engel ist immer wieder: Fürchtet Euch nicht. Und ich finde, diese Botschaft ist doch gerade in der Corona-Krise zu Weihnacht sehr angebracht." Wir sollten uns die Zuversicht bewahren, dass sich 2021 vieles ändern kann. Das Weihnachtsfest sei mit seiner Botschaft, die Hoffnung und Zuversicht spendet, in diesem Jahr besonders wichtig.

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