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Da die Menschen im Krankenhaus wegen der Corona-Pandemie derzeit keinen Besuch bekommen dürfen, haben sich die Uniklinik und die Rettungsdienste der Stadt Erlangen eine besondere Aktion überlegt.

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Weihnachtsmann kommt mit Drehleiter und Blaulicht

Wer dieses Jahr an Weihnachten im Krankenhaus liegt, hat es doppelt schwer. Zu einer schlimmen Erkrankung kommt das Corona-bedingte Besuchsverbot hinzu. Die Erlanger Uniklinik und die Rettungsdienste haben sich daher eine besondere Aktion überlegt.

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Von
  • Ulrike Nikola

Ein paar kleine Patienten blicken durch die Fenster der Kinder- und Jugendklinik nach draußen, als die ersten Feuerwehrautos und Rettungswagen mit eingeschaltetem Blaulicht vorfahren. Aus Lautsprechern ertönen plötzlich Weihnachtslieder und auf einer Drehleiter der Feuerwehr fährt der Weihnachtsmann in die Höhe. Vor den Balkonen der Krankenzimmer macht er Halt und überbringt den Kindern und Eltern einen Weihnachtsgruß - mit entsprechendem Abstand in luftiger Höhe.

Mit großen Augen schaut ein kleiner Junge ihn an. Seine Mutter, die ihn auf dem Arm hält, lächelt. Denn der Weihnachtsmann und die Rettungskräfte unten vor der Klinik lassen sie wissen, dass es Menschen gibt, die an sie denken - denen ihr Schicksal nicht gleichgültig ist.

Therapie statt Bescherung daheim

Über die Feiertage müssen nur diejenigen im Krankenhaus bleiben, die sehr schwer krank sind. In der Kinderklinik sind es vor allem die kleinen Patienten mit einer chronischen Erkrankung oder einem Krebsleiden. Wie sehr wünschen sie sich an Weihnachten daheim feiern zu können. Doch stattdessen kämpfen sie gegen ihre Krankheit, und die Eltern bangen darum, wie die medizinische Therapie wirken wird.

Die Mediziner und Pflegekräfte tun alles, damit es den kleinen und großen Patienten in der Uniklinik Erlangen gut geht. Während die Kinder von einem Elternteil begleitet werden können, ist für die Erwachsenen durch die Corona-Pandemie kein Besuch erlaubt. Das ist besonders an Weihnachten, dem Fest in der Familie und mit Freunden, besonders schwer.

Ein kleines Zeichen der Mitmenschlichkeit

"Manche Patienten sind lange bei uns stationär und leiden sehr darunter, dass niemand zu Besuch kommen darf - vor allem jetzt", erzählt Martina Madl. Die leitende Psychologin des Psycho-onkologischen Dienstes an der Uniklinik Erlangen hatte daher die Idee, den Patientinnen und Patienten einen kleinen Gruß zu schicken. "Denn Patientenweihnachtsfeiern, Posaunen-Chöre und andere Adventsaktionen, die wir sonst in der Weihnachtszeit hatten, sind nicht erlaubt. Deshalb wollen wir von außen kommen, um einfach ein kleines Zeichen zu setzen", sagt sie. So entstand mit Hilfe von Kolleginnen und Kollegen sowie den Erlanger Rettungskräften ein außergewöhnlicher Weihnachtsbesuch in der Uniklinik.

Herzensangelegenheit für die Rettungskräfte

Unterstützt wurde die Weihnachtsaktion unter anderem von der Ständigen Wache der Feuerwehr Erlangen und den Freiwilligen Feuerwehren Erlangen. "Wir sind 365 Tage im Jahr für die Menschen da, so dass wir auch gerne bei dieser Weihnachtsaktion mithelfen", meint Friedhelm Weidinger, der Amtsleiter der Ständigen Wache in Erlangen. Für ihn ist es eine "Herzensangelegenheit". Auch der Arbeiter-Samariter-Bund, das Bayerische Rote Kreuz, die Polizei und das Technische Hilfswerk Erlangen sind mit je einem Einsatzfahrzeug dabei.

Nach dem ersten Stopp vor der Kinder- und Jugendklinik rollte der Konvoi mit Blaulicht zum Internistischen Zentrum, in dem unter anderem Leukämie-Erkrankte isoliert werden, da ihre Immunabwehr vor einer Knochenmarktransplantation heruntergefahren wird. Die entsprechende Station ist derzeit voll belegt. Auch dort schauten die Patientinnen und Patienten bewegt auf den herannahenden Weihnachtsmann. Anschließend ging die Fahrt weiter vor das Bettenhaus des Chirurgischen Zentrums und endete schließlich vor der Frauenklinik.

Weihnachtsgefühl für Patienten und Pflegekräfte

Diese besondere Weihnachtsaktion sollte sowohl die Patientinnen und Patienten als auch alle Mitarbeitenden der Uniklinik Erlangen erfreuen. Mitinitiator Prof. Andreas Mackensen, Leiter der Klinik 5, möchte ihnen allen ein Weihnachtsgefühl geben, denn das sei gerade in Zeiten von Corona besonders wichtig: "Viele Menschen sind belastet: Die Patienten, die nicht nach Hause gehen können, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die so Großes leisten in der Corona-Pandemie. Ihnen allen möchten wir etwas geben, und wenn es nur die Musik ist, die vielleicht wieder ein Lächeln in ihren Gesichtern auslösen kann." So behandeln sie unter anderem aktuell über hundert Corona-Patienten in der Erlanger Uniklinik mit erhöhtem Aufwand und Risiko für sich selbst.

Oberarzt als Weihnachtsmann

Im Weihnachtsmann-Kostüm steckte übrigens der leitende Oberarzt Prof. Stephan Eitner, der sich zudem als ehrenamtlicher Feuerwehrmann in Erlangen engagiert. Die Fahrt auf der Drehleiter in rund 15 Meter Höhe bereitet ihm daher keine Schwindelprobleme. Im Gegenteil: Dieser Einsatz ist für ihn besonders "erhebend" gewesen, denn auch er ist in vielerlei Hinsicht beschenkt worden. So haben die kleinen Patienten der Kinder- und Jugendklinik für ihn eine gelbe Laterne in Form eines Sterns gebastelt. Darauf steht: DANKE!

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