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Gertraud Multerer in ihrer Wohnung
© BR / Mathias Flasskamp
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Gertraud Multerer in ihrer Wohnung

In der Küche von Gertraud Multerer steht ein Gerät, das nicht in den üblichen Rahmen einer Kücheneinrichtung passt. Mehrere gelbe Schläuche führen aus dem Gerät direkt in die Wand, in die dafür Löcher gebohrt wurden. Die Maschine erwärmt die Luft und trocknet so die Wände.

Flecken an der Wand, Dröhnen in der Luft

Im unteren Teil des Entfeuchtungsgeräts befindet sich eine Art Schublade, in der sich das Wasser sammelt. Alle paar Stunden muss Gertraud Multerer den Behälter ausleeren: Zwei bis drei Liter kommen da immer noch zusammen. Trotzdem sind noch große Wasserflecken an den Wänden erkennbar. Das Schlimmste aber ist der Lärm. Der Entfeuchter produziert ein unangenehmes, dröhnendes Geräusch. "Das ist für mich kaum auszuhalten", sagt die Rentnerin.

"Normalerweise habe ich über die Feiertage meine Familie hier, aber bei dem Lärm kann man sich ja gar nicht unterhalten. Weggehen traue ich mich auch nicht, so lange das Gerät laufen muss. Weihnachten fiel also für mich heuer aus und Silvester war ich um zehn Uhr im Bett." Gertraud Multerer

Auch im Wohnzimmer hat die 71-jährige keine Ruhe. Auch hier gibt es Wasserschäden an den Wänden. Auch hier steht ein Trocknungsgerät. Ende Juli hatte Gertraud Multerer ihrem Vermieter, der Bayerischen Versorgungskammer, den Schaden gemeldet. In Ordnung gebracht wurde die Wohnung aber bisher nicht.

Monatelange Verzögerungen

Die Bayerische Versorgungskammer verwaltet Geld von kommunalen und berufsständischen Altersversorgungseinrichtungen. Die zuständige Aufsichtsbehörde ist das Bayerische Innenministerium. Zum Anlageportfolio der Versorgungskammer gehören auch über 6.000 Mietwohnungen und in einer davon wohnt Gertraud Multerer. Auf BR-Anfrage äußert sich Pressesprecherin Maike Kolbeck zu dem Fall:

"Leider konnten wir die Wasserschäden in dem Haus nicht so schnell beheben, wie wir wollten, weil die Mieterin der Wohnung über Frau Multerer mehrere Monate verreist war. Erst nachdem die Wohnung gerichtlich geöffnet wurde, konnten wir den Schaden dort beheben. Hinzu kommt, dass wir über Wochen hinweg keine Handwerker bekommen haben. Uns ist klar, dass Frau Multerer momentan in sehr unangenehmen Umständen leben muss, wofür wir uns ausdrücklich entschuldigen. Die Sanierungsarbeiten werden jetzt zügig weitergeführt und sollten bis Februar oder März abgeschlossen sein." Maike Kolbeck, Pressesprecherin Bayerische Versorgungskammer

Wenigstens eine Miet-Ersparnis winkt

Gertraud Multerer freut sich über das Versprechen der Kammer - und für die Unannehmlichkeiten steht ihr wohl eine Entschädigung zu: Gerichte haben in ähnlichen Fällen entschieden, dass Mieter bei feuchten Wänden zwischen 20 und 30 Prozent vom Mietzins einbehalten dürfen. Da käme bei rund sechs Monaten ein hübsches Sümmchen zusammen. Die Bayerische Versorgungskammer bestreitet diesen Anspruch der Rentnerin nicht, die der Sache noch nicht ganz traut:

"Hoffentlich passiert jetzt wirklich mal was, das Ganze geht jetzt schon so lange, dass ich fast die Hoffnung aufgegeben habe. Ich würde mich wirklich freuen, wenn ich endlich wieder zu Hause meine Ruhe hätte." Gertraud Multerer

Und über noch etwas, das sie lange vermissen musste, freut sich Gertraud Multerer jetzt. Der Lärm der Entfeuchtungsgeräte hat ihr auch den Spaß am Fernsehen verdorben. Wenn die endlich schweigen würden, könnte sie auch endlich wieder ihre heiß geliebten Krimis anschauen.