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Weihnachten für Gefangene: die schlimmste Zeit im Jahr | BR24

© BR/ Irina Hanft

In der Justizvollzugsanstalt in Würzburg sitzen derzeit über 500 Insassen ein. Ihr Weihnachten und die Wünsche ans Christkind sehen ganz anders aus, als bei den meisten von uns. Seelsorger haben im Gefängnis momentan ziemlich viel zu tun.

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Weihnachten für Gefangene: die schlimmste Zeit im Jahr

In der Justizvollzugsanstalt in Würzburg sitzen derzeit über 500 Insassen ein. Ihr Weihnachten und die Wünsche ans Christkind sehen ganz anders aus, als bei den meisten von uns. Seelsorger haben im Gefängnis momentan ziemlich viel zu tun.

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Von
  • Irina Hanft

510 Gefangene sitzen aktuell in der Würzburger Justizvollzugsanstalt ein, wegen Drogen- oder Körperverletzungsdelikten. Die meisten haben ein Strafmaß von bis zu sechs Jahren. Einer der Insassen ist Markus, 32 Jahre alt. Seit gut neun Monaten ist er in der JVA Würzburg, verurteilt wegen Betrug- und Wirtschaftsdelikten jeglicher Art, sagt er. Eine traurige Vorstellung ist das für ihn, an Weihnachten nicht zuhause zu sein, bei seinen zwei kleinen Söhnen und bei seiner Frau.

"Ich wäre gerne bei meiner Familie. Man ist einfach nicht Teil des Ganzen." Insasse Markus, JVA Würzburg

Seelsorge gerade an Weihnachtsfeiertagen gefragt

Astrid Zeilinger ist in der JVA Gefängnis-Seelsorgerin. In ihrer Hand immer ein großer Schlüsselbund. Aufschließen, durchgehen, Zuschließen. Das ist hier Routine auf den langen Gängen. Seit zwei Jahren ist Zeilinger in der Gefängnisseelsorge tätig, sie mache das gern - ihr Team sei gefragt, gerade jetzt an Weihnachten würden mehr Insassen das Gesprächsangebot annehmen. "Seit Monaten das Lächeln der Angehörigen nicht mehr gesehen zu haben, das tut wahnsinnig weh, die Umarmung fehlt, dieser Verlust an Nähe und Menschlichkeit, das setzt den Insassen zu", sagt Zeilinger.

Mehr Gesprächsbedarf als sonst

Eigentlich fängt die schlechte Stimmung unter den Insassen schon mit St. Martin an. Wenn die Kinder ihre Laternen basteln und überall Lichtchen leuchten, so die Seelsorgerin. Insasse Markus, der im Offenen Vollzug Malerarbeiten im Knast erledigt, sucht deshalb auch das seelsorgerische Gespräch.

Gefangene, die ein Gespräch wünschen, müssen im Vorfeld einen Antrag stellen. Markus fühlt sich durch die Gespräche menschlich abgeholt. Mal wieder ein Gesprächspartner auf Augenhöhe sei etwas anderes als den ganzen Tag mit Insassen über Drogen zu sprechen, sagt er.

JVA Würzburg: Stacheldraht, Weihnachtsbaum und Gottesdienst

Auf dem Gelände der JVA Würzburg ist es still, wer will hier schon den Heiligen Abend verbringen? Nur die, die müssen. Der Leiter der JVA, Robert Hutter, versucht den Gefangenen die Zeit rund um Weihnachten so erträglich wie möglich zu gestalten. Drei stattliche Weihnachtsbäume sind auf dem Gelände verteilt: an der Kirche, auf der Station der Frauen und ein weiterer steht auf dem Hof der JVA, der entsprechend angeleuchtet wird.

Bedürftige Insassen bekommen Weihnachtspakete von kirchlichen Einrichtungen. Und am Heiligen Abend gibt es, wie jedes Jahr, einen feierlichen Weihnachtsgottesdienst, in diesem Jahr wird er wegen der Abstandsregeln Corona-bedingt dreimal abgehalten.  

Weihnachten mit der Regionalbischöfin im Knast

Die sozialen Kontakte sind wegen Corona eingeschränkt, es darf telefoniert werden, doch ein Besuch im engeren Sinne ist seit März schon nicht mehr möglich. Die Stimmung ist deshalb angespannt, sagt der Leiter der JVA. Das Bedürfnis nach einem Weihnachtsgottesdienst sei unter den Insassen in diesem Jahr besonders groß.

Weil aber auch hier Hygiene-und Abstandsregeln eingehalten werden müssen, können nur maximal 50 Gefangene je Gottesdienst  teilnehmen. Deshalb werden erstmals drei feierliche Gottesdienste am 24.12.2020 hintereinander abgehalten. Der Gottesdienst wird mitgestaltet von der evangelischen Regionalbischöfin Gisela Bornowski aus dem Kirchenkreis Ansbach-Würzburg.

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