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Frauen in der Kirchenleitung: ungeweiht und Quasi-Pfarrerin | BR24

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In Altfraunhofen steht eine Frau an der Spitze der Pfarrei.

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Frauen in der Kirchenleitung: ungeweiht und Quasi-Pfarrerin

Maria Ringlstetter im katholischen Pfarrverband Altfraunhofen (Lkr. Landshut) entscheidet über alles, was andernorts dem Pfarrer vorbehalten ist. Beim "Synodalen Weg" diskutieren Bischöfe und Laien auch über Frauen in Leitungsämtern.

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Im niederbayerischen Pfarrverband Altfraunhofen (Lkr. Landshut) steht eine Frau an der Spitze: Maria Ringlstetter ist Pfarrverbandsbeauftragte. Kraft dieses Amtes hat sie das Sagen über alle Entscheidungen, die in üblichen katholischen Gemeinden dem Pfarrer vorbehalten sind. "Wenn‘s um Bauliches und Verwalterisches geht, darf ich immer sagen: Meine Kirche! Sozusagen bin ich die Hausherrin", sagt Maria Ringlstetter.

Aber Maria Ringlstetter ist auch für die Glaubensweitergabe zuständig, wie etwa im gemeindeeigenen Kindergarten. Für die Kleinen ist die ungewöhnliche Situation - eine Frau an der Spitze - längst Normalität. "Wir haben schon lange keinen Pfarrer mehr", sagt eine Kindergärtnerin. In Zeiten des Priestermangels kann das zuständige Erzbistum München und Freising einfach keinen Pfarrer mehr zur Verfügung stellen. Die unkonventionelle Lösung des Erzbistums im Juni 2018: eine Pfarrverbandsbeauftragte.

Kardinal Marx: "Keine zukunftsfähige Lösung"

Maria Ringlstetter erinnert sich noch gut daran, als damals die Personalabteilung des Erzbistums anrief: "Ich war sehr überrascht über die Anfrage." Dabei gab es ungeweihte Pfarrverbandsbeauftrage schon in den 1990er Jahren im Erzbistum München und Freising. Erzbischof Reinhard Marx machte 2008 aber deutlich, dass er darin keine zukunftsfähige Lösung sieht.

Umso überraschender war für Maria Ringlstetter, dass er dem Modell des "Pfarrverbandsbeauftragten" dann doch wieder eine Chance gab. Frauen in Ämtern, die bisher nur geweihten Männern vorbehalten sind, das ist eines der großen Themen, die beim "Synodalen Weg" in Frankfurt von Bischöfen und Laien diskutiert werden.

Personal-, Bau- und Finanzplanung sind Frauensache

Der "Synodale Weg" ist der Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland nach dem Missbrauchsskandal. In den Beratungen soll es auch um die strukturellen Ursachen der Missbrauchskrise gehen, um Themen wie Zölibat, Sexualmoral und Machtverteilung in den Institutionen.

"Wenn da über Klerikalismus und Frauen in Leitungspositionen diskutiert wird, wären wir ja ein gutes Beispiel dafür, wie es funktionieren kann." Maria Ringlstetter, Pfarrverbandsbeauftragte Altfraunhofen

Das Altfraunhofener Modell funktioniert ihrer Meinung nach sehr gut: eine Frau in der Leitung, mit einem Pater im Team. Pater Dan ist der Geistliche, ohne den es auch in Altfraunhofen nicht geht. Denn was Maria Ringlstetter als Pfarrverbandsbeauftragte nicht darf: Messen halten und Sakramente spenden. Aber Verwaltungsaufgaben wie Personal, Bau und Finanzen liegen alleine in ihrem Zuständigkeitsbereich. So darf sie zum Beispiel auch entscheiden, ob der Pater vor Ort eine Sekretärin bekommt oder nicht.

Als Frau in der Männerdomäne katholische Kirche

Im vergangenen Jahr war sie beispielsweise als Vertreterin ihrer Pfarrei bei einer Diakonenweihe. Eigentlich ein Termin, den normalerweise der Ortspfarrer wahrnimmt. "Dann bin halt ich hingegangen und war im Münchner Dom die einzige Frau im Altarraum mit ich weiß nicht, wie vielen Priestern und Diakonen", erinnert sich Maria Ringlstetter. Die eine oder andere weibliche Verstärkung wäre da ihrer Meinung nach nicht schlecht.

Wenn es nach ihren Gemeindemitgliedern geht, hätte sich Maria Ringlstetter damals im Münchner Dom am besten gleich mit weihen lassen können. "Sie wäre auf jeden Fall eine gute Pfarrerin", meint eine der Gläubigen. Es sei höchste Zeit, dass sich etwas ändert in Sachen Frauen in der katholischen Kirche.