Bei einem Unternehmen in Aschaffenburg wird grüner Wasserstoff ab sofort zu einem festen Bestandteil bei der Energieversorgung.
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Pilotprojekt startet in Aschaffenburg

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Wegweisendes Wasserstoff-Projekt in Aschaffenburg

Aus grünem Strom wird grüner Wasserstoff: Der Staplerbauer Linde MH erzeugt ab sofort am Unternehmenssitz in Aschaffenburg den CO2-neutralen Energieträger. Damit werden in Zukunft insgesamt 21 Stapler der Werksflotte betankt.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Es ist ein in Deutschland bisher einzigartiges Projekt, gefördert vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr: Die Linde Material Handling GmbH (Linde MH) erzeugt ab sofort im Aschaffenburger Produktions- und Montagewerk aus grünem Strom grünen Wasserstoff.

Der Wasserstoff wird gespeichert um insgesamt 21 Stapler der Werksflotte damit zu betanken. Bei einem Termin am Donnerstag wurde die H2-Infrastruktur in Betrieb genommen und der erste Stapler betankt. Der Staplerbauer Linde MH spricht von einem wegweisenden Pilotprojekt für eine "skalierbare, industrielle Wasserstoffanwendung".

Stefan Prokosch, Brandmanager von Linde MH erläutert bei dem Termin am Unternehmenssitz in Aschaffenburg die Vorteile von Wasserstoff gegenüber der Lithium-Ionen-Technologie: In Zeiten fragiler Lieferketten habe man es hier mit einer stabilen Versorgung zu tun und der Tankvorgang dauert nur wenige Minuten.

Grüne Energie wird immer häufiger nachgefragt

Der erste Stapler wurde am Donnerstag betankt, innerhalb von drei Minuten, und kann nun eine halbe Schicht lang durchhalten. "Das geht schneller als mit der Lithium-Ionen-Technologie und ist unabhängig von fragilen Lieferketten", erklärt Stefan Prokosch: "Was wir merken – und das ist auch getrieben durch die Bundesregierung: Wasserstoff wird immer mehr nachgefragt. Die Kunden suchen nach Alternativen, wollen grüne Energie benutzen, wollen nachhaltiger werden – die Nachfrage hat in den letzten Monaten dramatisch zugenommen!"

Vorteile der Wasserstoff-Technologie

Geradezu euphorisch spricht Prokosch von den Vorteilen der Wasserstoff-Technologie: Sie sei nachhaltig, CO2 neutral, biete einen schnellen Tankvorgang und sei ein toller Energiespeicher. Die Anlagenteile der Wasserstoffinfrastruktur verteilen sich auf mehrere Module. Herzstück ist ein PEM (Polymer-Elektrolyt-Membran)-Elektrolyseur, der auf eine Produktionsmenge von 50 Kilogramm Wasserstoff pro Tag eingestellt ist. Hier wird gereinigtes und deionisiertes Trinkwasser mithilfe von grünem Strom in Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. In einem weiteren Container wird der Wasserstoff stufenweise auf 450 bar komprimiert und gelangt anschließend über Rohrleitungen und Ventile in die Hochdruckspeicher. Ein softwaregesteuertes Ventilsystem regelt die Zuleitung zum Dispenser, der Zapfsäule.

Hier schließen die Mitarbeiter die Fahrzeuge mit wenigen Handgriffen an. Innerhalb kurzer Zeit ist der Tankvorgang abgeschlossen.

Oberbürgermeister: Wichtiger Baustein in der Energiewende

"Das ist ein großer Tag für Aschaffenburg", sagt Oberbürgermeister Jürgen Herzing (SPD) bei dem Termin am Donnerstagmittag. Demnach laufen auch in der Stadt Aschaffenburg Planungen für eine Wasserstofftankstelle, überhaupt sei der Energieträger Herzing zufolge ein wichtiger Baustein in der Energiewende. "Wir diskutieren schon lange – auch während der Pandemie – haben wir uns länderübergreifend zusammengesetzt, mit Akteuren in Hessen, auch die Firma Linde war dabei – wer macht was, wie gehen wir strukturell vor. Es sind ja auch länderübergreifende Pipelines geplant. Und jetzt passiert endlich was, heute wird in Betrieb genommen und das ist das Besondere", so der Oberbürgermeister.

  • Zum Artikel: "Wasserstoff: Wann startet Bayern in die Zukunft?"

Produktionsanlage auf 280 Quadratmetern

Bereits seit 2019 laufen die Planungen für die neue Anlage, die samt Wasserstoffinfrastruktur etwa 2,8 Millionen Euro gekostet hat. Das Bundesverkehrsministerium fördert das Leuchtturmprojekt mit 886.000 Euro. Die Produktionsanlage ist in einer Bauzeit von elf Monaten auf einer 280 Quadratmeter großen Bestandsfläche an einer verkehrsgünstigen Stelle innerhalb des Fertigungs- und Montagewerks entstanden.

Blick in die Zukunft: Linde MH möchte Brennstoffzellenhersteller werden

Linde MH möchte Brennstoffzellenhersteller werden. Die Brennstoffzelle sei wichtig um am Ende die Logistik CO²-neutral zu machen. Laut Stefan Prokosch sind die großen Automobilkonzerne sehr interessiert an der Technologie und suchen nach Alternativen zur elektrischen Ladung. Wenn sich die Anlage in Aschaffenburg bewährt, werde sie auch an anderen Standorten Schule machen.

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