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Wegen Schadstoffen: Viele Wohnzimmeröfen gehören zum alten Eisen | BR24

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Ein Feuer im Ofen ist behaglich. Doch viele alte Öfen entsprechen nicht mehr dem Standard und müssen ausgetauscht werden.

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    Wegen Schadstoffen: Viele Wohnzimmeröfen gehören zum alten Eisen

    Früher gehörte ein Kachelofen oder ein Kamin in jedes Wohnzimmer. Heute machen die alten Feuerstätten Probleme. Nach dem neuen Immissionschutzgesetz verlieren immer mehr ihre Zulassung. Hausbesitzer müssen handeln – meist hilft nur der Austausch.

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    Von
    • Frank Strerath

    In Dörfles-Esbach bei Coburg kriechen die Handwerker in den Kachelofen eines Einfamilienhauses. Mehr als 33 Jahre hat die Heizanlage dort für wohlige Wärme im Wohnzimmer gesorgt, doch damit ist vorerst Schluss. Der Ofen muss raus. Der Rost hat der Ofenkammer zugesetzt. Die Eigentümer haben sich für den Einbau eines neuen Ofens entschieden, inklusive Heizkammer und Nachbrenner. Vom eigentlichen Kachelofen bleiben nur die gekachelten Außenwände, der Rest wird ersetzt. "Man hat den Rost gerade gesehen beim Rausnehmen, das hätte man theoretisch da und dort noch reparieren können, aber das Gerät erfüllt sowieso nicht mehr die Norm, und deswegen wird es komplett gewechselt", erklärt Ofenbau-Meister Olaf Pilz.

    Betriebserlaubnis läuft aus – Geräte werden jahrgangsweise aus dem Verkehr gezogen

    Die Bundesimmissionschutzverordnung sorgt für Bewegung in den Häusern. Schon 2012 liefen die ersten Betriebsgenehmigungen für Feuerstätten aus. Der 31.12.2020 war wieder ein Stichtag für Öfen. Hausbesitzer erfahren dies meist von ihrem Kaminkehrer. Bei der Feuerstättenbeschau muss dieser auch prüfen, ob die Öfen noch zugelassen sind. Mehr als ein Aufschub von sechs Monaten ist nicht drin. Bei Bezirkskaminkehrermeister Marc Schreiber sieht das dann so aus: "Ich setze nichts durch, sondern ich schreibe nur den Mangel auf, setze eine Frist, und wenn die Frist abgelaufen ist und nichts passiert ist, geht es an die zuständige Behörde zur Weiterverfolgung." Dann übernimmt je nach Kommune das Bauamt oder das Ordnungsamt.

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    Der alte Ofen muss raus: Ofenbauer Olaf Pilz in Dörfles-Esbach im Einsatz.

    Neue Öfen brauchen weniger Holz

    Viele Kunden nutzen diesen Termin, um den Kachelofen komplett zu erneuern. Das neue Gerät ist dann fit für die Zukunft und braucht auch weniger Holz. Besonders ausgeklügelt sind die neuen, computergesteuerten Belüftungsanlagen. Das Holz in den Öfen brennt dort optimal ab, und die Wärme bleibt erhalten. Knapp die Hälfte seiner Kunden nutzen das bei einer Umrüstung, bei Neubauten noch deutlich mehr, so Ofenbauer Pilz.

    Viel Holz heißt nicht immer viel Hitze

    Viele Ofenbesitzer können auch mit fachgerechtem Schüren den Heizbetrieb optimieren. Denn eine Ofenkammer sollte nur zu gut einem Drittel gefüllt werden, der Rest des Raums ist eigentlich für eine gute Luftversorgung zuständig. "Bei zu viel Brennmaterial schlagen die Flammen bis in den Kamin, das sorgt zwar für hohe Temperaturen, aber nicht im Haus", erklärt Ofenbauer Olaf Pilz. Dann geht die Wärme sprichwörtlich wieder zum Ofenrohr hinaus. Ein anderer Fehler ist das Verwenden von zu feuchtem Holz. Das rächt sich dann doppelt – zum einen muss zuerst einmal das darin enthaltene Wasser verdampfen, das mindert den Heizwert. Und außerdem werden bei nassem Holz deutlich mehr Schadstoffe freigesetzt.

    Filtereinsatz kann alten Ofen manchmal retten

    Nicht jeder Ofen muss ersetzt werden. Das ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Manche bieten auch nachrüstbare Filteranlagen an. Diese seien aber nur zu empfehlen, wenn der Ofen noch gut in Schuss sei. Oft hätten die nach 30 Jahren Dauerbetrieb schon die ein oder andere Schwachstelle, da lohne sich trotzdem der Austausch. Und davon profitiert dann nicht nur die Umwelt. "Das ist genauso wie bei den Autos, das hat sich einfach weiterentwickelt, die sind sparsamer, sind besser, sind komfortabler", meint der Ofenbaumeister.

    Schornsteinfeger kann Schadstoffe messen

    Wenn die Ofenanlage an sich noch gut funktioniert, lohnt sich manchmal auch eine einfache Messung der Schadstoffe. Denn manche Öfen sind besser als ihr Ruf und ihr Typenschild. Besonders geschulte Schornsteinfeger messen die tatsächlichen Schadstoffe, die am jeweiligen Ofen entstehen. Erfüllen diese die neuen Normen, dann können die Öfen auch weiter betrieben werden. Doch wenn sie bei den Messungen durchfallen, kostet es doppelt – die Messung und die anschließende Modernisierung.

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