Eine leere Kindergartengruppe (Symbolbild)
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Eine leere Kindergartengruppe (Symbolbild)

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Wegen Personalmangels: Speed-Dating im Kindergarten

Der Fachkräftemangel in Kindergärten und Krippen wird immer dramatischer. Aus lauter Verzweiflung versucht es das Kinderhaus im niederbayerischen Weng bei Landshut nun mit einem Job-Speed-Dating.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am .

Idylle pur am Ortsrand von Weng. Mitten im Grünen steht der moderne Kindergarten, ein paar Meter weiter die neu errichtete Kinderkrippe. Das Einzige, was fehlt, ist geeignetes Personal, sagt Sabine Klinger, die Leiterin der Einrichtung mit aktuell rund 125 Kindern. Sie müssten dringend eine weitere Gruppe in der Kinderkrippe eröffnen, die Warteliste ist lang. Auch die Räume stehen bereit, doch es fehlt das Personal. Alle Versuche, mit Zeitungsannoncen neue Mitarbeiter zu finden, sind gescheitert.

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Speed-Dating als Ausweg

Ein Problem, das etliche Betreuungseinrichtungen in Bayern kennen. Tausende Mitarbeiter fehlen in den Kindertagesstätten. Ein Ende des Mitarbeitermangels ist nicht in Sicht. Einrichtungen müssen bei ihrer Suche nach Angestellten daher immer einfallsreicher werden. Im niederbayerischen Weng bei Landshut versucht man es jetzt mit einem Job-Speed-Dating. "Eine Kollegin aus dem Team hatte die Idee und ich war gleich Feuer und Flamme. Wir dürfen nichts unversucht lassen", sagt die Kindergartenleiterin. Am Montag ist es soweit. Das erste Job-Speed-Dating in der Kindekrippe in Weng bei Landshut startet.

Ganz ohne das übliche Prozedere mit Bewerbungsschreiben können sich Interessierte ihren potentiellen neuen Arbeitsplatz anschauen und zum Speed-Dating kommen. Ohne Lebenslauf, Passfoto und Zeugnisse.

Kennenlernen steht im Vordergrund

"Es geht einfach darum, sich mal kennenzulernen und den Arbeitsplatz zu sehen", so die Leiterin des Kinderhauses, das Kindergarten und Krippe umfasst. "Es geht darum, herauszufinden, ob das Zwischenmenschliche schon mal passt. Das Kennenlernen erfolgt in lockerer Atmosphäre auf Hockern im Garten der Krippe. Ohne dieses typische Bewerbungsverfahren und ohne gleich auf Leistung zu schauen, sondern eher auf die Persönlichkeit", sagt die Teamleiterin.

Gesucht werden Erzieherinnen und Kindergärtnerinnen, Männer sind natürlich genauso erwünscht. Auf die Frage, was denn die Kinderkrippe in Weng zu bieten habe als Arbeitgeber beginnen die Augen der jungen Chefin zu leuchten: "Wir haben einen wunderschönen Arbeitsplatz mit großem eigenem Garten, die Kinderkrippe ist ganz neu errichtet und es warten tolle Kolleginnen, die alle Lust haben im Team zu arbeiten."

Auch Kinder und Eltern hoffen auf neues Personal

Jetzt hoffen sie, dass an diesem Montag um 16 Uhr auch Bewerber zum ersten Job-Speed-Dating in der Kinderkrippe kommen. Eine Anmeldung war nicht erforderlich. Auch die Kinder würden sich auf Verstärkung im Betreuerteam freuen, sagt die Leiterin. Und natürlich vor allem die Eltern der Kinder, die auf der Warteliste stehen. Und deren Kleine wegen des Personalmangels noch keinen Krippenplatz bekommen haben.

Tausende Mitarbeitende werden benötigt

Auch in den kommenden Jahren werden Kindergärten und Kinderkrippen mit einem Mangel an Mitarbeitenden zu kämpfen haben. Gründe dafür sind unter anderem der Ausbau der Kinderbetreuung und der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulbereich, der ab 2026 greife, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums dem Bayerischen Rundfunk bereits im Frühjahr. Um dagegen anzugehen, setzt man auch auf Quereinsteiger.

Die Nachfrage nach Ganztagesbetreuung steigt kontinuierlich, sowohl prozentual als auch in absoluten Zahlen. Im Schuljahr 2021/22 hatten rund 54 Prozent der Grundschulkinder einen Platz in der Ganztagesbetreuung. Bis 2028 rechnet das Sozialministerium mit einem Bedarf von 80 Prozent. Das bedeutet: Rund 130.000 neue Plätze müssten in den nächsten fünf Jahren geschaffen werden.

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