Archiv: Der Ringpark in Würzburg.
Bildrechte: BR/Sylvia Bentele

Archiv: Der Ringpark in Würzburg.

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Wegen Klimawandel: Würzburg bekommt Millionenförderung vom Bund

Unterfranken gilt als eine der trockensten Regionen in Bayern. Auch der Würzburger Ringpark und seine knapp 4.800 Bäume leiden. Um den Park in Sachen Klimawandel fit zu machen, bekommt die Stadt knapp 1,3 Millionen Euro Fördergelder vom Bund.

Er gilt als die "grüne Lunge" von Würzburg, der 34 Hektar große Ringpark. Mit seinen knapp 4.800 Bäumen, Hecken und Wiesenflächen ist er wichtig, um die Stadt im Sommer zu kühlen. Doch Unterfranken hat seit vielen Jahren mit Hitze und Trockenheit zu kämpfen. Der Regierungsbezirk gilt als eine der trockensten Regionen in Bayern.

Bäume in Würzburg sind der Trockenheit zum Opfer gefallen

Darunter leidet auch der Ringpark in Würzburg. Die Stadt liegt in einem Talkessel und im Sommer kann es sehr heiß werden. In den vergangenen Jahren mussten jeweils etwa 500 Bäume im gesamten Stadtgebiet gefällt werden, weil sie nicht mehr standfest waren. Deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Obwohl das Gartenamt der Stadt Würzburg die Bäume im Ringpark in den heißen Monaten gießt, sind auch dort Bäume abgestorben. "Im Jahr 2020 waren es zum Beispiel 109 Bäume, die zum Teil bis zu 200 Jahre alt waren", sagte Christian Weiß, der Pressesprecher der Stadt Würzburg, zu BR24.

Knapp 1,3 Millionen Euro Fördergelder in Sachen Klimawandel

Wie kann man den Ringpark fit machen in Sachen Klimawandel? Wie kann man die Bäume besser mit Wasser versorgen? Für Maßnahmen bekommt die Stadt Würzburg nun 1,275 Millionen Euro Fördergelder vom Bund. Würzburg wurde in das Bundesprogramm "Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel" aufgenommen.

"Der Ringpark der Stadt Würzburg ist die grüne Lunge der Stadt und unser Naherholungszentrum. Er hat eine enorme Bedeutung für die Lebensqualität in Würzburg. Er leidet jedoch als grüne Lunge besonders unter dem Klimawandel. Deswegen ist es wichtig, dass wir vom Bund finanzielle Unterstützung erhalten, um unserer Oase noch besser helfen zu können", freut sich Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) über die Unterstützung des Bundes.

Kühlende Wirkung des Parks bis in die dicht bebaute Altstadt

Der Park bietet inmitten übererwärmter städtischer Bereiche einen wichtigen Erholungs- und Rückzugsraum für die Menschen. Zudem sei der Ringpark so groß, dass seine kühlende Wirkung sogar rund 100 Meter in die dicht bebaute Altstadt hineinreiche, heißt es von der Stadt.

Ungenutzte Quelle soll Wasser für Ringpark-Bäume liefern

Konkret geht es um eine neue Bewässerung im Ringpark. Bis jetzt gießen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gartenamts die Bäume mit Tankwagen, die mit Grundwasser oder Wasser aus dem Main gefüllt sind. In Zukunft wollen sie aber Wasser aus einer Quelle verwenden, die aktuell nicht genutzt wird. Das Wasser soll in einem Teich gespeichert werden und die Bewässerung soll dann automatisiert laufen, heißt es von der Stadt weiter.

Gartenamt ist in Planungen involviert

Das Gartenamt hat eine Projektskizze erarbeitet. Jetzt wo die Zusage für die Fördergelder da ist, geht es an die konkrete Umsetzung: Was für eine Technik ist nötig? Wo müssen Leitungen verlaufen? Wie funktioniert die Automatisierung. "Wann es konkret losgeht, können wir aktuell noch nicht abschätzen", so Pressesprecher Weiß zu BR24.

Weiterer Faktor: Klimaresistente Bäume pflanzen

Auf dem Plan steht außerdem, neue Baumarten im Ringpark zu pflanzen, die mit Hitze und Trockenheit besser zurecht kommen. Aktuell gibt es 220 Arten vom Bäumen im Ringpark, zum Beispiel heimische wie die Rot-Buche oder die Winter-Linde, aber auch seltene und exotische Arten wie die Gurken-Magnolie aus Nordamerika, die persische Eiche oder der Kuchenbaum aus Japan.

Das Bundesprogramm "Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel" will Projekte fördern, bei denen es um Klimaschutz, Klimaanpassung und CO2-Reduzierung geht: "mit hoher fachlicher Qualität, mit überdurchschnittlichem Investitionsvolumen oder mit hohem Innovationspotenzial", heißt es.

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Der Ringpark in Würzburg.

Unterfranken von Trockenheit besonders stark betroffen

Ausgetrocknete Bachläufe, braungefärbte Wiesen und Weinberge: Im Norden Bayerns war es 2022 wieder heißer und trockener als im Rest des Freistaats. In Unterfranken war das Regendefizit besonders groß. Laut dem Klimaforscher Heiko Paeth von der Uni Würzburg fehlt seit 2015 im Raum Würzburg der durchschnittliche Niederschlag eines gesamten Jahres: "Wir haben schon eine Wasserkrise und sind uns dessen noch nicht bewusst."

Uni Würzburg: Seit Jahren immer weniger Regen

Heiko Paeth und seine Kollegen und Kolleginnen beobachten das Wasserdefizit im Raum Würzburg schon seit Januar 2010. Die Forscherinnen und Forscher analysieren regelmäßig, ob es zu viel oder zu wenig geregnet hat. Üblicherweise folgen auf Monate mit wenig Regen immer wieder Monate mit viel Regen. "Doch seit 2015 geht das bei uns in mehreren Wellen nach unten", sagt Paeth.

Demnach fehlen in Würzburg seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts 588 Liter Niederschlag pro Quadratmeter (Stand: Mitte Dezember 2022). Das entspricht in etwa einer durchschnittlichen Jahresmenge Niederschlag in Würzburg. "Das zeigt, dass uns auch ein einzelnes feuchtes Jahr nicht retten kann", so Paeth. Als Vergleichsgröße für ihre Berechnung wählten die Forscher die Jahre 1961 bis 1990 – so sei es in der Klimaforschung üblich.

Klimawandel hat Auswirkungen auf Landwirtschaft

Zur Häufung der trockenen Sommer und der zurückgehenden Jahresniederschläge in Unterfranken sagt Paeth: "Das ist durch reine Zufallsschwankungen nicht mehr zur erklären." Es handle sich um ein Ergebnis des menschengemachten Klimawandels. Landwirte berichteten von Ernteeinbußen von bis zu 30 Prozent beim Getreide oder der Zuckerrübe. Auch die Weinbau-Betriebe haben zu kämpfen. Die Regierung von Unterfranken hatte im vergangenen Sommer sogar zum Wassersparen auf.

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