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Wegen Corona: Wanderstock-Boom in Pottenstein | BR24

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Bildrechte: BR/Tobias Burkert

Der Umsatz des Wanderstock-Herstellers Thomas Büttner ist zuletzt stark gestiegen.

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Wegen Corona: Wanderstock-Boom in Pottenstein

Raus in die Natur! In der Corona-Pandemie gilt dieses Motto für viele Menschen mehr denn je. Wandern erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Ein Trend, der einem Wanderstock-Macher aus der Fränkischen Schweiz viele Aufträge bringt.

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Von
  • Tobias Burkert

Eine kleine Garage, umfunktioniert zur Holzwerkstatt - das ist Thomas Büttners Wirkungsstätte in Pottenstein in der Fränkischen Schweiz. Überall lehnen Holzstöcke in verschieden Längen, Durchmessern und Maserungen an der Wand. Manche sind schon fertig bearbeitet und warten auf Versendung, andere haben noch die Rinde drauf.

Büttner fertigt Wanderstöcke und Pilgerstäbe. Angefangen hat er damit 2015. Damals verkaufte er nur ein paar Stück pro Monat, doch die Nachfrage ist stetig gestiegen, so dass der 53-Jährige heute davon leben kann.

Wanderstock-Hersteller verfünffacht seinen Absatz

Einer der Gründe, warum Büttner seit Beginn der Corona-Pandemie so viele Bestellungen hat: In der Pandemie suchen die Leute wieder mehr Halt – und das eben auch beim Wandern, glaubt Büttner. Der Absatz hat sich in den vergangenen Monaten mehr als verfünffacht. Die Menschen könnten nicht viel unternehmen im Lockdown, so Büttner. Wandern sei eine einfache Möglichkeit, die Freizeit sinnvoll zu gestalten. Ein Wanderstab aus seinem Hause erde die Wanderer auch und sei zudem ein echter Hingucker.

Handwerker sammelt Holz aus der Region Pottenstein

Jeder Stock ist ein Unikat. Egal ob ganz kurze mit Wurzelansatz oder zwei Meter lange Pilgerstäbe mit Schlaufe für weitere Wege, vielleicht ja sogar für den Bayerischen Jakobsweg: in jedem Wanderstock steckt stundenlange Arbeit.

Am meisten verwendet Büttner Fichtenholz, Schwarzdorn oder Haselnuss. Diese Hölzer findet er in Wäldern rund um Pottenstein. Ein guter Stock müsse vor allem lang und gerade sein und je nach Kundenwunsch den richtigen Durchmesser haben. Die Entscheidung für den jeweiligen Stock falle je nach Bauchgefühl.

Wer die Säge im Wald ansetzt, sollte dies aber vorher unbedingt abklären, so Büttner, sonst kann es schnell Ärger geben. Das Einverständnis des Waldbesitzers sei unbedingt erforderlich. Manche Gewächse, wie Eibe oder Wacholder, seien zudem geschützt und dürften nicht einfach mitgenommen werden.

Wanderer erhalten einen Stock aus Handarbeit

Mindestens vier Wochen müssen die Stöcke aus dem Wald trocknen. Dann erst kommt die Rinde runter, anschließend wird mit der Flex geglättet und mit dem Bunsenbrenner flambiert. Das Feuer verschließt die Poren und macht das Holz haltbar. Abschließend fehlt noch Bienenwachs zur Versiegelung. Jetzt kann Büttner den Stock in den Karton packen und verschicken.

Personalisierter Wanderstock aus der Fränkischen Schweiz

Der Kunde kann sich seinen Stock online nach seinen speziellen Bedürfnissen zusammenstellen: Mit oder ohne Gravur, gegebenenfalls eine Schlaufe, auch Länge, Durchmesser und Holzart sind variabel. Zwischen 60 und 100 Euro etwa kosten die verschiedenen Stöcke. Manchmal gibt es auch einmalige Sonderanfertigungen. Ein Wanderfreund zum Beispiel wollte einen Wanderstock mit Trinkbecherhalterung für das Schnäpschen zwischendurch. Büttner macht das möglich. Er hat inzwischen Kunden in ganz Europa, vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Für den 53-Jährigen ist Wanderstock-Macher schlichtweg der Traumjob. Was ihm jetzt noch fehlt, ist mehr Platz. Denn die kleine Garage reicht wegen der gestiegenen Nachfrage mehr aus.

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