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Schüler einer 4. Klasse stellen sich mit Abstand auf dem Schulhof zum Unterricht an

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Virologin fordert für jede Schule individuelles Hygienekonzept

Regelbetrieb an Bayerns Schulen ab September: Darauf hofft der Kultusminister. Auch Alternativpläne zum Schulbeginn liegen laut Piazolo bereit. Die Virologin Protzer rät zudem dringend zu umfassenden Hygienekonzepten - für jede Schule individuell.

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Von
  • Katrin Bohlmann

Die Sommerferien stehen vor der Tür, aber an Entspannung und Spaß ist für bayerische Schulleitungen wohl nicht zu denken. Schon jetzt müssen sie das neue Schuljahr planen, das am 8. September beginnt: Stundenpläne und die Zusammensetzung der Klassen, aber auch Corona-bedingte Maßnahmen, wie Abstandsregeln oder ganz banal – die richtige Lüftung der Räume.

Die Erfahrungen, Sorgen und Wünsche von Schülern, Eltern und Lehrern stehen im Mittelpunkt des dreitägigen BR-Themenschwerpunkts "Lernen am Limit: Corona, die Schule und ich!" von Montag, 20. Juli, bis Mittwoch, 22. Juli 2020, im Bayerischen Rundfunk.

Protzer rät zu passgenauen Hygienekonzepten

Damit Schüler und Lehrer möglichst sicher den Schulalltag absolvieren können, fordert Ulrike Protzer, Virologin an der Technischen Universität München, dass jede Schule ein Hygienekonzept für September erarbeiten sollte. "Ich rate allen: Bereitet euch jetzt vor, nutzt die Zeit jetzt", rät Protzer. "Eine Woche vor Schulbeginn ist zu spät."

Jede Schule ist anders. Entsprechend muss das Hygienekonzept der jeweiligen Schule angepasst werden, sagt die Virologin. "Es müssen die Räumlichkeiten passen, die Größe der Schule, die unterschiedlichen Wege. Da gibt es einfach von Schule zu Schule sehr viel Unterschiede."

Forderung: Externer Hygienebeauftragter für jede Schule

Außerdem fordert Ulrike Protzer, in jeder Schule einen eigenen externen Hygienebeauftragten einzusetzen. "Die Lehrer haben schon genug damit zu tun, mit den Schülern das aufzuholen, was seit der Corona-Krise versäumt wurde." Ein Hygienebeauftragter wäre speziell geschult. Er wüsste, welche Maßnahmen man konkret braucht, wie sie umgesetzt werden, wie er Schülern hilft, mit Eltern kommuniziert und wie er Eltern unterstützen kann, erklärt die Virologin. Der Experte könnte zum Beispiel aus dem öffentlichem Gesundheitsdienst abgestellt werden.

Sechs Corona-Ausbrüche an Bayerns Schulen

Unterdessen teilt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auf BR-Anfrage mit, dass seit Ende Januar dieses Jahres sechs Corona-Ausbrüche an bayerischen Schulen gemeldet wurden. Insgesamt wurden 23 Erkrankungsfälle übermittelt. Die jeweiligen Gesundheitsämter müssen dem LGL die Fälle melden.

Petition der Eltern: "Masterplan Bildung Bayern"

Mehr als 700 Eltern, aber auch Schüler und Lehrer fordern jetzt per Petition Kultusminister Piazolo dazu auf, einen sogenannten "Masterplan Bildung Bayern" für das kommende Schuljahr vorzulegen. Viele Kinder hatten in diesem Sommerhalbjahr nur drei Wochen Unterricht in der Schule – das ist die Bilanz vieler Eltern, wenn jetzt am Freitag das Corona-Schuljahr endet, berichtet Christine Harttmann, Initiatorin der Petiton. "Ziel muss sein, dass allen Kindern und Jugendlichen das Recht auf Bildung nach Artikel 128 der bayerischen Verfassung wieder vollumfänglich und gleichberechtigt gewährt wird."

Familien sehr unzufrieden mit Lern-Situation

Wie schon die nicht repräsentative BR-Umfrage gezeigt hat, sind Eltern, Schüler und Lehrer unzufrieden mit der Corona-bedingten Situation an Bayerns Schulen. Innerhalb weniger Tage gab es mehr als 1.000 Rückmeldungen per Video, Facebook-Post und Online-Kommentar auf den Aufruf des BR.

Auch Christine Harttmann, die Initiatorin der Petition, hat von vielen Eltern gehört: Lernen daheim hat oft gar nicht oder nur sehr unbefriedigend funktioniert. Alles war abhängig vom persönlichen Einsatz der jeweiligen Schulleitung und der Lehrkraft. "Es gab sehr engagierte und digital affine Lehrkräfte, die ganze Webseiten programmierten, um ihre Schüler zu unterstützen, aber auch solche, die sich darauf beschränkten, sporadisch einen Stapel Arbeitsblätter zu verschicken", so die Münchner Mutter.

Eltern fordern "verlässlichen Plan"

Unterricht mit Abstandsregeln und ohne dauerhafte Präsenz muss trotzdem Bildung vermitteln können, sagen Eltern, Schülern und Lehrer in ihrer Petition. "Nach den vielen Wochen des Stillstands in Bayerns Schulen brauchen wir nun endlich einen verlässlichen Plan, wie es im September weitergeht", sagt Christine Harttmann. "Sich einfach darauf zu verlassen, dass nach den Ferien Schule ohne Einschränkungen dauerhaft möglich ist, halte ich für naiv, solange es keinen Impfstoff gibt."

Die Eltern planen am Freitag, also am Tag der Zeugnisvergabe, Bayerns Kultusminister Michael Piazolo die Petition persönlich zu überreichen. Eine entsprechende Anfrage läuft.

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Von heute auf morgen hieß es Mitte März: Schule findet jetzt zu Hause statt. Das sogenannte Homeschooling war für alle Beteiligten eine Herausforderung. Jetzt wirft die geplante Rückkehr zum Regelbetrieb Fragen auf.

Online-Hilfsangebot für Kinder und Jugendliche

"Corona und Du" - dieses Infoportal im Internet soll psychisch stark machen in Zeiten der Corona-Krise. Hier gibt es leicht umsetzbare Tipps, gezielt für junge Leserinnen und Leser: Wie wirkt sich die Corona-Zeit auf uns aus? Was tun gegen Langeweile oder Stress? Wohin kann man sich mit Sorgen und Problemen wenden? Die Webseite wurde von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des LMU-Klinikums München gestartet und ist hier zu finden.

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