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Wegen Corona: Traditionsgeschäft schließt nach 199 Jahren | BR24

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Mit Soforthilfen versucht die Politik, Unternehmen durch die Krise zu helfen. Nicht immer mit Erfolg. In Regensburg muss nun ein Traditionsgeschäft schließen. Zwei Weltkriege hat die Zinngießerei Wiedamann überlebt - die Corona-Pandemie nicht mehr.

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Wegen Corona: Traditionsgeschäft schließt nach 199 Jahren

Mit Soforthilfen versucht die Politik, Unternehmen durch die Krise zu helfen. Nicht immer mit Erfolg. In Regensburg muss nun ein Traditionsgeschäft schließen. Zwei Weltkriege hat die Zinngießerei Wiedamann überlebt - die Corona-Pandemie nicht mehr.

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Soforthilfen, Steuerstundungen und eine gesenkte Mehrwertsteuer: Die Politik versucht, die negativen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern. Trotzdem muss Ursula Füßl, Inhaberin vom Haus Wiedamann in der Regensburger Altstadt, das traditionsreiche Familienunternehmen nun endgültig schließen - bis Jahresende läuft der Ausverkauf noch.

Das Haus wird verkauft

Auch wenn die Touristen ausbleiben, kommen noch viele Stammkunden, die die Schließung bedauern. "Wir haben diese Entscheidung tatsächlich mit dem Lockdown getroffen. Wir waren immer sehr hin- und hergerissen: Machen wir weiter oder nicht?", sagt Ursula Füßl, die das Haus Wiedamann mittlerweile in siebter Generation führt. Einiges sei zusammengekommen und Corona und die Geschäftsschließungen im Frühjahr hätten ihr dann endgültig gezeigt, dass sie diese Krise nicht mehr durchstehen. Nun wird das Haus in der Brückstraße verkauft und die Familie zieht hinaus aufs Land.

Zinngießerei seit 1821

1821 wurde die Zinngießerei Wiedamann gegründet. Vor allem für Ursula Füßls Großvater war das Zinngießen nicht nur Handwerk, sondern auch Kunst und Design. Während vorher barocke Formen und der Jugendstil das Zinnhandwerk prägten, fertigte Richard Wiedamann gerne auch im Bauhausstil. 1937 wurde er mit dem Grand Prix auf der Weltausstellung in Paris geehrt. Während in Ursula Füßls Kindheit noch viele Zinngießer im Hinterhaus in der Werkstatt arbeiteten, musste sie in den 1980er-Jahren aufgegeben werden.

200. Geburtstag fällt aus

Ursula Füßl bedauert sehr, dass es zwar in vielen Haushalten noch Zinngeschirr gibt, dieses aber oft nicht genutzt werde. "Ich finde es immer ganz schade, wenn die Leute sagen: 'Oh, ich habe so viel Zinn zu Hause - wohin damit?' Dann sag ich immer: 'Benutzen sie es halt'. Weil, es ärgert einen natürlich schon, wenn ich es nur abstauben muss. Von daher sollte man immer schauen, dass man damit auch lebt."

Ursula Füßls Kinder etwa kennen den Brotkorb nur aus Zinn. Den hat ihr Großvater in den 1930ern- oder 1940er-Jahren gefertigt. Der Brotkorb ist damit fast genauso alt wie Ursula Füßls Mutter. Rosemarie Wiedamann feiert im Mai 2021 ihren 90. Geburtstag. Nur den 200. Geburtstag vom Haus Wiedamann werden sie nicht mehr feiern können.

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