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Fünf Personen dürfen sich gerade in einer Selbsthilfegruppe treffen. Doch oft kommen nicht mal diese Treffen zustande. Zu ängstlich und depressiv sind viele Betroffene mittlerweile, schildern Verantwortliche aus dem Rottal. Sie kämpfen um Kontakt.

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Wegen Corona: Selbsthilfegruppen kämpfen um Kontakt zu Patienten

Fünf Personen dürfen sich gerade in einer Selbsthilfegruppe treffen. Doch oft kommen nicht mal diese Treffen zustande. Zu ängstlich und depressiv sind viele Betroffene mittlerweile, schildern Verantwortliche aus dem Rottal. Sie kämpfen um Kontakt.

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Von
  • Katharina Häringer
  • BR24 Redaktion

Gabriele Maierhofer lebt seit mehr als 15 Jahren mit der Krankheit Fibromyalgie. Ihr Schmerz wandert. Mal ist er im Knie, mal auf der Haut, mal im Kopf. Fibromyalgie ist keine entzündliche Erkrankung, sondern eine Störung der Schmerzwahrnehmung. Die Psyche spielt eine wichtige Rolle. Seit dem Lockdown haben ihre Schmerzen in der Hüfte deutlich zugenommen, sagt Maierhofer. Ihr fehle ihre Selbsthilfegruppe in Bad Füssing (Lkr. Passau). Dort kann sie sagen, wie es ihr wirklich geht. "Wenn ich erzähle, dass mich mein Partner im Moment nicht anfassen darf, weil jede Berührung schmerzt, dann versteht das der Partner daheim nicht. In der Gruppe aber ist Verständnis da. Und das gibt mir Kraft."

Online-Formate erweisen sich als oberflächlich

Treffen sind Corona-bedingt derzeit nur zu fünft möglich. Die Folge: Die Betroffenen kommen gar nicht mehr, sagt Maierhofer. Sie hat versucht, mit Online-Sitzungen die Teilnehmer bei der Stange zu halten. Doch auch dabei macht kaum jemand mit, bestätigt auch Stefan Duschl. Er leitet eine Selbsthilfegruppe in Pfarrkirchen (Lkr. Rottal-Inn). "Wenn der Ehemann oder die Kinder mit im Raum sind, trauen sich Betroffene nicht, über ihre Beschwerden zu sprechen", sagt er.

Umfrage zeigt: Schmerzen nehmen zu

Duschl ist stellvertretender Vorsitzender im Fibromyalgie-Verein Bayern. Gemeinsam mit der ersten Vorsitzenden Claudia Dexl hat er im Lockdown einen Fragebogen erstellt. Knapp 300 Fibromyalgie-Patienten haben ihn ausgefüllt zurückgeschickt. Das Ergebnis: Das Schmerzempfinden nimmt zu. Auf einer Schmerz-Skala von eins bis zehn haben sich die meisten Betroffenen vor Corona bei fünf verortet. Jetzt, während der Pandemie, liegt das Schmerzempfinden der meisten bei sieben und acht. Müdigkeit, Gereiztheit und Erschöpfung nehmen zu. Bewegung wird weniger. Die Umfrage zeigt, dass die Leute mehr über ihre Krankheit und den Schmerz nachdenken, ins Grübeln geraten und Ängste entwickeln.

Bayerische Staatsregierung erteilt keine Ausnahmegenehmigung

Gerade das könnten Gespräche in der Selbsthilfegruppe ändern, davon ist Claudia Dexl überzeugt. Deswegen hat Dexl Ende Februar dem Bayerischen Gesundheitsministerium das Ergebnis der Umfrage geschickt. Mit der Forderung, eine Ausnahme zu machen für Selbsthilfegruppen. Doch die wird es nicht geben, hat das Ministerium vor einer Woche geantwortet. Zu groß sei das Ansteckungsrisiko. Dexl und Duschl können das nicht verstehen. Sie erreichen einige Mitglieder gar nicht mehr, erzählen sie. Die beiden sind der Meinung, Fibromyalgie-Patienten könnten sich selbst an Hygienekonzepte halten. "Der Erkrankte ist sowieso sensibel. Der weiß, wie er die Hygiene-Regeln einzuhalten hat. Das wird er tun. Er hat ja Angst, dass er sich ansteckt", sagt Duschl.

Konzept für baldige Treffen

Einen Tipp gibt das Gesundheitsministerium: Für Ausnahmegenehmigungen sei die örtliche Kreisverwaltungsbehörde zuständig, heißt es. Gabriele Maierhofer aus Bad Füssing hat dem Landratsamt schon geschrieben. Ihr Konzept sieht Fiebermessen und tagesaktuelle Schnelltests vor. Sie hofft, ihre Gruppe bald wieder sehen zu können.

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