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Seelenschmerz nach Corona - Mehr Menschen mit Depressionen | BR24

© dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

Mann steht vor dunklem Himmel - Symbolbild.

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    Seelenschmerz nach Corona - Mehr Menschen mit Depressionen

    Psychische Probleme wie Depressionen haben durch die Corona-Krise zugenommen. Das bestätigen Psychiater. Erste Fallzahlen der Kassenärztlichen Vereinigung deuten ebenfalls darauf hin. Und Experten warnen: es kann noch schlimmer werden.

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    Depressionen und andere psychische Erkrankungen haben nach der Einschätzung von Psychiatern zugenommen seit die Corona-Krise ausgebrochen ist. Die Experten warnen: es kann noch schlimmer werden.

    Die coronabedingten Ursachen für psychische Probleme sind ganz unterschiedlich: Kurzarbeit, Kündigungen, Insolvenz, Beziehungsprobleme, Quarantäne, kein Kontakt zu Freunden oder der Familie. Alle können davon betroffen sein, sagen Psychiater und Psychotherapeuten: alle Altersgruppen, alle Schichten, Frauen und Männer. Aber vor allem junge Familien, Angehörige von Pflegebedürftigen oder Verstorbenen, Mitarbeiter von Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie ältere Menschen erkranken psychisch. Dabei suchen mehr Frauen als Männer Hilfe, etwa doppelt so viele.

    Münchner Bündnis gegen Depression: Ängste sind größer geworden

    Karolina de Valerio war vor langer Zeit selbst erkrankt. Seit 24 Jahren hilft sie nun anderen Betroffenen – beim Münchner Bündnis gegen Depression. Am Telefon oder im persönlichen Gespräch berät sie Hilfesuchende, gibt ihnen Tipps. "Dass ich die Krankheit selbst durchgemacht habe, ist der Türöffner. Sie müssen mir nicht erzählen, dass es jetzt schwierig ist, dass sie vieles nicht schaffen, dass die Ängste zugenommen haben, dass die Traurigkeit größer ist, dass das Bedrohungsgefühl durch Corona schlimmer geworden ist", sagt die 58-Jährige.

    Soziale Kontakte überlebenswichtig für psychisch Erkrankte

    Anhaltende Traurigkeit, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen sind erste mögliche Anzeichen einer psychischen Erkrankung. Zu Beginn der Corona-Pandemie hat das Team vom Münchner Bündnis gegen Depression eine Flut von Anrufen erwartet und seine Beratungszeiten verdoppelt. Denn stationäre Einrichtungen waren geschlossen, Treffen von Selbsthilfegruppen und andere soziale Kontakte fielen aus. "Für unsere Klienten sind die sozialen Kontakte überlebenswichtig. Nicht nur die Therapiekontakte, auch keine Freunde mehr zu treffen, nichts mehr gemeinsam zu unternehmen, kein Sport mehr zu machen, das ist sehr schwierig", sagt Karolina de Valerio.

    Bundesverband Deutscher Psychiater: Ansturm von Patienten erlebt

    Dabei haben sich in den vergangenen drei Monaten zwar mehr Hilfesuchende beim Münchner Bündnis gegen Depression gemeldet, aber eine große Zunahme blieb aus. Dagegen haben Psychiater mit Beginn der Corona-Krise einen regelrechten Ansturm erlebt, berichtet Christa Roth-Sackenheim, die Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Psychiater. "Es sind auch mehr Antidepressiva verschrieben worden. Sie sind genauso zugelassen zur Behandlung von Angststörungen und das hat deutlich zugenommen. Auch Schlafstörungen, Unruhe, Nervosität und eine ständige Wachsamkeit. Das hat zu einer hohen Krankheitslast geführt."

    Bayerische Psychotherapeutenkammer warnt vor möglicher Zunahme

    Auch wenn die offiziellen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung noch nicht veröffentlicht wurden, gibt es belastbare Hinweise, dass es mehr Menschen mit psychischen Problemen gibt, stellt der Bundesverband Deutscher Psychiater fest. Das bestätigt der Präsident der Bayerischen Psychotherapeutenkammer (PTK) Nikolaus Melcop. Der Grund ist die Corona bedingte zunehmende Belastung in den vergangenen Monaten. Der PTK-Präsident warnt: Sollte die Corona-Krise anhalten oder eine zweite Welle kommen, könnte die Situation noch schlimmer werden. "Wer die erste Krise gut bewältigt hat, fühlt sich gut aufgestellt. Aber wer da Probleme hatte, sich nicht gut anpassen kann oder wer sich inzwischen sehr fremd bestimmt fühlt durch die Beschränkungen, der bekommt sicherlich erneut wieder Belastungen psychischer Art", so der Landshuter Psychotherapeut.

    Auch das Münchner Bündnis gegen Depression bleibt weiter in Alarmbereitschaft. Wie auch andere Einrichtungen in Bayern geht es davon aus, dass es zeitverzögert zu einer Welle von Neuerkrankungen kommt und immer mehr Menschen psychiatrische Hilfe brauchen. Parallel startet der Münchner Verein in zwei Wochen (10. bis 30. Juni) eine große Aufklärungskampagne, um auf die Gefahr aufmerksam zu machen, wie schnell aus Krisen Depressionen werden können – gerade in Zeiten von Corona.

    Hier finden Sie Hilfe:

    - Münchner Bündnis gegen Depression: 089 540 45 120

    - Krisendienst Psychiatrie: 0180 655 3000

    - Ev. Telefonseelsorge: 0800 111 01 11

    - Kath. Telefonseelsorge: 0800 111 02 22

    - Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117

    - Kinder- und Jugendtelefon: 0800 111 03 33

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