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Wegen Corona: Landeskirche stimmt auf rigiden Sparkurs ein | BR24

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Das Kirchenparlament muss den Haushalt für das kommende Jahr beschließen. Keine leichte Aufgabe, denn die Einnahmen sind -auch wegen Corona- deutlich zurückgegangen.

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Wegen Corona: Landeskirche stimmt auf rigiden Sparkurs ein

100 Millionen Euro weniger Kirchensteuern wegen Corona. Für die evangelische Kirche bedeutet das, dass sie sparen muss. Wo der Rotstift angesetzt wird, darüber entscheidet unter anderem das Kirchenparlament, das sich ab heute digital trifft.

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Von
  • Barbara Schneider

Die evangelische Landeskirche bekommt die Folgen der Corona-Pandemie deutlich zu spüren. Die Kirchensteuereinnahmen sind in diesem Jahr um rund zwölf Prozent eingebrochen, sagt Oberkirchenrat Nikolaus Blum. Das sind rund 100 Millionen Euro an Kirchensteuermitteln, die der Kirche fehlen.

Corona reißt große Lücke in kirchlichen Haushalt

"Das ist eine Hypothek für die nächsten Jahre, wir bilden uns nicht ein, dass wir diesen großen Einschnitt jetzt kurzfristig ausgleichen können", sagte Blum am ersten Tag der Landessynode, die wegen Corona rein digital stattfindet. In den nächsten Jahren rechne er entsprechend der öffentlichen Steuerschätzung mit einer Verbesserung der Situation, aber natürlich werde die Lücke, die 2020 gerissen habe, nicht sofort ausgeglichen werden können.

Also muss gespart werden, und zwar nicht nur wegen der corona-bedingten Einnahmeausfälle. Auch der Mitgliederrückgang spielt in den Hochrechnungen eine Rolle. Bis 2030 will die Kirche 19 Prozent einsparen. Das sind bis zu 250 Millionen Euro, sagt Blum. Sparpotential sieht er unter anderem bei Immobilienprojekten.

Evangelische Landeskirche stimmt auf rigiden Sparkurs ein

Wo der Rotstift langfristig angesetzt werden soll, ist noch offen. Hier müssen zuerst die Schwerpunkte der kirchlichen Tätigkeiten festgelegt werden. Welche Aktivitäten spielen künftig eine Rolle und welche werden gestrichen? "Wir diskutieren darüber, wo wir einsparen können, was wir zusammenlegen können, was wir besser machen können", so Blum.

Die Landeskirche stimmt Gemeinden, Mitglieder und Projektpartner auf einen rigiden Sparkurs ein. Was allerdings nicht ins Bild passt: Die Synode soll bei Ihrer Video-Sitzung ein millionenschweres Bauprojekt in Nürnberg beschließen.

Ist millionenschweres Bauprojekt in Nürnberg noch zeitgemäß?

2017 hatte die Landeskirche das Gebäude der früheren Oberpostdirektion als Ertragsobjekt für 49 Millionen Euro gekauft. Inzwischen gibt es den Plan, die Immobilie in einen Evangelischen Campus umzubauen. Die evangelische Hochschule soll dort einziehen, und andere kirchliche Ämter und Vereine. Kostenpunkt: Knapp 180 Millionen Euro.

Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Joachim Pietzcker erklärt dies folgendermaßen: "Die Zinssituation ist im Moment so, dass in Wertpapier angelegtes Geld nur wenig Erträge bietet. In Immobilien angelegtes Geld ergibt mehr ." Daher sei es kein Widerspruch, wenn Geld, das zuvor in Wertpapieren angelegt war, für die Zukunft in Immobilien anlegt werde. Das Geld stamme aus dem vorhandenen Vermögen und werde lediglich umgeschichtet.

Ob sich der evangelische Campus verwirklichen lässt, liegt in den Händen der Kirchenparlamentarier, die am Donnerstag über dieses finanzielle Großprojekt entscheiden werden.

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