BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Bangen um die Ostersaison: Bayerische Gastwirte verzweifelt | BR24

© BR
Bildrechte: pa/dpa/Mara Brandl

In einem Mahnbrief fordern sieben Bürgermeister tourismusgeprägter Gemeinden im Oberland, Berchtesgadener Land und im Oberallgäu eine Lockerung des Lockdowns bis spätestens Ostern. Ohne den Tourismus läge die regionale Wirtschaft am Boden...

2
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Bangen um die Ostersaison: Bayerische Gastwirte verzweifelt

"Es gibt keine Rettungsboote für uns, es gibt gar nichts", sagt ein Hotelier aus Nürnberg. Die Aussicht, an Ostern vielleicht immer noch nicht öffnen zu können, sorgt für Verzweiflung in der Tourismusbranche in Bayern.

2
Per Mail sharen
Von
  • Frank Jordan

Sie habe Stammgäste, die habe sie nach der Absage Ostern 2020 und der Verschiebung auf Herbst 2020 schon nach drei Tagen wegen des erneuten Lockdowns wieder heimschicken müssen, beklagt Ferienwohnungs-Vermieterin Stefanie Wenger aus Marktschellenberg im Landkreis Berchtesgadener Land. Jetzt müsse sie diese treuen Touristen zu Ostern 2021 womöglich zum dritten Mal vertrösten: "Mir bricht das Herz, wenn ich die Gäste jetzt vielleicht anrufen muss, um zu sagen, es klappt zum dritten Mal nicht."

"Es gibt keine Rettungsboote für uns"

Als trostlos beschreibt Berta Jäger, Gastwirtin aus Absberg im fränkischen Seeland ihre Situation: "Wirt zu sein, heißt bei den Gästen zu sein, die mit zu unterhalten, von denen mit unterhalten werden. Geselligkeit, das ist das Leben von einem Wirt." Als unvergleichbar empfindet Bernhard Steichele, Hotelier und Gastwirt aus Nürnberg, die Lage: "Irgendjemand hat einmal gesagt, wir sitzen alle in einem Boot in dieser epidemischen Lage. Das stimmt aber nicht ganz, weil wir sind wie die Holzklasse. Es gibt keine Rettungsboote für uns, es gibt gar nichts."

Brandbrief aus dem Süden Bayerns: "Situation ist kritisch"

"Wo sind unsere Perspektiven?" - so fängt ein offener Brief an Ministerpräsident Markus Söder an, den Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und fünf Gemeinden des Landkreises Berchtesgaden (Berchtesgaden, Bischofswiesen, Marktschellenberg, Schönau am Königssee und Ramsau) Montagabend veröffentlicht haben. Sie verweisen in dem Schreiben darauf, dass ihre Regionen bereits jetzt touristische Umsatzverluste von über 800 Millionen Euro zu tragen hätten.

Die Buchungen für den bevorstehenden Sommer seien aufgrund der Unsicherheit schlecht: "Wir fürchten um die Qualität in unseren touristischen Betrieben." Die Betriebe seien mit verlässlichen Hygienekonzepten vorbereitet, die acht Unterzeichner (neben den sieben genannten Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern auch der Vorsitzende des Zweckverbands Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee) drängen daher auf eine Öffnung aller Betriebe in der Beherbergung, Gastronomie und Freizeitwirtschaft.

Aiwanger: "Ostern ist für mich das letzte Datum"

"Wir können nicht noch ein halbes Jahr warten", erklärte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) im Live-Talk auf BR24. Die gastronomischen Betriebe müssten Richtung Ostern öffnen und zwar selbst dann, wenn sich die Inzidenzwerte nur seitlich bewegten und nicht weiter sinken würden. "Mein Kampf gilt, dass ich Ostern öffnen will", so der Minister. Geht es nach Aiwanger, soll mindestens die Außengastronomie ermöglicht werden oder konkret: Ein Bier, eine Brotzeit mit zwei Meter Abstand im Freien. "Ostern ist für mich das letzte Datum", machte Aiwanger in Richtung Berlin und Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin klar, "nicht dass denen im März einfällt, noch einmal um vier Wochen zu verlängern."

"Osterurlaub vorstellbar": Innenminister Herrmann ist zuversichtlich

Er halte Osterurlaube durchaus für vorstellbar, erklärte Joachim Herrmann heute anlässlich der Bilanz des Tourismusverbandes Franken, dem der CSU-Innenminister zwölf Jahre bis Ende 2020 vorstand. Auf ein konkretes Datum oder bestimmte Inzidenzwerte als Voraussetzung wollte sich Herrmann allerdings nicht festlegen. Den Vorstoß von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), er sehe für Osterurlaube in Deutschland keine Chance, bezeichnete Herrmann als nicht nachvollziehbar. Keiner könne zum jetzigen Zeitpunkt, sechs Wochen vor Ostern, vorhersehen, wie die Pandemie-Lage Ende März, Anfang April sein wird.

Ziel sei ein 7-Tage-Inzidenzwert von 35 und dass Hotels und Gaststätten wieder öffnen könnten. Wenn die Infektionszahlen weiter sinke und die Sterberate überdurchschnittlich zurückgehe, sei er zuversichtlich, dass zu Ostern Lockerungen möglich seien.

Erster Fingerzeig auf weiteres Vorgehen am Freitag?

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am Freitag an einer Videokonferenz mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und allen bayerischen Landrätinnen und Landräten sowie Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern teilnehmen. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sei dabei, kündigte Söder heute an. Für die bayerischen Kommunalpolitiker bietet sich damit die Möglichkeit, direkt mit der Regierungschefin über Sorgen und Nöte zu sprechen, zum Beispiel über schnellere Lockerungen des Lockdowns. Er rechne mit einer offenen Debatte, wird der Ministerpräsident zitiert.

Möglicherweise gibt Angela Merkel erste Hinweise darauf, wie sie weiter vorzugehen gedenkt. Die nächste Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin ist für den 3. März vorgesehen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!