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Hundetrainerin Nicoletta Reina mit Hündin Lilly in der Zahnarztpraxis in Markt Berolzheim.

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Wegen Corona: Kein Hundetraining in Mittelfranken

Die Weißenburgerin Nicoletta Reina arbeitet als Hundetrainerin. Mit viel Liebe hat sie sich ihr Geschäft mühevoll aufgebaut. Seit Corona aber geht nichts mehr. Dabei ist ihre Arbeit so wichtig – auch in Bereichen, auf die man nicht sofort kommt.

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Von
  • Nicole Schmitt

Sie ist ein echter Wirbelwind und steht auf Streicheleinheiten. Labradordame Lilly wehrt sich nicht, als Stephanie Kernstock und Delyan Kukurinkov ihr liebevoll das Fell kraulen. Der 13 Wochen alte Welpe fühlt sich in seinem künftigen Arbeitsumfeld schon sichtlich wohl. In der Markt Berolzheimer Zahnarztpraxis von Herrchen Delyan soll der Labrador Kindern und Erwachsenen die Angst vorm Zahnarztbesuch nehmen.

Trainierte Hunde können Ängste bei Menschen minimieren

Bei der Zahnarzt-Angst müsse man unterscheiden, erklärt Kukurinkov. Es gebe Patienten, die nur ängstlich seien. "Es gibt aber auch Patienten, die tatsächlich eine Phobie haben, die sich wirklich sehr schwer tun, in die Praxis zu kommen oder sich behandeln zu lassen." Schon wenn sie vor der Türschwelle stünden, bekämen diese Menschen Herzrasen oder ein Übelkeitsgefühl. Mit einem Hund könnte man erreichen, dass sich diese Patienten leichter tun, in die Praxis zu kommen und sich behandeln zu lassen.

Hundetraining wegen Corona praktisch nicht möglich

Lilly soll also für mehr Ruhe und Entspannung bei den Patienten sorgen und deshalb eine sogenannte Assistenzhündin werden. Die Ausbildung übernehmen wird die Hundetrainerin Nicoletta Reina. Sie ist auf Assistenz- und Begleithunde spezialisiert. Weil das Hundetraining in den Bereich "außerschulisches Bildungsangebot" fällt, darf Nicoletta Reina momentan nur ausbilden, wenn der Inzidenzwert unter 100 liegt. Diese Regelung gilt seit Mitte März. Vorher ging gar nichts. Faktisch hat sie deshalb seit Ausbruch der Corona-Pandemie gerade mal eine Woche als Hundetrainerin gearbeitet.

Hundetrainerin lebt von Erspartem

Keine leichte Situation für die Weißenburgerin. Ein paar Monate könne sie so noch durchhalten, erzählt Nicoletta Reina. Finanzielle Hilfe vom Staat bezieht sie nicht. Sie arbeitet nebenbei als Teilzeit-Kraft im medizinischen Bereich. Somit hat sie keinen Anspruch auf Corona-Hilfen. "Man versucht natürlich zu überbrücken und mit dem Erspartem auszugleichen. Aber man hat natürlich Sorge, dass das, was man sich über Jahre aufgebaut hat, kaputtgeht.“

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Golden Retriever Aimo soll Assistenzhund werden.

Assistenzhunde sind wichtig für Teilhabe an der Gesellschaft

Dabei sei ihre Arbeit doch auch für große Teile der Gesellschaft wichtig. Gerade Menschen mit psychischen und physischen Beeinträchtigungen seien auf Assistenzhunde angewiesen, um sich im Alltag sicher zu fühlen. Das bestätigt auch Kundin Nadine Geiselsöder. Ihr Golden Retriever Aimo soll Besuchshund im Pflegeheim werden. Doch die Ausbildung des zweijährigen Rüden liegt seit Monaten brach. "Das ist nicht verständlich in meinen Augen, weil es wichtig ist." Bei Demenzkranken beispielsweise, die im Pflegeheim wohnen, wäre der Einsatz von Hunden sinnvoll. "Ich wäre gerne mit Nicoletta mal in ein Heim, dass sie mir zeigen kann, wie so ein Besuch abläuft. Aber das geht halt alles nicht. Wir hätten auch schon einen Kindergarten an der Hand. Das geht auch nicht."

Hundetrainerin hofft auf Sondergenehmigung

Um die Assistenzhunde-Ausbildung für ihre Kunden baldmöglichst und inzidenz-unabhängig fortsetzen zu können, hat sich Nicoletta Reina jetzt schriftlich an das zuständige Veterinäramt gewandt und um eine Sondergenehmigung gebeten. Denn die immer wiederkehrenden Unterbrechungen im Assistenzhunde-Training seien sehr schwierig, weil dadurch die Ausbildungsziele gefährdet würden. "Diese Assistenzhunde sind oft bester Freund und vor allen Dingen auch Lebensretter. Sie können beispielsweise epileptische Anfälle melden und auch Herzerkrankungen anzeigen“, verdeutlicht Nicoletta Reina ihr Anliegen.

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Die Hundetrainerin Nicoletta Reina bildet vor allem Assistenz-und Begleithunde aus. Wegen Corona darf sie momentan aber nur ausbilden, wenn der Inzidenzwert unter 100 liegt.

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