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Wegen Corona: Karpfenkrise im Aischgrund | BR24

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Karpfenfischer am Aischgrund wissen nicht wohin mit dem Fisch.

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Wegen Corona: Karpfenkrise im Aischgrund

In Karpfen-Hochburgen wie dem Aischgrund herrscht im Herbst normalerweise Hochbetrieb. Doch in diesem Jahr ist auch hier alles anders: Die Teiche sind zwar voll, aber die Gaststätten geschlossen. Ein großes Problem für die Teichwirte.

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Von
  • Roland Zimmermann

Jetzt im November, einem Monat mit R, wäre es schön, einen leckeren Karpfen zu genießen. Das hat Tradition im Aischgrund. Doch die Gastronomie befindet sich erneut im Lockdown – ausgerechnet zur Hochzeit dieser regionalen Spezialität. Für die Teichwirte im Aischgrund ist das eine Katastrophe, denn die Natur kennt keinen Lockdown. Sie müssen abfischen bis die ersten Fröste kommen. Nur: wohin mit dem Karpfen?

Teichwirte befürchtet eine Katastrophe

Walter Jakob aus Mühlhausen betreibt die Karpfenzucht seit 26 Jahren haupterwerblich. Momentan hätte er alle Hände voll zu tun, denn die Teiche sind voll, die Karpfen diesmal gut gewachsen, aber die Gaststätten geschlossen. Diese haben bislang für eine einmalig frische Vermarktung der Karpfen in ganz Franken gesorgt. Doch nun ist das nicht mehr möglich, nur noch zum Mitnehmen. Aus dem einstigen Vorteil ist jetzt ein großer Nachteil entstanden – und das macht ihm Angst. Der Umsatz hat sich mehr als halbiert.

"Es ist eine ganz schwierige Situation, eine einmalige Situation und ich weiß mir keinen Rat, auch für die Kollegen. Jetzt die schlechte Vermarktung, das ist der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, dass auch Kollegen schon ans Aufhören denken." Walter Jakob, Teichwirt
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Im Aischgrund werden die Karpfen nach alter Tradition gezüchtet.

Einmalige Kulturlandschaft droht verloren zu gehen

Der Aischgrund ist Europas größte zusammenhänge Weiherlandschaft. Hier wird nach jahrhundertealter Tradition in 1.200 meist kleinen Nebenerwerbsbetrieben der Aischgründer Spiegelkarpfen gezüchtet. Der Großteil der Karpfenzüchter im Aischgrund bewirtschaftet die Teiche nur im Nebenerwerb. Viele kämpfen dabei um jeden Euro. Sollte der Lockdown in der Gastronomie länger als nötig dauern, befürchten alle hier einen unwiederbringlichen Niedergang.

Dringende Suche nach neuen Vermarktungswegen

Als Vorsitzender der Teichgenossenschaft tauscht sich Walter Jakob täglich mit dem Leiter des Instituts für Fischerei in Höchstadt an der Aisch, Martin Oberle, aus. Gemeinsam suchen sie nach neuen Vermarktungswegen für die frische Ware.

Die oft sehr flachen Karpfenweiher müssen bis zu den ersten Frösten abgefischt werden. Walter Jakob verlegt nun seine Karpfen in sogenannte Hälterungen. Darin können die Fische ein paar Wochen überwintern. Viele solcher frostfreien, tiefen Becken gibt es aber nicht. Der Druck die Karpfen jetzt irgendwie los zu werden, ist daher groß.

Teichwirte unter Druck

"Wir haben ein Brainstorming gemacht und es wäre natürlich ein Gedanke mit Kühllastern in die Ballungsräume zu fahren und dort frischen Karpfen auf den Märkten anzubieten", erzählt Martin Oberle. Die Corona-Krise und der erneute Lockdown haben die Situation bei den Teichwirten im Aischgrund massiv verschärft. Wie viele das überleben können, wird sich in diesem Winter zeigen.

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Die Teiche sind voll, die Restaurants aber geschlossen. Das ist fatal für die etwa 1.200 Kleinstbetriebe im Aischgrund. Zwar lässt sich der fränkische Traditionsfisch in Frischwasserbecken relativ gut lagern - doch gedacht ist das so nicht.

Leckere Karpfenrezepte zum Nachkochen

Wer trotz der geschlossenen Gastwirtschaften einen frischen Karpfen genießen möchte – vielleicht sogar aus dem Aischgrund – kann eines dieser Rezepte nachkochen.

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