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Bildrechte: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst

Ob im Landkreis Hof nach den Pfingstferien wieder Präsenzunterricht in den Schulen stattfinden kann, ist derzeit noch nicht klar.

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Wegen Corona-Hotspot: Bangen um Präsenzunterricht im Kreis Hof

Der Inzidenzwert im Landkreis Hof liegt über 60. Damit ist die Auflage für Präsenzunterricht nach den Ferien nicht erfüllt. Politiker hoffen aber auf eine differenzierte Betrachtung - denn der Wert ist durch eine einzige Einrichtung gestiegen.

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Von
  • Annerose Zuber
  • Ulla Küffner
  • BR24 Redaktion

Nach einem erneuten Corona-Ausbruch in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber im Landkreis Hof sind inzwischen 35 der 63 Bewohner mit dem Virus infiziert. Das teilte das Landratsamt Hof mit. Durch den Ausbruch war der Inzidenzwert des Landkreises Hof sprunghaft angestiegen und hatte sich zwischenzeitlich innerhalb eines Tages mehr als verdoppelt. Aktuell liegt er laut Robert Koch-Institut (RKI) bei 60,1.

Präsenz-Unterricht nach den Pfingstferien unklar

Noch ist unklar, welche Auswirkungen dies auf den Unterrichtsstart nach den Pfingstferien hat. Landrat Oliver Bär (CSU) hofft, dass trotzdem für alle Schulen im Landkreis Hof Präsenzunterricht möglich ist. Bär stehe im engen Kontakt mit der Regierung von Oberfranken und dem Gesundheitsministerium.

Am Freitagvormittag will er mit den Schulleitern aus dem Landkreis Hof die Details festlegen. Laut Informationen des Kultusministeriums ist Präsenzunterricht nach den Pfingstferien in den Regionen geplant, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 50 liegt. Nach dem Ausbruch in Naila liegt der Wert im Hofer Land allerdings darüber.

Politiker fordern differenzierte Beurteilung des Infektionsgeschehens

Landrat Bär hofft im BR-Gespräch, dass die Behörden den Inzidenzwert im Landkreis Hof differenziert beurteilen: "Wenn wir ein klar eingrenzbares Infektionsgeschehen haben und das so bleibt, dann sollte man die Öffnung der Schulen adäquat so gestalten, dass der Präsenzunterricht von diesem klar eingrenzbaren Infektionsgeschehen nicht abhängt."

Auch die FDP Hof-Land fordert eine genaue Prüfung, da es sich in Naila um "ein isoliertes und kontrollierbares Ausbruchsgeschehen" handle. Auswirkungen auf Schulen dürfe der Corona-Ausbruch in der Unterkunft nicht haben. Dort sei das Risiko wegen der Testpflicht überschaubar.

Wenig Resonanz auf Impfangebot: Zwei Infizierte im Krankenhaus

Alle 63 Bewohner der Gemeinschaftsunterricht in Naila stehen seit Bekanntwerden der Corona-Infektion am Wochenende unter Quarantäne. Zwei der 35 Erkrankten müssen inzwischen im Krankenhaus behandelt werden, so Landrat Bär.

In der Unterkunft haben bereits alle Bewohner ein Impfangebot erhalten, heißt es aus dem Landratsamt, doch nur eine Person hatte sich daraufhin impfen lassen. Seitens der FDP Hof-Land heißt es, man müsse in Anbetracht der geringen Impfbereitschaft in den Flüchtlingsunterkünften prüfen, ob in Gemeinschaftsunterkünften eine Testpflicht eingeführt werden könne.

Regierung von Oberfranken verlegt Bewohner und ordnet Tests an

Wie es auf Nachfrage des BR heißt, habe die Regierung von Oberfranken, nachdem sie von den ersten beiden positiven Testergebnissen in der Gemeinschaftsunterkunft erfahren habe, noch am selben Tag einen der Infizierten (der andere wurde bereits im Klinikum Münchberg behandelt) und enge Kontaktpersonen beider Infizierter in eine Quarantäne-Unterkunft nach Münchberg verlegt.

Bei den verbliebenen Bewohner seien Schnell- und PCR-Tests durchgeführt worden. Die hierbei negativ getesteten Bewohner sollen zeitnah aus der Gemeinschaftsunterkunft Naila herausverlegt werden.

Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften neu überdenken

In dem Wohnheim in Naila, in dem es unter anderem eine Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftsbäder gibt, hatte es bereits im vergangenen November einen größeren Corona-Ausbruch gegeben. Landrat Bär fordert, dass die Belegung in Gemeinschaftsunterkünften neu überdacht werden müsse.

Unabhängig davon seien Landratsamt und Regierung von Oberfranken zusammen mit der Volkshochschule (VHS) dabei, die Menschen noch gezielter über die Corona-Impfung aufzuklären. Dabei versuche man nun, verstärkt Menschen aus dem gleichen Kulturkreis der Asylbewerber mit einzubeziehen.

Naila: Bewohneranzahl nach erstem Corona-Ausbruch reduziert

Die Anzahl der Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Naila wurde seit dem Corona-Ausbruch im vergangenen Jahr reduziert, heißt es von der Regierung von Oberfranken. Von 76 Personen auf 63 Personen, die Kapazität der Einrichtung liege bei 94 Plätzen.

Die Möglichkeit, Abstand und Hygienemaßnahmen einzuhalten, bestehe aber in allen Einrichtungen, heißt es in einem Schreiben: "Die Gemeinschaftsunterkünfte in Oberfranken sind ohnehin von überschaubarer Größe, speziell auch im Landkreis Hof mit einer, nicht vollen, Belegung von derzeit elf bis 68 Personen".

Schutz vor Ansteckung hat hohe Priorität

Der Schutz der in den staatlichen Unterkünften lebenden Menschen vor einer Ansteckung mit Covid-19 habe für die Regierung von Oberfranken und die anderen verantwortlichen Behörden hohe Priorität. Hygienepläne seien erstellt worden, die Sicherheitsvorkehrungen umfangreich.

Regelmäßig würde darauf hingewiesen, dass im Gebäude eine FFP2-Maske zu tragen sei und die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden müssen. Gegen Verstöße würden die Hausverwaltungen vorgehen.

"Seit Beginn der Pandemie legen wir großen Wert auf Aufklärung und Information. Über die Hausverwaltungen haben wir den Bewohnerinnen und Bewohner der Unterkünfte umfangreiches, mehrsprachiges Informationsmaterial zur Verfügung gestellt, so selbstverständlich auch in Naila." Regierung von Oberfranken

Impfquote in Einrichtungen für Asylbewerber unterdurchschnittlich

Die Impfquote liegt in vielen Asylbewerber-Einrichtungen unter dem Durchschnitt. Auch die Regierung von Oberfranken bestätigt auf Nachfrage des BR in einem Schreiben eine eher verhaltene Impfbereitschaft unter den Geflüchteten.

Die FDP Hof-Land will einen möglichen Grund für die fehlende Impfbereitschaft ausgemacht haben. In einer Mitteilung des Kreisverbands der Partei heißt es, dass es unter Geflüchteten die Angst gebe, dass Geimpfte schneller abgeschoben würden.

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